Julian Pregardien

Händels Zauber

Julian Prégardien Foto: Agentur

Julian Prégardien und die Akademie für Alte Musik Berlin beglücken im Prinzregententheater mit Händel

Von Klaus Kalchschmid

(München, 21. November 2016) Die tragische Geschichte von Jephta, der nach siegreicher Schlacht Gott gelobt, den ersten Menschen zu opfern, der ihm zuhause begegnet – wie sich herausstellt, ausgerechnet seine eigene Tochter -, schildert Georg Friedrich Händel höchst eindrucksvoll in seinem letzten Oratorium. Julian Prégardien schlägt mit der Akademie für Alte Musik Berlin unter ihrem Konzertmeister Bernhard Forck in sieben Arien und Ariosi einen großen Bogen vom stolzgeschwellten siegreichen Helden über den zunehmend verzweifelten Vater, der die verhassten Strahlen der Sonne nicht mehr erträgt, bis zum gottergebenen Gläubigen, der die Engel bittet, seine Tochter sicher zur himmlischen Auferstehung zu geleiten („Waft her, angels“). Als einer dieser Engel – anders als im Alten Testament – die glückliche Rettung des Mädchens prophezeit, kann Jephta Gott nur noch danken: „For ever blessed be Thy holy name, Lord God of Israel“!

Die Wärme, Sanftheit und herbe Süße, der ebenso leise wie innige Ton, mit dem Prégardien Letzteres singt, traumhaft schwebend begleitet von der Akademie für Alte Musik Berlin, ist wirklich selten und beweist, dass hier nicht nur ein exzellenter Tenor mit runder Klangfülle in allen Lagen zu hören ist, sondern ein ganz feiner Musiker. Dass er auch anders kann, zeigt der 32-Jährige auf dem Weg zur Weltkarriere, der im Sommer Carl Maria von Webers Oberon bei den Opernfestspielen singen wird, zuvor in der von Händel genial auskomponierten Verzweiflung, aber auch im ausgelassenen Hedonismus des Belshazzar in Händels gleichnamigem Oratorium: kernig auftrumpfend und viril leuchtend klingt das.

Begonnen hatte das Konzert mit der Ouvertüre zum „Judas Maccabaues“ (und daraus der Arie „How vain is man“), gleich gefolgt durch die Sinfonie C-Dur op. 2/3 von William Boyce und später Händels Concerto grosso d-moll op. 3/5. Nach der Pause ergänzten Thomas Arnes Ouvertüre zu „The Judgement of Paris“ und das Concerto Nr.5 d-moll nach Domenico Scarlatti den Arien-Reigen des Jephta aufs Schönste. Kein musikalisches Füllmaterial zur Entspannung des Sängers war das, sondern integraler Bestandteil eines Konzerts, das bestens in die Vor-Adventszeit passte und dessen Mitschnitt sinnigerweise von BR Klassik am 22. Dezember (20.03 Uhr) gesendet wird.

Weitere Abende mit der Akademie für Alte Musik Berlin im Prinzregententheater:

10.Februar 2017
Händel: „The Occasional Oratorio“
mit BR-Chor und Solisten unter Howard Arman

6.März 2017
„Von fremden Ländern und Menschen“
Orchesterwerke von Telemann, Händel, Vivaldi und Rebel

23. April 2017
Werke von Vivaldi, Heinichen und Wilhelm Friedemann Bach
mit Maurice Steger (Blockflöte)



Münchner Philharmoniker


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.