Julia Fischer und Martin Helmchen

Schwebendes Wandern

Julia Fischer und Martin Helmchen

Julia Fischer und Martin Helmchen

Julia Fischer und Martin Helmchen mit einem Schubert-Programm im Herkulessaal
(München, 4. Dezember 2007) Solche Konzerte haben Seltenheitswert: Zwei junge Künstler widmen sich anderthalb Stunden einem einzigen Komponisten, gänzlich uneitel und hoch musikalisch, nur der Musik dienend – wie jetzt die Geigerin Julia Fischer und der Pianist Martin Helmchen im Herkulessaal mit einem reinen Schubert-Programm.
Zwei Jugendwerken standen zwei späte Stücke gegenüber: Zu Beginn die A-Dur-Violinsonate D 574 (1817), das Rondo h-moll von 1826, nach der Pause die a-moll-Sonate D 385 (1816), die große C-Dur-Fantasie D 934, komponiert 1827.
Schon in den ersten Takten war klar, dass dies ein Abend der Vergegenwärtigung wunderbarer Musik würde und nicht einer der Zurschaustellung geigerischer Fähigkeiten. Selbst im überaus virtuosen Rondo stand der musikalische Ausdruck im Vordergrund, wurde Brillantes immer wieder in feines Piano zurückgenommen.
Nicht anders bei der ungleich tiefgründigeren Fantasie, der Schuberts Rückert-Vertonung „Sei mir gegrüßt“ zugrunde liegt. Dass kein Ton dieses weitgespannten Variationszyklus‘ ohne Bedeutung blieb, dass schon der erste große melodische Aufschwung herzzerreißend schön und sanft musiziert war, überraschte eigentlich am Ende dieses großartigen Abends nicht mehr. Denn auch der Pianist offenbarte sich in jedem Takt als empfindsam und plastisch mitgestaltender Kammermusiker, der sich nie in den Vordergrund rückte, aber stets ausdrucksintensiver Partner war. Das für Schuberts Spätwerk so charakteristische Moment, die Zeit langsam vergehen zu lassen, immer wieder in den Gestus eines fast schwebenden Wanderns zu verfallen – die beiden Musiker ließen es Ereignis werden.
Selbst wer in den akustisch nicht optimalen hinteren Reihen des Herkulessaals saß, war in der a-moll-Sonate davon verzaubert, wie sanft und weich Fischer und Helmchen musizierten, im Andante noch zarter, noch empfindsamer, noch mehr „leggiero“ artikulierten – allen großen, imponierend gestalteten Steigerungen zum Trotz. Gleiches galt für das Finale, dessen elegische Melodie des Anfangs immer wieder berührend tiefgründig und trauerumflort dominieren durfte.
Bleibt zu erwähnen, dass die beiden jungen Musiker als Zugabe den langsamen Mittelsatz der D-Dur-Sonate spielten: noch so ein Juwel der zarten, innigen Entfaltung. Ovationen im restlos ausverkauften Herkulessaal.
Klaus Kalchschmid

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