Kammerorchester Rundel

Minimalismus und Opulenz

Christiane Oelze mit Webern-Lieder in München

Mozart, Schubert, Webern und Haas mit dem Münchener Kammerorchester
(München, 15. Januar 2009) Es war der einsame Höhepunkt des Konzerts mit dem Münchener Kammerorchester unter Peter Rundel im Prinzregententheater: Franz Schuberts letztes Lied „Der Hirt auf dem Felsen“ für Sopran, Klavier und Klarinette in der Bearbeitung von Philip Catelinet als große, virtuose Konzertarie. Christiane Oelze hatte zuvor schon Anton Weberns sechs Lieder op. 14 nach Gedichten von Georg Trakl, von Klarinette, Bassklarinette, Geige und Cello minimalistisch begleitet, bewundernswert präzise gemeistert. Doch nun war neben der perfekten Intonation schwierigster Zwölftonstrukturen auch die frei gestaltende Sängerin gefragt. Nicht nur die Rahmenteile sang die Sopranistin mit jubelnder, leuchtender Intensität, sondern fand auch für die Klage in der Mitte trauerumflorte, wunderbar sanfte Farben. Das Kammerorchester entfaltete mit der Solistin Nicola Jürgensen Schuberts Melos, zugleich Schwanengesang und heitere Begrüßung des Frühlings, ebenso bestechend schön.
Anton Weberns Symphonie op. 21 und die Streicher-Komposition von Georg Friedrich Haas „so dass ich’s hernach, gleichsam wie ein schönes Bild, im Geiste übersehe“ (1990/91), die sich filigran und komplex auf Mozart bezieht, und dessen „sechs Ländlerische“ KV 606 gingen dieser Entdeckung voraus. Das Hauptwerk des Abends war nach der Pause das halbstündige Streichsextett des 18-jährigen Erich Wolfgang Korngold. Dem wunderbar reichen, opulenten Stück tat die Bearbeitung für Streichorchester durch Peter Rundel allerdings nicht unbedingt gut. Allzu sahnig verdickt klang das oft und verwischte nicht selten eine Harmonik ins Ungefähre, die die Grenzen der Tonalität souverän ausreizt.
Wann immer Rundel in den leisen Passagen den originalen solistischen Satz beibehielt, begann die Musik fein zu schillern. Und immerhin profitierte das übersprudelnde Rondo-Finale von der ansonsten überflüssigen orchestralen Erweiterung.
Klaus Kalchschmid

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