Grimaud und Gergiev mit Beethoven in München

Wie wär’s mal mit Kalkbrenner?

Helene Grimaud spult Beethoven ab, und Gergiev zaubert bei Strawinskys Petruschka – ein sehr uneinheitliches Konzert der Münchner Philharmoniker

Von Robert Jungwirth

(München, 27. Februar 2018) Natürlich ist Beethovens viertes Klavierkonzert ein enorm virtuoses Konzert mit seinen Läufen, Arpeggien und rhythmischen Extravaganzen. Und natürlich ist das alles auch sehr effektvoll komponiert. Aber reicht es als Interpret, nur das zu bedienen? Muss nicht auch etwas von dem hörbar werden, was nicht in den Noten steht, was aber bei Beethoven (fast) immer mitklingt: eine Vision von Menschlichkeit und Freiheit, die sich gegen alle Widrigkeiten behauptet. Nur dazu müsste man erkennen, was das Widrige und was die menschliche Utopie ausmacht, und dann müsste man es auch noch ausdrücken können.

Bei Helene Grimaud ist davon wenig, um nicht zu sagen gar nichts zu spüren. Sie rattert das Konzert mit fraglos bewundernswerter Leichtigkeit herunter – aber es bleibt harmlos, oberflächlich. Der Auftritt der Französin bei den Münchner Philharmonikern unter ihrem gerade verlängerten Chefdirigenten Valery Gergiev war einfach nur enttäuschend. Einen solchen Beethoven kann man sich sparen. Da würde es auch reichen, Friedrich Kalkbrenner oder Johann Nepomuk Hummel aufs Programm zu setzen – aber so etwas ist von der auf den Mainstream verpflichteten Pianistin ja leider auch nicht zu erwarten. Das wäre dann zumindest mal eine neue Hörerfahrung. Und auch die Philharmoniker trauen sich leider nicht, ein solches Werk aufzuführen…(Wenn die Repertoire-Verengung in unseren Konzertsälen so weiter geht, hören wird bald nur noch die immer gleichen paar dutzend Werke im Konzert…Hier müssen die subventionierten Orchester dringend gegensteuern. Bitte mehr Mut und Ideen!)

Leider war auch von Gergiev hier nicht wirklich Erhellenderes zu vernehmen. Er ließ Beethoven als Romantiker spielen: Orchesterklang vollfett, zu wenig artikuliert und phrasiert und zu wenig durchsichtig im Wechselspiel zwischen Holzbläsern und Streichern.

Gut kann Gergiev natürlich Strawinsky. Und so wurde die „Petruschka“-Ballettmusik nach er Pause – und nach der einleitenden, ein wenig spröden Symphonie für Bläser von 1920 – zu einem uneingeschränkt phantastischen Konzerthöhepunkt. Die Philharmoniker präsentierten sich als das souverän gestaltende und virtuos aufspielende Spitzenensembles, das sie sind – mit einer großen stilistischen Bandbreite und einem großen Gespür für den emotionalen und intentionalen Gehalt der Musik. Die musikalischen Bilder dieser anrührenden Marionettengeschichte sprühten nur so vor Farbigkeit, Charme und Witz – dass man eigentlich während der gesamten Aufführung mit einem Lächeln auf den Lippen dasaß und am Ende einfach nur begeistert in die Hände klatschte.

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