Hrusa Bamberg

Auf dem Weg

Jakub Hrusa Foto: Andreas Herzau

Das zweite Konzert des neuen Chefdirigenten der Bamberger Symphoniker, Jakub Hrusa, mit Mozart, Rachmaninow und Brahms – und dem Pianisten Rudolf Buchbinder
Von Robert Jungwirth
(Bamberg, 23. November 2016) Am Ende dieses Jahres 2016 werden wohl einige Musiker und Mitarbeiter der Administration der Bamberger Symphoniker erst einmal erleichtert durchatmen. Nicht nur brachte der 70. Geburtstag des Orchesters Sondereinsätze mit sich, außerdem verabschiedete man den langjährigen Orchesterchef Jonathan Nott und hieß dessen Nachfolger Jakub Hrusa willkommen, unternahm ausgedehnte Gastspielreisen nach Südamerika, Korea, Japan und in den Oman (siehe Artikel darüber auf KlassikInfo.de). Dazu veranstaltete man den 5. Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerb, gab es CD-Projekte wie die 17 CDs umfassende Jubiläumsedition "Die ersten 70 Jahre" bei der Deutschen Grammophon, die erste CD mit Hrusa (Smetanas "Mein Vaterland"), ein unkonventionelles Fotoporträtbuch des Orchesters, ein Benefizkonzert mit Lang Lang, ein Benefizkonzert des Bundespräsidenten – und schließlich und endlich wird das Orchester auch beim Weihnachtsfest des Bundespräsidenten spielen (Ausstrahlung am 24.12. im ZDF).
Der 42jährige Marcus Axt, seit drei Jahren Intendant in Bamberg, ist ein umtriebiger und ideenreicher Impresario, wiewohl der jungdynamische Orchestermanager dieses altertümliche Wort für sich wahrscheinlich eher nicht reklamieren würde. Die Entscheidung für den 35-jährigen, aufstrebenden tschechischen Dirigenten Jakob Hrusa spricht für Axts Bemühen, in Bamberg neue Wege zu gehen und etwas zu riskieren – künstlerisch wie personell. Hrusa hat zwar bereits zahlreiche renommierte Orchester als Gastdirigent geleitet – er debütierte zwischen 2003 und 2015 bei über 40 Orchestern in 20 Ländern -, die Position in Bamberg ist jedoch seine erste Chefdirigentenstelle bei einem international herausragenden Orchester.
Sein umjubeltes Antrittskonzert gab Jakub Hrusa im Oktober mit Mahlers Erster, einem kurzen verrückten Stück von Edgar Varèse und einer Symphonie des Beethoven-Zeitgenossen Jan Vaclav Vorisek. Auch hier der Wille, eine eigene Handschrift deutlich zu machen. "Aufbrüche" ist das Motto des Saisonprogramms. Beim jetzigen Heimspiel in der Bamberger Symphonie an der Regnitz standen Mozarts Maurerische Trauermusik, Rachmaninows späte Sinfonische Tänze und Brahms‘ erstes Klavierkonzert auf dem Programm. Zwei Abschiedswerke und ein Klavierkonzert, das eine verkappte Symphonie ist – weshalb Brahms‘ Konzert ungewöhnlicherweise nicht vor, sondern als einziges Werk nach der Pause erklang.
Mozarts Trauermusik, für zwei verstorbene Logenbrüder, erinnert versteckt bereits an sein Requiem, wobei die Stellen mit den schnarrenden Bassetthörnern doch recht unheimlich wirken. Hrusa ließ sinnfällig phrasieren, wenngleich die Themen noch etwas geschärfter hervortreten hätten können. An Schärfe mangelte es dem prägnanten Haupthema des Eröffnungssatzes der Tänze von Rachmaninow dann allerdings nicht. Hrusa drang auf Prägnanz und war dafür auch mit seinem ganzem Körper im Einsatz – manchmal sprang er auch in die Höhe wie weiland Leonard Bernstein…Noch überzeugender aber geriet die Melancholie des Walzers im zweiten Satz, ein schwermütiger Blick Rachmaninows zurück auf eine untergegangene Welt, der Hrusa ganz natürlich eine slawische Aura verlieh.
Der Star im Klavierkonzert war dann jedoch nicht Hrusa und auch nicht das Orchester, sondern Rudolf Buchbinder, der Omnipräsente, der in diesem Jahr ebenfalls seinen 70. Geburtstag feiert. Man mag ob der Allgegenwart des Pianisten auf den Podien dieser Welt vielleicht ein wenig skeptisch werden, was den jeweiligen künstlerischen Ertrag so vieler und so unterschiedlicher Auftritte anbelangt. Doch im Konzert stellt man fest, Buchbinders pianistische Fähigkeiten sind über die Jahrzehnte gereift und haben gerade in den vergangenen Jahren noch einmal an Format gewonnen. Sein Einsatz mit dem Adagiothema des zweiten Satzes besaß ein so überragendes Form- und Klanggefühl, dass man vom nachfolgenden Orchestereinsatz beinahe enttäuscht war. Es lief nicht alles ganz rund in diesem Orchesterklavierkonzert bei den Bambergern, der Orchesterklang wirkte heterogen, zu wenig durchgestaltet. Hier wartet noch Arbeit auf Hrusa, der ansonsten an diesem Abend einen hochkompetenten und engagierten Eindruck machte…
Man darf gespannt sein, wohin er und das Orchester sich bewegen werden. Vorschusslorbeeren hat er nach dem Konzert im Oktober sehr viele erhalten. Jetzt geht es darum, durch kontinurierliche intensive Arbeit mit dem Orchester und spannende Programme zu überzeugen.



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