"KlassikInfo ist Pflichtlektüre"
(Hartmut Haenchen)

KlassikInfo Kalender

4. Februar 1697 - Uraufführung der Oper "La clemenza d'Augusto" von Giovanni Bononcini in Rom 

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Meldungen

Kriegskonferenz und Weltenbrand

Während die Kriegsminister und -treiber dieser Erde an diesem Wochenende mal wieder die Münchner Innenstadt für ihre unsägliche PR- und Rüstungslobby-Veranstaltung okkupieren, inszeniert die Bayerischen Staatsoper (korrespondierend dazu?) den Weltenbrand auf der Fassade des Nationaltheaters via...

Bregenzer Festspiele und Roland Geyer beenden Zusammenarbeit

Der Vorstand der Bregenzer Festspiele und der ab dem Jahr 2015 verpflichtete Intendant Roland Geyer haben einvernehmlich die Auflösung ihrer Zusammenarbeit beschlossen. Im Rahmen der gemeinsam begonnenen Konzepterstellung ergaben sich unüberbrückbare Auffassungsunterschiede über die künstlerische...

Friedrich Cerha erhält Ernst-von-Siemens Musikpreis 2012

Der österreichische Komponist Friedrich Cerha wird mit dem mit 200.000 Euro dotierten Ernst-von-Siemens Musikpreis 2012 ausgezeichnet. Gewürdigt wird nicht nur der Komponist Cerha, sondern auch der Dirigent, Organisator, Lehrer und Musikwissenschaftler. Bekannt wurde Cerha auch duch seine...

Dominique Meyer und Franz Welser-Möst verlängern in Wien

Der Wiener Staatsopern-Direktor Dominique Meyer hat heute seinen ursprünglich bis 31. August 2015 laufenden Vertrag um weitere fünf Jahre verlängert. Er bleibt somit bis 31. August 2020 künstlerischer Geschäftsführer der Wiener Staatsoper. Genauso lang kann Franz Welser-Möst als...

John Cage und Wolfgang Rihm bei MaerzMusik in Berlin 2012

Das internationale Festival für aktuelle Musik der Berliner Festspiele MaerzMusik widmet sich in seiner 11. Ausgabe vom 17. bis 25. März 2012 den Komponisten John Cage und Wolfgang Rihm und ihrem Umfeld. An neun Tagen werden zentrale Werke Cages und Rihms ausgewählten Kompositionen nachfolgender...

Rechnungshof rügt Salzburger Festspiele

In einem aktuellen Bericht kritisiert der österreichische Bundesrechnungshof das Finanzgebahren der Salzburger Festspiele in einer Vielzahl von Beispielen. So vermittelten etwa die Rechnungsabschlüsse kein getreues Bild der Vermögens- und Ertragslage, heißt es. Das Rechnungswesen des Salzburger...

Rattle dirigiert 2013 "Zauberflöte" in Baden-Baden

Die ersten Osterfestspiele in Baden-Baden mit den Berliner Philharmonikern werden 2013 mit Mozarts "Zauberflöte" eröffnet. Am Pult steht ihr Chefdirigent Sir Simon Rattle. Die Neuinszenierung erarbeitet der kanadische Opernregisseur Robert Carsen. Zu den prominenten Solisten zählen unter...

Gespräch zum neuen Münchner "Ring"

Anlässlich der Neuinszenierung des "Ring des Nibelungen" in diesem Jahr an der Bayerischen Staatsoper findet am 19. Januar, 19 Uhr, ein Presse-Gespräch statt, das live auf www.staatsoper.de übertragen wird. Die Diskussion zwischen Intendant Nikolaus Bachler, Regisseur Andreas Kriegenburg...

Thomas Quasthoff beendet seine Sänger-Karriere

Der Bariton Thomas Quasthoff hat heute seinen Abschied von der Konzertbühne verkündet. "Ich habe mich entschlossen, mich nach fast 40 Jahren aus dem Konzertleben zurückzuziehen, weil es mir meine Gesundheit nicht mehr erlaubt, dem Anspruch, den ich immer an mich selber und an die Kunst...

Kirill Petrenko sagt wegen Krankheit Oper in Wien ab

Der Dirigent und zukünftige GMD der Bayerischen Staatsoper Kirill Petrenko muss wegen einer wieder akut gewordenen Rückenerkrankung das Dirigat für die Neuproduktion Iolanta/Francesca da Rimini am Theater an der Wien zurückgeben. Das teilt das Theater mit großem Bedauern mit. Kurzfristig ist es der...

Alexis Weissenberg gestorben

Der aus Bulgarien stammende Pianist Alexis Weissenberg ist am 8. Januar in Lugano gestorben. Er wurde 82 Jahre alt. Weissenberg galt als intellektueller Musiker, der sein Publikum spaltete. Vielen war er zu kühl, rational, andere schätzten seine Klarheit etwa in Liszts h-Moll-Sonate....

Bayerische Staatsoper bietet kostenlos Opern im Internet

Im Januar werden zwei Opernproduktionen der Bayerischen Staatsoper in Echtzeit ins World Wide Web übertragen: Den Anfang macht am 7. Januar L'elisir d'amore von Gaetano Donizetti mit Pavol Breslik alias Nemorino und Adriana Kucerova als Adina. Regisseur David Bösch erzählt in phantasievollen...

Peter Konwitschny löst seinen Vertrag mit der Oper Leipzig auf

Der Chefregisseur der Oper Leipzig, Peter Konwitschny, hat überraschend zum ersten Januar 2012 um Auflösung seines Vertrags gebeten. Das hat das Opernhaus bekannt gegeben. Intendant Ulf Schirmer zeigte sich überrascht, habe aber dem Wunsch Konwitschnys entsprochen. Er dankte dem Regisseur für sein...

Karl-Friedrich Beringer als Chorleiter des Windsbacher Knabenchors verabschiedet

Bei einem Empfang im Theater Ansbach verabschiedeten am 21. Dezember Vertreter aus Kirche, Politik und Kulturleben Karl-Friedrich Beringer als künstlerischen Leiter des Windsbacher Knabenchores. Vor 400 geladenen Gästen würdigten sie die Leistungen und Verdienste des 63jährigen Dirigenten, der den...

Im Wagner-Jahr 2013 bleibt Wahnfried dicht

"Im Jahr 2013 feiern wir den 200. Geburtstag Richard Wagners. Dieses Jubiläum ist Anlass, das nach Wiederaufbau 1976 eröffnete Haus Wahnfried baulich zu sanieren und das seitdem dort etablierte Richard Wagner Museum neu zu gestalten und zu erweitern." So heißt es auf der Homepage des...

Michael Haefliger verlängert bis Ende 2016 beim Lucerne Festival

Michael Haefliger hat seinen Vertrag als Intendant des Lucene Festival bis Ende 2016 verlängert. Während seiner Intendanz seit 1999 konnte er das Profil des Festivals durch die Gründung des Lucerne Festival Orchestras - gemeinsam mit Claudio Abbado, und der Lucerne Festival Academy - unter der...

Hillers "Heilige Nacht" im Orff-Zentrum München

Im März dieses Jahres feierte Wilfried Hiller, der Mitarbeiter, Schüler und Freund von Carl Orff, seinen 70. Geburtstag. Das Orff Zentrum München beteiligt sich an diesem Jubiläum mit einer Aufführung seiner »Heiligen Nacht« nach dem Text der gleichnamigen »Weihnachtslegende« von Ludwig Thoma am...

Aus für DGB-Vorstellungen auf dem Grünen Hügel

Ab kommenden Sommer wird es keine Gewerkschaftsvorstellungen mehr bei den Bayreuther Festspielen geben. Das haben der Verwaltungsrat der Festspiele und die Festspielleitung entschieden, meldet die Süddeutsche Zeitung heute (14.12.). Hintergrund der Entscheidung ist die vom Bayerischen Rechnungshof...

Herausragende Solisten

Patricia Kopatchinskaja Foto: Marco Borggreve

Patricia Kopatchinskaja, Fazil Say,  René Jacobs und Jörg Widmann bei der Salzburger Mozartwoche

(Salzburg, Februar 2012) Die Salzburger Mozartwoche befindet sich seit einiger Zeit im Aufbruch zu neuen Kombinationen, sei es programmatisch, sei es, was die eingeladenen Künstler betrifft. Dass über Mozart hinausgedacht wird, ist nicht ganz neu; dass man sich bis ins 21. Jahrhundert vorwagt, hingegen schon. Und auch wenn der Noch-Leiter der Mozartwoche ein scheidender ist, seine Spuren bleiben hörbar. Das nächste Team (Marc Minkowsky und )wird im ersten Jahr Wagner und romanische Kompo­nisten in die Konzerte inkludieren. Am Donnerstag Vormittag spielen der in seinen Auf­fassungen oft recht eigenwillige türkische Pianist Fazil Say und die moldawische - hier darf man's sagen - Ausnahme-Geigerin Patricia Kopatchinskaja im Großen Saal des Mozarteums Mozart und Beethoven. [Besprechung lesen]

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Turnen auf Kothurnen

Iryna Vakula (Vénus), Christophe Gay (Mars) Foto: Gert Weigelt

Die Deutsche Oper am Rhein in Düsseldorf brachte die Tragédie mise en musique "Castor et Pollux" von Jean-Philippe Rameau heraus - inszeniert von Choreograph Martin Schläpfer

(Düsseldorf, 28. Januar 2012) Bei Hector Berlioz findet sich die süffisante Bemerkung, dass ein Franzose selbst noch für die Aufführung vom Jüngsten Gericht einen Grund dafür findet, auf der Bühne tanzen zu müssen. Seit ungefähr 1670 ist der Tanz in französischen Opern unverzichtbar. Nicht selten hat man daher auch von ballet statt von Oper gesprochen. Zwei solcher Opernballette von Jean-Philippe Rameaus bekam das Düsseldorfer Opernpublikum in den letzten zwei Jahren geboten (das Comédie-Ballet "Les Paladins" und das Ballet-Bouffon "Platée"). In diesem Januar endet der Düsseldorfer Rameau-Zyklus mit der Tragédie mise en musique "Castor et Pollux". Aber auch in diesem großen Bühnenwerk von 1737 ist der Tanz essentiell. In den Passepieds, den Menuetten oder fetzigen Tambourins, die in jedem der fünf Akte einen musikalischen Höhepunkt liefern. Insofern ist es logisch, dass der Hauschoreograph Martin Schläpfer die Choreographie übernimmt. Er hat daraus sein Opernregiedebüt gemacht. [Premierenkritik lesen]

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Der Halbgott des Gemetzels

Auf zum fröhlichen Schlachten Foto: Wolfgang Silveri

Webers "Freischütz" in Calixto Bieitos Deutung als "psychologischer Thriller" an der Komischen Oper in Berlin 

(Berlin, 30. Januar 2012) So viel Wald war nie. Wer befürchtet hatte, der als Skandal-Regisseur verschriene Calixto Bieito könnte den "Freischütz" seiner heimlichen "Hauptperson" (Hans Pfitzner) berauben, konnte erleichtert aufatmen: Der schon vor Beginn hochgezogene Vorhang gibt den Blick frei auf eine Bühne voll entlaubten Gesträuchs, in unheimliches Licht getaucht. Später kommen vom Schürboden herab mächtige Stämme, die in der Wolfsschlucht-Szene erwartungsgemäß ins Wanken geraten und danach, im 3. Akt, ruinenartig kreuz und quer durcheinander liegen. [Premierenkritik lesen]

Das Boulez-Wunder

Pierre Boulez Foto: Philippe Gontier

Der Beginn der Salzburger Mozart-Woche mit Auftritten von Pierre Boulez, Andras Schiff, Mitsuko Uchida und Pablo Heras-Casado  

(Salzburg, 28./29. Januar 2012) Manchmal gibt es ja doch was zu entdecken, und sei es auch nur, weil John Eliot Gardiner sein Dirigat aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig zurück­legen musste. An seiner Stelle leitete der 35-jährige spanische Dirigent Pablo Heras-Casado - einer von denen, die schon in jungen Jahren mit einem Triple-A gehandelt werden - das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Und nutzte seine Chance. Bei Mozart noch ein wenig schüchtern und unentschieden phrasierend, steigerte er sich bei Mendelssohn- Bartholdys "Schottischer" Symphonie nicht nur zu großer Gestik, sondern in eine ungemein dramatische Erzählhaltung hinein, mit der er die Sympathie des Publikums im Sturm eroberte. [Besprechung lesen]

Rheintöchter als Ökoaktivistinnen

Endlich angekommen in der "besseren" Gesellschaft: Lance Ryan (Siegfried), Gregory Frank (Hagen) und Johannes Martin Kränzle (Gunther) Foto: Monika Rittershaus

Zwei Jahre lang hat die junge bulgarische Regisseurin Vera Nemirova an der Oper Frankfurt Wagners "Ring" geschmiedet, den sie gemeinsam mit Generalmusikdirektor Sebastian Weigle herausbrachte - gestern Abend ging er mit der "Götterdämmerung" zu Ende.

(Frankfurt, 29. Januar 2012) Wie drei Voodoo-Zauberinnen hocken die Nornen anfangs auf der leeren Weltenscheiben-Bühne. Und während das fabelhafte Opernorchester gemeinsam mit Generalmusikdirektor Sebastian Weigle drunten an einem satt farbenreichen, warmen Klangteppich webt, wickeln die Nornen droben große Wollknäuel ab und umwickeln all jene Protagonisten mit ihrem Gedankenfaden, die bisher beteiligt waren an der "Ring"-Tetralogie - bis der Faden reißt, weil die weisen Nornen das Ende der Geschicht' selbst noch nicht kennen. [Premierenkritik lesen]

Zauber der stillen Verzweiflung

Daniel Behle betört mit Schuberts "Die schöne Müllerin" im Münchner Cuvilliès-Theater und auf CD

(München, 28. Januar 2012) Ein junger Bursche, wohl keine 17 Jahre alt, Müller-Geselle und das erste Mal verliebt, betet ein Mädchen, die Tochter seines Meisters, an. Doch Schuberts 20-teiliger Zyklus erzählt in der ersten Hälfte der Lieder von vergeblicher Annäherung, kein Wort wird gewechselt, der Müller-Bursche vertraut sich stattdessen "seinem" Bach an, spricht mit dem Wasser des Mühlrads, dessen Bewegung musikalisch immer gegenwärtig ist. Allmählich wird dem Jungen klar, dass sein Objekt der Verehrung, des Verliebtseins und vielleicht auch des Begehrens wohl das Falsche ist. Er lässt Verzweiflung, Wut, Aggression zu und stirbt am Ende doch - zumindest symbolisch - einen nassen Tod in den Armen des "blauen kristallen Kämmerlein", das ihm ein Wiegenlied singt. [Besprechung lesen]

Tanz den Amadeus

Eine Tänzerin entsteigt dem Flügel - und dann? Foto: Bernd Uhlig

Die Choreographin Sasha Waltz und der Komponist Mark André kreierten zum Auftakt der Salzburger Mozartwoche ein "choreographisches Konzert" - mit mäßigem Erfolg

(Salzburg, 27. Januar 2012) Der Idee ist zweifellos einiges abzugewinnen. Warum sollte Sasha Waltz, die Straßennamen, Opern oder ganze Museen "vertanzt" nicht auch Mozart vertanzen? Kein bestimmtes Werk oder gar die Person Mozart. Nein verschiedene Werke in kleiner Besetzung, nicht nur mit Tänzern, sondern auch mit "tanzenden" Musikern. Nicht nur mit der Musik Mozarts, sondern auch mit zeitgenössischen Klängen des Komponisten Mark André im lebendigen Dialog.
Die Idee eines "choreographischen Konzerts" klingt gut, und so hoffte man denn am Geburtstag Mozarts auf eine interessante Neuschöpfung von Deutschlands Tanztheaterfrau Nr. 1 zum Auftakt der renommierten Salzburger Mozartwoche. [Besprechung lesen]

Der doppelte Fall von Mahagonny

Herwig Pecoraro (Fatty), Elisabeth Kulman (Leokadja Begbick), Tomasz Konieczny (Dreieinigkeitsmoses)

Wenig überzeugende Neuproduktion der Weill-Oper an der Wiener Staatsoper

(Wien, 27. Januar 2012) Stünde eine solche Äußerung nicht unter Terrorverdacht, man könnte wohl behaupten, dass Kurt Weills "Mahagonny"-Oper brandaktuell sei. Am Ende der goldenen Zwanzigerjahre haben er und Bertolt Brecht ein mit schönen Songs und Arien aufgeladenes Märchen über die Auswüchse der Gesellschaft des Schnell-Reich-Werdens geschrieben. Das war kurz vor dem vorletzten großen Börsenkrach; die Uraufführung fiel schon ins Minuswachstum. Rasch wurd´ es den Menschen braun ums Herz. Und was sich in "Mahagonny" noch als dummes Volk auf der Bühne tummelt, wurde zur plebejischen Aufsteigerpartie von SA, SS, Gestapo und Wehrmacht. [Besprechung lesen]

Ein klassisches Universum

Giuliano Carmignola Foto: Kasskara/DG

Das französische Orchestre des Champs-Elysées und Giuliano Carmignola beenden eine kleine aber feine Deutschlandtournee in der Düsseldorfer Tonhalle

(Düsseldorf, 22. Januar 2012) Das Spätnachmittagkonzert scheint die beste Unternehmung an einem verregneten und stürmischen Sonntagnachmittag. Der Rhein vor der Tonhalle strudelt gräulich und von Windböen zerzaust, während im Inneren des ursprünglichen Planetariums Giuliano Carmignola auf seiner Stradivari und das Orchestre des Champs-Elysées unter der Leitung seines Konzertmeisters Alessandro Moccia für eine musikalische Sternstunde sorgen: eine Haydn- und eine Mozartsinfonie kombiniert mit jeweils einem Haydn- und einem Mozartviolinkonzert. In der Tonhalle öffnet sich ein klassisches Universum![Konzertbesprechung lesen]

Weiße Klinik - rote Hölle

Liebe unterm Sowjetstern: "Francesca Da Rimini" Foto: Philipp Pfeiffer

Zwei kontrastreiche Einakter - Tschaikowskys "Iolanta" und Rachmaninows "Francesca da Rimini" - im Theater an der Wien

(Wien, 19. Januar 2012) Es gibt eingefahrene, konventionelle (aber durchaus brauchbare) Kombina­tionen von Operneinaktern, wie "I pagliacci" - "Cavalleria rusticana", selten neue Einfälle, doch zwei davon in Wien: Ende März wird an der Volksoper Leoncavallos "Bajazzo" (in deutscher Übersetzung) mit einer Oper von Hans Werner Henze zusammengespannt; schon Premiere hatte im Theater an der Wien ein ganz neues Tandem von zwei im deutschen Sprachraum ziemlich selten gespielten Werken: Peter Iljitsch Tschaikowskys letzter Oper "Iolanta" (bei der Petersburger Uraufführung kombiniert mit - man höre und staune - dem "Nußknacker") und Sergej Rachmaninows "Francesca da Rimini", ein Sujet, das dem gemeinen Opernfreund eher als italienischer Veris­mo-Reisser von Riccardo Zandonai geläufig sein dürfte. [Opernkritik lesen]

Nicht geraspelt, sondern gesungen

Bach und Beethoven als Nicht-Entspannungsmusik - Grigorij Sokolovs und Valery Afanassievs außergewönliche Klavier­abende im Wiener Konzerthaus

(Wien, im Januar 2012) Nicht allzu oft trägt sich im Konzertsaal das Nicht-Alltägliche zu, auch in Wien nicht, das ganz selbstverständlich den Ruf für sich in Anspruch nimmt, die geheime Musikhauptstadt der Welt zu sein. Manchmal aber geschehen die kleinen Wunder, und es wird eingelöst, was versprochen war. So geschehen jüngst im Wiener Konzerthaus, und beide Male mit russischen Pianisten, die sich abseits der ausgetretenen Karrierepfade auf jenem künstlerischen Ausnah­me-Plateau bewegen, das zu betreten nur wenigen vergönnt ist.[Besprechung lesen]

Jeder Ton ein Gefühl

Foto: Paul Leclaire

Die Kölner Oper präsentierte eine fantastische konzertante "Norma" mit Edita Gruberova

(Köln, 18. Januar 2012) "Norma" ist ein Schwergewicht im Opernrepertoire - aber auch ein Publikumsschlager. Drei "Norma"-Premieren in nur zwei Monaten in NRW, das ist Bellini-Luxus pur. Die Inszenierungen an den Theatern in Krefeld Mönchengladbach und in Dortmund feierten Anfang Dezember Premiere (KlassikInfo hat berichtet). Die Aufführung gestern in Köln fand auch in der Oper statt, aber ohne Bühnenbild und ohne Regie. Sie hat mit einer Starbesetzung in der Titelrolle gelockt. Das Publikum in der ausverkauften Kölner Oper hat auf einer Woge des Glücks geschwelgt. [Besprechung lesen]

Here and there and everywhere

Daniel Barenboim Foto: Richard Schuster

Daniel Barenboim ist mit "seiner" Staatskapelle Berlin auf Gastspielreise

(Köln, 17. Januar 2012) Über Herbert von Karajan kursiert eine wirklich köstliche Anekdote. Auf die Frage eines Taxichauffeurs, wohin er denn gefahren werden wolle, antwortete der Maestro: "Egal, ich werde überall gebraucht." Bei Daniel Barenboim scheint das langsam Realität zu werden. Obwohl er seine mittlerweile zwei Jahrzehnte währende Tätigkeit als GMD der Staatsoper Berlin vor einiger Zeit verlängerte, hat er der Mailänder Scala zugesagt, die Stelle des Musikdirektors zu übernehmen (Präsenzpflicht: vier Monate). Obwohl er bereits mit Anfang 30 in seine heute dominierende Dirigiertätigkeit einzusteigen begann (Orchestre de Paris, Chicago Symphony Orchestra, 18 Jahre Bayreuth, enge Bindung zu den Berliner Philharmonikern u.v.a.) hat Barenboim auch noch seine Pianistenkarriere beibehalten, in allen nur vorstellbaren Varianten. [Besprechung lesen]

Musik wie ein Raumschiff

Andrey Boreyko Foto: Marcel Grubenmann

Andrey Boreyko beeindruckt mit Schostakowitsch und Strauss bei den Düsseldorfer Symphonikern

(Köln, 15. Januar 2012) In einem bei Youtube nachprüfbaren Statement zum Programm eines seiner Düsseldorfer Sinfoniekonzerte ("Sternzeichen 3"), welches Werke von Gustav Mahler und Dmitrij Schostakowitsch enthielt, erzählt der Dirigent Andrey Boreyko, wie Letzterer als Knabe im einstigen Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, mit der Begleitung von Stummfilmen mühsam Geld verdiente, u.a. um sich ärztliche Behandlungen leisten zu können. Boreyko, 1957 in eben dieser Stadt geboren, gesteht in dem Interview seine besondere Liebe und Affinität zu Schostakowitsch. So kam es kaum von ungefähr, dass er mit den Düsseldorfer Symphonikern (Hausorchester in der Deutschen Oper am Rhein sowie der Tonhalle) bei einem Gastspiel in der Kölner Philharmonie Schostakowitsch als Filmkomponisten präsentierte. Ein erster wichtiger Beitrag für das Genre der Kinomusik war bereits 1939 entstanden ("Das neue Babylon"), besonders bekannt wurde die Musik zu "Die Bremse" (1955) sowie die zu dem von Grigori Kosinzew inszenierten "Hamlet" (1964). [Konzertbesprechung lesen]

Da rockt das Cembalo

Gustav Leonhard als Joh.-Seb. Bach in "Chronik der Anna Magdalena Bach" Foto: Verleih

Zum Tod des großen Cembalisten und Pioniers der historischen Aufführungspraxis Gustav Leonhardt

(16. Januar 2012) Vor gut einem Monat gab Gustav Leonhardt sein letztes Konzert in Paris - müde, abgemagert, schwach. In München konnte man ihn im Februar 2010 - und ein Jahr später - ein letztes Mal erleben! Wer damals dabei war und ihn danach noch sprechen durfte zu seiner Mitwirkung als Johann Sebastian Bach im wunderbaren Film "Die Chronik der Anna Magdalena Bach" von Daniéle Huillet und Jean-Marie Straub aus dem Jahr 1968, der hat einen zwar hageren, aber ungemein wachen und witzigen Mann in Erinnerung, der so redet wie er spielt: lebendig, frei, geradezu jungenhaft - seinen damals 83 Jahren zum Trotz! Neben Johann Sebastian Bach kamen auch Johann Christoph und Wilhelm Friedemann zum Zug und es ereignete sich ein Wunder! [weiter]

Auf die Kassa sehen

Dem Directeur ist nichts zu schwör: Harald Schmidt, Julia Bauer, Yeree Suh und Julian Prégardian beim Proben. Foto: Jochen Schaefsmeier

Die Tournee von Concerto Köln mit Harald Schmidt als Stargast leidet unter zu hohen Preisen - Auftakt verschoben

(Köln, im Januar 2012) Letzten Samstag sollte die Concerto Köln Tournee beginnen. Doch der Auftakt in Kiel und Lübeck fiel ins Wasser. Wegen zu geringen Kartenverkaufs, ließ der Konzertveranstalter melden! Jetzt startet die Tournee am kommenden Samstag, den 21. in Düsseldorf. Schon im Vorfeld hatte sich die künstlerische Leitung von Concerto Köln über den Veranstalter gewundert, der die Tournee aufgekauft hat und horrende Eintrittspreise verlangen wollte, nur weil der Fensehentertainer Harald Schmidt in Wolfgang Amadeus Mozarts "Schauspieldirektor" für runde 15 Minuten neben den Gesangssolisten vor dem Orchester mit auf der Bühne steht. [weiter]

Der andere große Sachse

Romantisch unterwegs: Martin Stadtfeld Foto: Uwe Arens

Martin Stadtfeld überzeugt vor allem mit Wagner-Bearbeitungen in Köln

(Köln, 13.Januar 2012) Zielstrebig auf das Podium der Kölner Philharmonie eilend, die schlanke Figur von Kopf bis Fuß in Schwarz gehüllt, wirkte Martin Stadtfeld wie eine Mischung aus elegantem Sportler und dämonischem Künstler. Nicolo Paganini mag einst so gewirkt haben oder auch Franz Liszt. Ihm ja war mit verschiedenen Bearbeitungen der 2. Teil des Klavierrecitals des Koblenzers gewidmet. Mit "Isoldes Liebestod" hatte der junge Pianist am gleichen Ort bereits vor längerem auf seine Repertoireerweiterung nach viel Bach, Haydn, Mozart und Schubert aufmerksam gemacht. Inzwischen ist eine CD-Anthologie "Deutsche Romantik" erschienen. Bis in die Zugabe von Robert Schumanns "Mondnacht" hinein (Martin Stadtfelds eigene Adaption) entsprach es seinem Kölner Liveauftritt fast in Gänze. [Besprechung lesen]

Verschiedene Wege zum Licht

Musik von Olivier Messiaen, Younghi Pagh-Paan und Eliott Carter bei der "Musica Viva" im Herkulessaal der Residenz

(München, 14. Januar 2012) Das zweite Abonnementskonzert der "Musica Viva" zeigte schon eine Fusion der Stilrichtungen, die der neue Musica-Viva Leiter Winrich Hopp seiner ersten Saison verordnet hat. Im Herkulessaal der Münchner Residenz traf der Franzose Olivier Messiaen auf den Amerikaner Eliott Carter. Dazwischen kam die in Süd-Korea geborene Komponistin Younghi Pagh-Paan mit einer Uraufführung zu Ton. Es spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Emilio Pomárico. Hier Messiaen - da Carter: der denkbar größte Gegensatz. [Besprechung lesen]


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Eine Woge aus Kraft und Licht

Zum 70. Geburtstag des Pianisten Maurizio Pollini hat die Deutsche Grammophon eine Kassette mit Werken des 20. Jahrhunderts veröffentlicht

Vor wenigen Tagen feierte Maurizio Pollini seinen 70. Geburtstag. Noch immer ist der italienische Pianist auf den bedeutenden Konzertpodien der Welt anzutreffen, wenngleich nicht mehr ganz so häufig wie früher. Vor kurzem erst wieder im Herkulessaal in München, wo übrigens viele von Pollinis Platten- und CD-Aufnahmen entstanden sind.
Wie nur wenige seiner Kollegen hat sich Pollini, obgleich er zunächst vor allem als Chopin-Interpret internationale Berühmtheit und Anerkennung erlangte, für die Musik des 20. Jahrhunderts engagiert. Mit dem Komponisten und Landsmann Luigi Nono verband ihn sogar eine enge persönliche Freundschaft. Das Werk Arnold Schönbergs gehörte von Anfang an zu Pollinis Repertoire, legt es doch gewissermaßen den Grundstein für die moderne Klaviermusik des 20. Jahrhunderts. [weiter]


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Schwerelose Virtuosität und Karate

Das Capucon Quartett Foto: Schloss Elmau

Eindrücke von der Kammermusikwoche auf Schloss Elmau

(Elmau, im Januar 2012) Es spricht entschieden für die Lebendigkeit der aktuellen Kammermusikszene, dass es nicht nur zahlreiche junge Ensembles gibt, sondern dass auch viele bekannte Solisten gerne und oft in Kammermusikformationen auftreten. Das schafft zusätzliche Aufmerksamkeit und sichert natürlich auch einen hohen Standard.
Die beiden aus Frankreich stammenden Ausnahmemusiker Renaud und Gautier Capucon sind seit Beginn ihrer Karrieren auch als Kammermusiker aktiv. Und beide wurden dafür auch bereits mit Preisen bedacht (2007 erhielt Renaud z.B. den ECHO Klassik für die "Kammermusik-Einspielung des Jahres).
Bei der traditionellen Kammermusikwoche auf Schloss Elmau konnte man die Brüder mit ihrer seit mehreren Jahren bestehenden Quartettformation zusammen mit der Geigerin Aki Saulière und der Bratscherin Béatrice Muthelet erleben. [weiter]

Klangpracht und Delikatesse

Neuaufnahmen von Jordi Savall, dem Ensemble amacord und dem Klavierduo Tal-Groethuysen

Trotz aller Unkenrufe werden die Musiker nicht müde, ihre Arbeit auch weiterhin auf CD zu veröffentlichen. Und obwohl auch Titel der Klassischen Musik immer öfter als "Lieder" angesprochen werden, besteht ein Musikstück auf diesem Gebiet eben aus mehr als nur einer Folge von Datensätzen in "iTunes". Seit jeher haben sich Komponisten und Veranstalter Mühe gegeben, ihrer Musik auch ein schönes, verbindliches und verbindendes Äußeres zu geben und auch ein komplexes, aus vielen Teilen bestehendes Werk als ein Ganzes erfahrbar zu machen. Einst die Schallplatte, heute die CD reflektiert in ihrer Ein-heit, in ihrer im Sinne des Wortes Fassbarkeit für das Tondokument dieses Streben nach dem Ganzen, dem Abgeschlossenen. Und auch als Geschenk macht sich so ein Schächtelchen oder so eine Box doch viel hübscher als ein Gutschein für einen Download. Wer weiß, wie das Jüngere sehen, wir jedenfalls haben unsere Freude daran. 

Und auch die die Labels, die noch mehr Anspruch haben, als die Klassik möglichst nahe an Verkaufszahlen des Pop heranzubringen, bereiten ihren Kunden Freude. Sie gestalten ihre Produkte unverändert liebevoll, mehr und mehr als Gesamtcover aus Pappe und Papier statt einer Plastik-Box, und: sie haben spannende Inhalte zu liefern. Fast könnte man sagen: je kleiner das Label, desto spannender der Inhalt. Eine kleine Auswahl aus dem Jahr 2011. [weiter]

Auf dem Silbertablett

ChristianThielemann und die Staatskapelle Dresden Foto: Matthias Creutziger

Silvesterkonzert der Dresdner Staatskapelle unter Christian Thielemann

(Dresden. 30. und 31. Dezember 201) Man sollte sich davor hüten, die Operette zu unterschätzen. Der Vortrag einer Szene oder Arie überzeugt erst dann, wenn subtile Erotik, Witz, Charme und Eleganz ins Spiel kommen. Qualitäten, die in den nüchternen Inszenierungen unserer Zeit oftmals kaum noch Raum finden, bei einem Zeitgeistverweigerer Christian Thielemann aber Ehrensache sind. Der setzte wie schon 2010 für sein erstes Silvesterkonzert mit der Sächsischen Staatskapelle Franz Lehár aufs Programm, diesmal mit Hits aus den Bühnenwerken "Das Land des Lächelns", "Zarewitsch", "Paganini" und "Giuditta".  [weiter]

Papageno auf dem zweiten Bildungsweg

Schreiten, stehen, gehen - edle Einfalt dominiert diese "Zauberflöte" Foto: W. Hösl

August Everdings uralt-Inszenierung der "Zauberflöte" feiert in einer ansprechenden Besetzung mit Daniel Behle, Erika Mikosa, Christian Gerhaher und Georg Zeppenfeld an der Bayerischen Staatsoper Auferstehung

(München, 28. Dezember 2011) Neben der Verpflichtung Neues aufzuführen und Klassiker zeitgemäß und spannend zu interpretieren gibt es für subventionierte Theater offensichtlich auch so etwas wie eine Verpflichtung, bestimmte Werke zu bestimmten Zeiten im Jahr zu präsentieren. Die "Fledermaus" zu Sylvester ist so ein Fall, "Hänsel und Gretel" rund um Weihnachten oder auch die "Zauberflöte", ebenfalls gerne zur Weihnachtszeit, obwohl Mozarts Oper natürlich übers ganze Jahr hinweg "Konjunktur" hat. Die Bayerische Staatsoper hat die "Zauberflöte" in einer neuen Besetzung in der (ur-)alten Inszenierung von August Everding jetzt zwischen Weihnachten und Neujahr aufs Programm gesetzt. Sehr zur Freude der Familien, die scharenweise in die Aufführungen strömen. Und das, obwohl Mozarts Oper wie viele (andere) Märchen auch nicht wirklich ein "Kinderstück" ist. [weiter]

Süßer die Counter nie singen

Männliche Weihnachtsengel: Ein Dutzend neuer CDs mit Countertenören ist in den vergangenen Wochen erschienen - ein kritischer Überblick

(Dezember, 2011) Heute brauchen sie keinen Exotenbonus mehr. Wenn Countertenöre wie Andreas Scholl, Philippe Jaroussky, Bejun Mehta, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli oder Carlos Mena eine neue CD veröffentlichen, ist ihnen kritische Aufmerksamkeit sicher. Und so unterschiedlich wie Timbre und Charakter der Stimmen, so verschieden sind auch Begleitung und Repertoire innerhalb Renaissance und Barock, das manchmal sogar weit ins 19. und 20. Jahrhundert vorausgreift. [zum Artikel]

Muse der Frühklassiker

Die rumänische Sopranistin Teodora Gheorghiu beeindruckt auf ihrer Debüt-CD mit unbekannten Bravourarien der legendären Sängerin Anna De Amicis

"Heut wird die de Amicis von Venedig aufbrechen, folg: in ein paar tagen hier seyn. dann wird die Arbeit erst recht angehen, bis dato ist noch nicht viel geschehen." So schrieb Leopold Mozart in einem Brief über die Vorbereitungen für die Uraufführung der Oper "Lucio Silla" seines Sohnes Wolfgang Amadeus 1772 aus Mailand. Tatsächlich wartete Wolfgang Amadeus Mozart mit der endgültigen Gestaltung mehrerer Gesangsnummern bis die berühmte Prima Donna in Mailand eintraf und er mit ihr die Arien durchgehen konnte. Mozart hat einmal sogar behauptet, er komponiere für die Sänger "nach Maß". Anna de Amicis hatte er in Neapel in Nicolo Jommellis "Armida abbandonata" gehört und sich wie viele andere Komponisten der Zeit sofort für ihre Stimme begeistert. Gerade deshalb wollte er seine Musik ihren stimmlichen und auch schauspielerischen Fähigkeiten anpassen, "wie ein gutgemachts Kleid". Der Musikschriftsteller und -reisende Charles Burney beschrieib Anna de Amicis als "die erste, die das "dreigestrichenen E mit der Kraft einer leuchtenden klaren Bruststimme" singen konnte. [CD-Besprechung lesen]

Kriminellen-Penthouse

Unterhaltungsprogramm im Gefangenenlager (c) Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Peter Konwitschnys verfälschende und verflachtende Inszenierung von Leos Janáček "Aus einem Totenhaus" hat Wien eingeholt

(Wien, 14. Dezember 2011) Eigentlich könnte man es ja auch als beruhigend ansehen, daß auch Meister des deutschen Regietheaters ihre Ausfallsquote in Anspruch nehmen. Peter Konwitschtny, dessen Insze­nierungen immer wieder für heftige Kontroversen gesorgt hat, hat - im Juni in Zürich und nun an der Wiener Staatsoper - eine der schönsten, schwie­rig­­sten und - gemessen am Genre-Durchschnitt - "unopern­haftesten" Opern von Leos Janáček herausgebracht. Hätte man nicht anneh­men dürfen, dass ihn "Aus einem Totenhaus", das letzte Bühnenwerk des mäh­rischen Kom­ponisten, zu einer herausragenden Leistung anspornen würde? Dass dem nicht so war, hat Publi­kum und Kritik schon in Zürich irritiert.
In Wien war es nicht anders. Dabei merkt man trotz allem im Detail der Perso­nen­führung immer wie­der den Vollblut-Regisseur. [Besprechung lesen]

Orfeo in der Projektionsfalle

Mari Eriksmoen (Euridice), John Mark Ainsley (Orfeo) Foto: Monika Rittershaus

Claus Guth und Ivor Bolton beginnen ihren Monteverdi-Zyklus im Theater an der Wien mit "L'Orfeo"

(Wien, 17. Dezember 2011) Warum werden - und in letzter Zeit ist das des öfteren passiert - Opern "gefühlt" immer länger? In einer unmodernen Antwort könnte man meinen, dass ihnen die Poesie fehle, die der Musik innewohnt und sehenden Auges eingeschrumpft wird. Aber da sei natürlich der wache Geist vor, der als Gegengewicht zum subjektiven Gefühl dafür sorgt, dass nach- und vorgedacht wird. Denn bei der Produktion des Monteverdischen "Orfeo" im Theater an der Wien handelt es sich um den Beginn eines dreiteiligen Zyklus. (Die vierte Oper des Komponisten über Ariadne ist ja bis auf das "Lamento" verloren.) [Besprechung lesen]

Der ganze Schubert und Nachfolger

Die Bamberger Symphonikern unter Jonathan Nott mit Schubert-Symphonien und zeitgenössischen Reflexionen  

(Dezember 2011) Der querformatige, mattglänzend schwarze, aufwendig gestaltete Schuber samt 131-seitigem Booklet ist für den Schatz von Jonathan Notts kompletten Schubert-Zyklus mit seinen Bamberger Symphonikern die rechte edle Verpackung. Er enthält nicht nur, aufgenommen zwischen 2002 und 2006, auf vier SACDs exzellente Aufnahmen der acht Symphonien, sondern auf zwei Scheiben unter den Titeln "Dialog" und "Epilog" auch zeitgenössische Reflexionen, wie sie unterschiedlicher und spannender nicht sein könnten und zum großen Teil in Bamberg uraufgeführt wurden. [CD-Besprechung lesen]

Rasen im Pulk

Unschöne Flecken im Wohnzimmer Foto: Oper Amsterdam

Manfred Trojahns Oper "Orest" wurde an der Nederlands Opera Amsterdam uraufgeführt

(Amsterdam, 8. Dezember 2011) Ein gellender Frauenschrei aus dem off. Der schwarze Bühnenverschlag zieht sich nach oben und gibt den Ausschnitt der unteren Bühnen frei. In einem spießigen Wohnzimmer mit bunt leuchtendem Weihnachtsbaum wälzt sich Orest in verbeulter beigefarbener Hose und grauem Shetlandpulli auf dem braunen Ledersofa. Die Geigen flirren. Dann bricht aus dem Orchestergraben gellendes Instrumentalgeschrei hervor. Angstschreie wandern in Dolby surround durch das Parkett. "Orest, Orest" schreit oder flüstert es. [Uraufführungskritik lesen]

Die Chemie stimmt

Ken-David Masur Foto: Chris Lee

Ken-David Masur stellte sich in München als erster Gastdirigent der Münchner Symphoniker vor

(München, 11. Dezember 2011) Nein, so schwierig wie das Verhältnis zwischen Übervater Erich Kleiber und genialem Sohn Carlos Kleiber ist das zwischen dem 84-jährigen Kurt Masur und seinem 34-jährigen Sohn Ken-David wahrlich nicht. Im Gegenteil. Nicht nur hat der Papa den 21-jährigen Studenten der Trompete, des Gesangs, der Komposition und des Dirigierens nach einer Aufführung von Purcells "Dido und Aeneas", die er leitete, animiert, "was draus zu machen", sondern  ist heute erste Adresse für den Austausch, für Rat und Tat, wie umgekehrt der Sohn beim Einstudieren großer Chorwerke, die seine Leidenschaft sind, gerne half. [Konzertbesprechung lesen]

Vulkanisch

Zwischen 19. Jahrhundert und Musical Foto: Iko Freese

Essen präsentiert eine neue "Fledermaus" in der Regie von Gil Mehmert und unter der musikalischen Leitung von Stefan Soltesz

(Essen, 10. Dezember, 2011) "Kein anderer Komponist ist dem Offenbachschen Vorbild so nahe gekommen wie Johann Strauß mit seiner 'Fledermaus'", heißt es in der Operettenbibel von Volker Klotz, dem "Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst". Dieses Kompliment unterstreicht zum einen das große Unterhaltungspotential dieses Werkes, gilt aber noch mehr seiner Ironie, Doppelbödigkeit und gesellschaftskritischen Schärfe. "Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist". Das kann so entspannt wohl nur ein Alfred singen, den ja nun wirklich nichts "geniert". Bei allen anderen Personen der Operette kriselt es, beruflich, privat. Der festgefügte Alltag lässt eine Flucht kaum zu, man sucht also Zerstreuung auf Festen, benebelt sich genussvoll  mit Champagner. Und wenn's schief geht, hat er's "verschuldet, so der finale Rundgesang. Eine harmlose Champagner-Operette ist die "Fledermaus" also nicht, sondern eine Abrechnung mit fatalen Lebensrealitäten. Die Wiener hatten 1873 (ein Jahr vor der Uraufführung) immerhin einen katastrophalen Börsenkrach zu verkraften. Das Haus Eisenstein wirkt davon zwar nicht in Mitleidenschaft gezogen, aber welche Zukunft der fast nur noch auf rhetorischen Floskeln aufgebauten Ehe, vor allem nach allen erotischen Fremdgängen, in Zukunft blüht, mag man sich gar nicht ausmalen. [Premierenkritik lesen]

Zu lange weilende Schönheit

Herbert Blomstedt Foto: Gert Mothes

Herbert Blomstedt überzelebriert Bruckners Siebente bei den BR-Symphonikern in München - Thomas Zehetmair spielt Hartmanns "Concerto funebre"

(München, 9. Dezember 2011) Es hat lange gedauert, bis Anton Bruckner für seine Symphonien breite öffentliche Anerkennung zuteil wurde. Immer wieder musste der Spätberufene (die erste Symphonie komponierte er mit 42 Jahren) Bettelbriefe an Dirigenten und Verleger schreiben, damit die seine Werke beachteten. Einer der wichtigsten Fürsprecher Bruckners war der Münchner Hofkapellmeister Hermann Levi, der auf Bruckner in den frühen 1880er Jahren aufmerksam wurde und 1885 in München mit sensationellem Erfolg seine Siebente Symphonie erstaufführte. Levi, der Uraufführungsdirigent des "Parsifal", war ein umfassend gebildeter und weitsichtiger Musiker, der auch mit Brahms sehr eng befreundet war, bis es - wegen Wagner - zum Zerwürfnis kam. [Konzertbesprechung lesen]

Immerwährendes Menschenschicksal

Janet Bartolova als Norma in Krefeld Foto: Matthias Stutte

Bellinis "Norma" in Dortmund und Krefeld 

(Dortmund, 3. Dezember - Krefeld, 9. Dezember, 2011) Die Opern Vincenzo Bellinis werden in Italien naturgemäß heiß geliebt, nicht zuletzt wegen ihrer vokalen Prägung. Auf der Bühne mag das Dekor noch so fad, die Regie noch so flau sein: wenn es mit dem schönen Belcanto stimmt, ist die Welt (fast immer) in Ordnung. Auch im Lande des "Regietheaters" gibt es eingefleischte Melomanen, die mit Sicherheit im Januar nach Köln pilgern, wenn Edita Gruberova in zwei Konzertaufführungen die Norma gibt. Die Bühne bedarf freilich mehr als nur pompöser Sänger-Statuarik. Schon mehrfach hat Regisseur Christof Loy zusammen mit der Sopranistin einen Weg gefunden, Belcanto-Gesang mit bühnendramatischer Glaubwürdigkeit zu verbinden. Zwei "Normas" im Raume NRW regen zu neuer Diskussion um das "Problem" italienische Oper heute an. [Besprechungen lesen]

Don Giovanni als Chimäre

Der "Steinerne Gast" zu Gast in der Königsloge Foto: Brescia\Amisano - Teatro alla Scala

Mozarts "Don Giovanni" zur Scala-Saisoneröffnung mit Anna Netrebko, Peter Mattei und Bryn Terfel - am Pult der neue Musikchef Daniel Barenboim

(Mailand, 7. Dezember 2011) Wenn der Oper, dem Regisseur, dem Dirigent und im Durch­schnitt auch den Sängern eines Projekts ein guter Ruf vorauseilt und das auch noch zur Saison­eröffnung der Mailänder Scala - was soll da schon schiefgehen? Und in der Tat, am Applaus gemessen hätte man am Schluss meinen können, einem großen Abend beigewohnt zu haben. Doch leider war dem nicht ganz so. [Premierenkritik lesen]

Musikalische Projektionen

Markus Stenz und das Gürzenich-Orchester Foto: Matthias Baus

Das Gürzenich-Orchester unter Markus Stenz mit Werken von Henze, Brahms und Saariaho 

(Köln, 4. Dezember 2011) Im jüngsten Konzert des Gürzenich-Orchesters wurde man mit zwei bewährten Besonderheiten konfrontiert. Zum einen gibt Markus Stenz, wie früher auch sein Vorgänger James Conlon, Orchestermitgliedern Gelegenheit für solistische Auftritte; diesmal war es der Trompeter Bruno Feldkircher. Viele Mitglieder des Orchesters profilieren sich ohnehin mit individuellen Auftritten außerhalb der Kölner Philharmonie oder machen CD-Aufnahmen, meist  in Kammermusikformation. Die Konzertmeisterin Ursula Maria Berg nahm sämtliche Violinsonaten von Robert Fuchs auf, ihr Kollege Torsten Janicke spielte Konzerte von Max Bruch und Hans Werner Henze ein. [weiter]

Stockhausen trifft Mozart

Ein glücklich erschöpfter Trevor Pinnock Foto: ISM/Wolfgang Lienbacher

Zum Abschluss der diesjährigen "Dialoge"-Reihe im Salzburger Mozarteum und zum Abschied des langjährigen Programmmachers Stephan Pauly gab es spirituelle Musik aus unterschiedlichsten Epochen und Kulturkreisen - ein außergewöhnliches Konzert

(Salzburg, 4. Dezember 2011) Wenn man die Salzburger mit einer Aufführung von Mozarts Requiem - zumal im Winter - hinter ihren gemütlichen Kachelöfen hervorlocken und auch noch beeindrucken will, dann muss man schon etwas Besonderes aufbieten. Selbstredend sind die Konzerte der "Dialoge"-Reihe der Salzburger Stiftung Mozarteum, was Programm und Interpreten anbelangt, fast immer etwas Besonderes, und somit standen die Chancen auf eine allgemeine Publikumsbeglückung mit diesem über die Maßen bekannten Werk ziemlich gut. Eingeladen waren neben dem Mozarteumorchester und dem Salzburger Bachchor der wunderbare Alte-Musik-Spezialist Trevor Pinnock als Dirigent, von dem man in Deutschland in den vergangenen Jahren leider nicht viel vernommen hat. [weiter]

Turandot ist Big Brother

Foto: W. Hösl

Der ehemalige GMD der Bayerischen Staatsoper Zubin Mehta kehrt für eine "Turandot"-Neuinszenierung nach München zurück - Carlus Padrissa von "La Fura dels Baus" gibt in München sein Regie-Debüt

(München, 3. Dezember 2011) In den 80er und frühen 90er Jahren waren die katalanischen Theatermacher von "La Fura dels Baus" berühmt-berüchtigt. Mit zum Teil drastischen Mitteln und jeder Menge Körpereinsatz sorgten sie in ihren Performances für ein gerüttelt Maß an Verstörung unter ihren Zuschauern. Die ließen sich den Nervenkitzel gerne gefallen, auch wenn es schon mal vorkommen konnte, das etwas oder jemand gegen einen Besucher knallte - Kollateralschäden eines lebensprallen Theaters. [Premierenkritik und Lesermeinungen lesen]

Europa wird von China freigekauft

Carlus Padrissa Foto: Bayerische Staatsoper

Interview mit dem Regisseur Carlus Padrissa von "La Fura dels Baus" über seine Inszenierung von Puccinis "Turandot" an der Bayerischen Staatsoper

KlassikInfo:
Herr Padrissa, was interessiert Sie an der Turandot-Geschichte, die ja ein Märchen ist, vor allem, welche Aspekte der Handlung?

Padrissa: Mich interessiert vor allem der Kontrast zwischen der Welt Turandots, einer kalten Welt, und der warmen Welt von Liu. Für mich ist das wie das Ying und Yang. Es gibt da diese geistige, kalte Welt und auf der anderen Seite die Leidenschaft von Liu. Es geht um die Transformation. Das ist auch das chinesische Gedankengut. Es ist ein Stück, das auch ein bisschen das chinesische Gedankengut umfasst, das Ying und Yang. [Interview lesen]


Alexander Pereira stellt sein Programm für Salzburg 2012 vor

Alexander Pereira Foto: Luigi Caputo

Salzburg geht in eine neue Intendantenrunde. Und was kommt, klingt trotz aller Unkenrufe durchaus interesssant

(Salzburg, 11. November 2011) Salzburgs kleine Politik hat sich im Sommer den wenig produktiven Scherz erlaubt, seinen neuen Sommer-Intendanten, den vom Zürcher Opernhaus zu den Festspielen wechselnden Alexander Pereira, klein- und schlechtzureden. Erstens tut man so was nicht und zweitens könnte sich herausstellen, daß die Klatschbüchse nach hinten losgeht. Gedeutelt und gerüchtelt wurde viel, nun aber sind die Tatsachen auf dem Tisch. Und die lesen sich doch ein bisschen anders.
Die neuen Opernproduktionen: Erstens die "Zauberflöte", dirigiert von Nikolaus Harnoncourt. Aber mit wem? Mit dem Concentus Musicus auf Originalinstru­menten und an dem Ort, wo sie gut aufgehoben sein sollte: in der Felsenreit­schule, inszeniert von Jens-Daniel Herzog (Premiere 27. Juli). Dazu passend Emanuel Schikaneders  Fortsetzung - der "zweyte Theil" - der Mozartoper, "Das Labyrinth oder Der Kampf mit den Elementen", mit der Musik von Peter von Winter. (Premiere - im für diesen Zweck neu adaptierten Residenzhof - 3. August.) [weiter]


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