Jansons mit Bartok, Wagner, Strauss

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Irisierendes Leuchten und schneidende Schärfe

Mariss Jansons und das Symphonieorchesters des BR mit Wagner, Strauss und Bartok
(München, den 27. April 2007) Leider hat Mariss Jansons in seinem Vertrag mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nicht dieselbe Klausel wie beim Amsterdamer Concertgebouworkest. Dort ist festgelegt, dass der Chef mit seinem Orchester für eine Opernproduktion „freigestellt“ ist, um, wie im letzten Jahr, eine sensationelle „Lady Macbeth von Mzensk“ an der Nederlandse Opera zu erarbeiten (siehe DVD-Kritik). Denn wer Jansons am Freitag erlebte, als er Vorspiel und Liebestod aus dem „Tristan“ im Herkulessaal zum sanften Glühen und irisierenden Leuchten brachte, danach aber die Stationen einer den Wahnsinn streifenden Obsession in der Suite aus Béla Bartóks Ballett „Der wunderbare Mandarin“ mit schneidender Schärfe und doch klanglicher Flexibilität zu diamantener Härte und funkelnder Klarheit schliff, der mochte bedauern, dass dieser Dirigent auf absehbare Zeit in München keinen Orchestergraben betreten wird. Einen Trost gibt es: das Konzert unter seiner Leitung mit den Schlagern aus „Lohengrin“ „Tannhäuser“, „Walküre“ und „Götterdämmerung“ im März nächsten Jahres mit dem Symphonieorchester des BR.
Dabei hatte sich bei der den Saal schier sprengenden Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss dank der vielen Fernsehkameras noch etwas Nervosität breitgemacht, ging so manches Detail in Breitwand-Lautstärke unter. Um so überraschender, wie Jansons und seine BR-Musiker den Herkulessaal bei Wagner und Bartók zum Klingen brachten. Famos, wie der Bogen gewölbt war vom ersten Erklingen des berühmten „Tristan-Akkords“ über die ekstatischen Aufschwünge des Finales bis zum leisen Verdämmern und der Verklärung. Und welch‘ feine Zwischentöne im Orchestergewebe waren in dieser Fassung ohne Singstimme zu hören!
Noch aufwühlender und erregender: Bartóks heute noch eminent moderne und ebenso kantige wie harmonisch unverwechselbare Musik; eine wahrhaft „höllische“, wie schon der Komponist meinte, und von einer Intensität und Ausdruckskraft, die an Fiebervisionen denken läßt. Jede Bläserstimme saß perfekt, keine rhythmische Verunklarung störte, keine Schwebung der Streicher. Jeder Takt war exzellent geprobt und doch mit größtmöglicher Spontaneität musiziert.
Tosender Beifall für ein Konzert, das mit großer Betroffenheit und Stille begonnen hatte: der Schweigeminute zum Tod Mstislaw Rostropowitschs, „ein“, wie Jansons sagte, „Verlust für die gesamte Menschheit“.
Klaus Kalchschmid

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