Jörg Widmann Kammerkonzert

Kammermusik in kaltem Grau

Jörg Widmann Foto: Felix Broede/Schott Verlag

Wenig Stimmung: Jörg und Carolin Widmann und Anna Gourari spielten Brahms, Schumann und andere im Herkulessaal der Münchner Residenz
(München, 25. November 2008) Meist erlebt man den aus München stammenden Musiker Jörg Widmann als Komponisten. Der 35Jährige hat sich mit seinen Werken mittlerweile in die erste Liga der jüngeren deutschen Komponisten emporgearbeitet und wird auch bei so repräsentativen Anlässen wie den Salzburger Festspielen gerne aufgeführt. Aktuell betont er wieder mehr seine andere Seite, die des Instrumentalisten nämlich. Widmann ist ein hervorragender Klarinettist. Im jüngsten Kammerkonzert der Winderstein-Konzerte im Herkulessaal der Residenz am Dienstag dominierte der Klarinettist Widmann – den Komponisten gab es mit seinen „Études I-III“ für Violine solo zu erleben.
Zusammen mit seiner Schwester, der Geigerin Carolin Widmann, und Anna Gourari am Klavier gab sich der Klarinettist Jörg Widmann ganz romantisch. Johannes Brahms mit seinen zwei Klarinettensonaten und Robert Schumann mit seinen „Fantasiestücken“ sorgten für die Spitzenwerke im Repertoire. Widmann und Gourari spielten sie mit mehr Delikatesse als Feuer; sie achteten auf Klarheit der Struktur und vermittelten gewissermaßen Gefühl durch Verstand. Widmann spielt virtuos, aber auch sehr kontrolliert. Das gibt wundervolle Piano-Wirkungen, aber an anderen Stellen fehlt dann der Schmelz, der das Herz wirklich rühren würde.
Ein gravierendes Hindernis für die Wirkung dieser Musik war allerdings der Saal. Die erst vor kurzem installierte Licht-Dekoration blieb ausgeschaltet, und so breitete sich das düstere Grau der Wände ungehemmt aus. Besonders unangenehm fiel die Stirnwand des Podiums auf – so sieht gerade die U-Bahn-Haltestellte Münchner Freiheit im Umbau aus, und da möchte man auf keinen Fall lange verweilen.
Mehr als über die Musik gab das Konzert also Anlass zum darüber Nachdenken, dass mit diesem Saal etwas geschehen muss. Eine solch trostlose Veranstaltung (optisch) müssen Konzerte mit klassischer Musik wirklich nicht sein.
Auch Schumanns Sonate für Violine und Klavier a-moll op. 105 wollte nicht recht aus der Reserve kommen. Carolin Widmann spielte sie zwar sauber und mit Einsatz. Aber ihrem Ton fehlt es an Wärme und Strahlkraft, er wollte nicht richtig erblühen. In Anna Gourari jedenfalls hatten beide Widmanns eine Partnerin am Klavier, die für lebhaftes Geschehen an ihrem Instrument sorgte.
Dass Carolin Widmanns Herz besonders für die Neue Musik schlägt, das bewies sie in den „Études“ ihres Bruders, von denen jede einem anderen Solisten gewidmet ist, die dritte der Schwester. Wie oft in der zeitgenössischen Musik geht es auch hier um die Entgrenzung tradierter Spieltechniken. Dennoch ist es seltsam, dass die Solistin auch angehalten ist, mit den Vokalen A-U-A mitzusingen.
Alle drei Künstler kamen zum guten Ende in den „Kontrasten“ von Béla Bartók zusammen. Temperamentvolle Musik in einem Kammerkonzert, dem es insgesamt, auch wegen der Atmosphäre des Saales, etwas an Feuer fehlte.
Laszlo Molnar

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