Jansons mit Bruckners Achter

Flächiger Bruckner

Mariss Jansons müht sich mit Bruckners Achter Symphonie mit den BR-Symphonikern in der Münchner Philharmonie

Von Klaus Kalchschmid

(München, 6. November 2017) Die gewaltige, anderthalbstündige achte Symphonie von Anton Bruckner ist nach Aufnahmen der Dritten bis Neunten (von der Fünften abgesehen) mit BR-Symphonikern und dem Concertgebouworkest Amsterdam eine Herzensangelegenheit von Mariss Jansons, die er sich 2014 krankheitsbedingt in München noch nicht erfüllen konnte. Jetzt ist in der Philharmonie das Ringen um den richtigen Ausdruck in jedem Takt unüberhörbar.

Aber diesen gewaltigen Koloss zu durchdringen, seine musikalische Architektur nicht zuletzt durch stimmige Temporelationen hör- und nachvollziehbar zu machen, über jeden Abbruch, jede Generalpause hinweg die Spannung zu halten, aber auch die kammermusikalischen Momente aufblühen zu lassen, gelingt fast nie ohne Einschränkung. Und wenn es stimmt, was Jansons immer wieder betont, dass das zweite der beiden Konzerte mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks stets das besser gelungene ist, dann muss man es diesmal um so mehr bedauern, schon am ersten Abend dabei gewesen zu sein.

Es ist schwer zu beschreiben, was genau den Eindruck erweckte, dass vieles noch nicht ganz rund lief, warum manches, zumindest auf einem Platz relativ weit vorne mitten in Block C vor allem in den Streichern immer wieder seltsam matt oder im Verein mit der großen Blechbläser-Batterie allzu massiv und flächig tönte.

Mit dem Adagio wandelte sich das Blatt etwas und man musste es nicht mehr als Manko ansehen, dass die BR-Symphoniker eben doch – anders als die Münchner Philharmoniker – kein genuines Bruckner-Orchester mit entsprechender, über hundert Jahre kontinuierlich gewachsener und weitergegebener Erfahrung sind. Vor allem gegen Ende dieses „feierlich langsam, doch nicht schleppend“ zu spielenden, fast halbstündigen Satzes gab es einige wunderbar sangliche, geradezu magisch leise Momente, an denen die Gruppe aus acht traumhaft warm und weich tönenden Hörnern und die bei Bruckner sonst so raren Harfen keinen geringen Anteil hatten.

Ohne eine derart laut lärmende, selbst den vielstimmigen Bläserchor übertönende Pauke hätte vielleicht dieser Satz ähnlich überzeugend geklungen wie der langsame. So aber musste man auch hier einige Abstriche machen.

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