Jansons und Apkalna mit Saint-Saens‘ Orgelsymphonie

Jansons und Apkalna

Ja, die Franzosen

Mariss Jansons dirigiert Poulenc, Berlioz und Saint-Saens – Iveta Apkalna begleitet ihn dabei auf der Orgel

Von Robert Jungwirth

(München, 15. März 2019) Die Entwicklung der Symphonik im 19. Jh. in Frankreich ist durchaus verschieden zu der in Deutschland. Schon die fantastischen Erfindungen eines Berlioz haben mit dem, was Mendelssohn-Bartholdy oder Schumann in etwa zu dieser Zeit komponiert haben so gut wie nichts zu tun. Und Saint-Saens und Bizet beschreiten wiederum sehr eigene Wege. In seinem französischen Programm, das Mariss Jasons jetzt mit den BR-Symphonikern bot, konnte man einen guten Eindruck von dieser Eigenständigkeit gewinnen.
Ist Berlioz‘ Ouvertüre „Le carnaval romain“ ein übersprudelndes Füllhorn an Ideen und Motiven, das selbstverständlich keinerlei symphonischen Regeln folgt, so zeigt Saint-Saens Orgelsymphonie in ihrer Zweisätzigkeit durchaus eine Reminiszenz an die große deutsch-österreichische Symphonie-Tradition – allerdings verknappt und auf sehr eigenwillige Art und Weise. Und wie originell Saint-Saens dabei vorgegangen ist, das war ihm durchaus bewusst, als er schrieb: „Hier habe ich alles gegeben, was ich geben konnte…so etwas wie dieses Werk werde ich nie wieder schreiben“.

Letztlich ist seine Symphonie Nr. 3 in c-Moll ein Gattungsunikum von überragender Ausstrahlungskraft. Und Jansons widmete sich dem Werk mit ganzer Hingabe und ganzem Ernst, weil er weiß, dass es sich hierbei – auch jenseits der symphonischen Tradition – um ein absolutes Meisterwerk handelt. Die Tiefe des Werks tritt zum einen durch seine Tonart, zum anderen durch den thematischen Kern des gregorianischen „Dies irae“ deutlich hervor, der von Saint-Saens in beständiger Variation verändert wird. Diese Vielgestaltigkeit, die Licht- und Schattenwirkungen in dieser Symphonie sind faszinierend und wurden von den BR-Musikern mit großer orchestraler Noblesse und – wo nötig – Strahlkraft veranschaulicht. Überaus bewegend etwa gelang der Beginn des Adagios – mit geradezu überirdischen Klangmischungen von Orgel und Orchester. Und der Orgel-Star, die lettische Organistin Iveta Apkalna, sorgte ihrerseits für klangvolle Akzente an der nach ihrer Renovierung ganz wunderbar klingenden Orgel in der Gasteig-Philharmonie.

Warum aber Jansons und Iveta Apkalna als Ergänzung dieses französischen Abends ausgerechnet Francis Poulencs Konzert für Orgel gewählt haben, das leuchtete jedenfalls nicht unmittelbar ein. Denn dieses von 1938 stammende Werk wirkt dermaßen heterogen, dass es mitunter schon ans Groteske grenzt: zwischen Apokalypse und Seifenblasen. Genauso wenig ist einem klar, dass der Pianist Poulenc, der erklärtermaßen keinerlei Verbindung zur Tradition der Orgelmusik hatte, dieses Instrument für ein Konzert gewählt hat. Entsprechend unmotiviert klingt leider vieles, was darauf dann zu spielen ist – selbst bei einer so hervorragenden Interpretin wie Frau Apkalna. Hätte er doch lieber ein weiteres Klavier- oder Cembalokonzert geschrieben…

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