Jaroussky

CD der Woche

Sacred Cantatas, Philippe Jaroussky, Erato  0825646 491599 + Bonus DVD

Der Markt an Countertenören ist mittlerweile fast unübersehbar geworden. Der kürzlich gemeldete Tod von Russell Oberlin erinnerte an eine noch sehr frühe, experimentalle Zeit dieser speziellen Gesangskunst. Als vor einiger Zeit eine Produktion von Leonardo Vincis „Artaserse“ durch die Konzertsäle tourte, war Gelegenheit gegeben, sich die durchaus divergierenden Stimmtypen im Counterfach vor Ohren zu führen.
Philippe Jaroussky gehört (wie auch der im Moment stark nachrückende Valer Sabadus) zu den Sängern mit starker Soprantendenz. Bei seiner jüngsten CD  überrascht also das absolut nicht hauchige, wenn auch dezent artikulierte Tiefenregister in der Arie „Schlummert ein, ihr matten Augen“ in der Bach-Kantate „Ich habe genug“. Die Höhen werden hier wie auch bei „Vergnügte Ruh“ und Telemanns „Der am Ölberg zagende Jesus“ und „Der sterbende Jesus“ hingegen nicht besonders herausgefordert. Dennoch und vielleicht gerade deswegen schwingt Jarousskys Organ „sanft und selig“ (Worte aus der oben genannten Arie). Die helle Androgynität früherer Jahre hat sich inzwischen etwas verflüchtigt (der Sänger ist mittlerweile 38), aber das für ihn so typische engelhafte Singen ist als „Markenzeichen“ nach wie vor erkennbar.

Dass Jaroussky gewillt ist, zu neuen Ufern aufzubrechen (er dirigiert mittlerweile auch), beweist die Wahl von Kantaten in deutscher Sprache, ein Novum, welches akustisch allerdings nur bedingt zu Buche schlägt. Zwischen dem Kantaten-Vielschreiber Telemann und Bach gibt es zweifelsohne qualitative Unterschiede, Telemanns Ölberg-Szene wirkt in der Instrumentation und emotional allerdings überaus bewegend. Ein deutscher Klangkörper steht (man möchte sagen: logischerweise) dem Sänger zur Seite: das vielfach (u.a. unter Rene Jacobs) bewährte Freiburger Barockorchester.

Christoph Zimmermann

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