Jan Lisiecki

Konzertkritik: Jan Lisiecki

Ephebenhaft

Jan Lisiecki Foto: Ben Graf

Jan Lisiecki und die Camerata Salzburg unter Louis Langrée zu Gast in Köln
Von Christoph Zimmermann
(Köln,19.Oktober 2014) Allerorten wird derzeit des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedacht, dessen Schrecken sich auch im Schaffen vieler Komponisten niedergeschlagen hat. Ein Beispiel ist, leicht irritierend allerdings, Maurice Ravels „Tombeau de Couperin“, jetzt Auftaktstück beim Gastspiel der Camerata Salzburg unter Louis Langrée in der Kölner Philharmonie.
Nun war der Ästhet Ravel freilich nicht der Mann, lautstark Klage zu erheben. Während in seiner „Pavane pour une infante defunte“ ein Trauergestus erkennbar ist, erweist sich „Tombeau“ als ein eher heiter gestimmtes Werk. Dabei sind die vier Sätze der orchestrierten Klavierversion gefallenen Kameraden gewidmet, persönlicher Schmerz somit eingewebt. Auch der Tod von Ravels Mutter fällt in jene Jahre.
Der Akzent des Werktitels liegt offenkundig mehr auf dem Namen des Komponisten-Kollegen Francois Couperin als auf „Tombeau“. Vielleicht ist der elegant leichte, oft regelrecht sprudelnde Gestus der Musik ein gezielt angebrachter Hoffnungskontrast zu grausamer Realität. Eine Wiedergabe des Werks vermag darüber freilich kaum zu entscheiden. Louis Langrée, Chef der Camerata seit 2011, war also im Recht, keine Grübeleien zu infiltrieren, sondern die Komposition so zu präsentieren wie auf’s Papier gebracht: charmante Hommage an ein historisches Zeitalter, mag sein mit Trostabsicht. Das Orchester spielte vital und elastisch.
Wenn man ein Gran an graziöser Leichtigkeit hier noch vermissen mochte, so wurde sie bei Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 467 mustergültig nachgereicht, zumal im paradiesisch angehauchten Andante-Mittelsatz. Da konnte man Mozarts Geist als wirklich beschworen empfinden, welcher vor allem in den Anfangs-= Paumgartner-Jahren des Ensembles (seit 1952) ja auch zur Maxime erhoben wurde.
Zudem saß jetzt mit Jan Lisiecki ein junger Mann am Flügel, welcher die Feingliedrigkeit und Eleganz von Mozarts Musik exzellent umzusetzen versteht. Dazu trugen Klarheit des Anschlags, leicht perlende Läufe und wundervoll gleichmäßige Triller bei. Aber der 19jährige Kanadier (äußerliches Markenzeichen: perfekt ondulierte Blondfrisur) war darüber hinaus „Manns genug“, sein Spiel nicht in Ephebenhaftigkeit abgleiten zu lassen.
Zart geädert kamen Claude Debussys „Deux Danses“ daher, mit der Harfenistin des Orchesters, Ulrike Mattanovich, als einwandfreier Solistin. Bei der Mozart-Sinfonie D-Dur KV 297 („Pariser“) gingen die Camerata und der auch jetzt wieder mit ziemlich ausladender Dirigiergestik Ausdruck einfordernde Louis Langrée in die Vollen. Man hörte – unbedingt mit Freude – einen maskulin konturierten Mozart, was durch die relativ pompöse Besetzung des Werkes aber in jedem Falle legitimiert ist.

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