Gedenkkonzert Hans Landesmann

Abschied von einem Musik-Liebenden

Hans Landesmann. Bild: Szolnay Verlag/Heribert Corn

Das letzte Konzert der Salzburger „Dialoge“ 2013 war dem Gedenken an den Musik-Manager und –Förderer Hans Landesmann gewidmet.
Von Laszlo Molnar

(Salzburg, 1. Dezember 2013). So geplant war es gewiss nicht: Das letzte Konzert des Salzburger Festivals „Dialoge“, das am Sonntag Abend zu Ende ging, war dem Gedenken an Hans Landesmann gewidmet, der am 18. September dieses Jahres in Salzburg 81-jährig gestorben ist. Ohne Hans Landesmann würde es die „Dialoge“ in dieser Art nicht geben, und es gäbe vieles andere nicht, das die Musikwelt, und besonders die der zeitgenössischen Musik, in Bewegung hält. Das Konzert mit Musik von Pierre Boulez, Georg Friedrich Haas, Charles Ives und mit Mozarts „Requiem“ war einem Musik-Liebenden, -Manager und -Mäzen gewidmet, der über Jahrzehnte die Musiklandschaft Österreichs gestaltete und von dort aus auch die Musiklandschaft der Welt. Musiker wie Claudio Abbado, Pierre Boulez, Alfred Brendel und Maurizio Pollini waren seine Freunde, Kompositionen von Luigi Nono, Beat Furrer, Olga Neuwirth oder Georg Friedrich Haas seine Leidenschaft. Mit diesem Konzert nahm die Stiftung Mozarteum als Veranstalterin der „Dialoge“ Abschied von einem Menschen, der durch seine Kontakte auch die Arbeit der Stiftung bereichert hatte.
Hans Landesmann, im Hauptberuf Geschäftsmann und Unternehmer in Wien, wirkte für die Musik auf dezente und leise Art. Einer größeren Öffentlichkeit außerhalb Österreichs wurde er bekannt als Mit-Direktor der Salzburger Festspiele in der Ära von Gérard Mortier von 1991 bis 2001. Landesmann war es, der sich für Mortier stark machte und so den seinerzeit bedeutendsten Musikfestspielen der Welt zu einem Neubeginn nach der Zeit Herbert von Karajans verhalf.
Das Programm des Schlusskonzertes der „Dialoge“ spiegelte den Ambitus der musikalischen Leidenschaften, mit denen Landesmann als Konzertdirektor das Programm der Salzburger Festspiele außerhalb der Oper und des Schauspiels befeuerte: Auf dem Fundament des klassischen Musikverständnisses – dafür Stand Mozarts Requiem – bezog er die Klassiker der Moderne – „Memorial“ aus „…explosante-fixe…“ von Pierre Boulez für Flöte und acht Instrumente, Psalm 90 von Charles Ives für Chor, Orgel und Röhrenglocken – als selbstverständliche Programmpunkte der Konzerte mit ein und nützte jede Gelegenheit, dem ganz Neuen in Uraufführungen und Auftragskompositionen Raum zu geben, nicht zuletzt durch sein Engagement für das Festival „Zeitfluss“ (in diesem Konzert „Für Hans Landesmann“ des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas, für zwölf Instrumente). Mit dieser Zusammenstellung wurde den Zuhörern im Großen Saal des Mozarteums wieder vor Ohren geführt, wie stark unsere Musiktradition wirkt und wie eng das oft verstörende Neue mit den großen Werken der Klassiker verbunden ist. Letztlich ist es das Wesen aller bedeutenden Musik, dass sie von einer enormen Energie eines gestalterischen Willens, von einer fantastisch irrationalen Kraft des schöpferischen Moments getragen wird.
Das faszinierte Hans Landesmann an der Musik aller Epochen und er setzte alle Mittel ein, um ein möglichst großes Publikum an seiner Faszination teilhaben zu lassen, indem er Komponisten, Musiker, Ensembles und Musikveranstalter förderte – und forderte.
Die exquisite Formation „Österreichisches Ensemble für Neue Musik“ unter Johannes Kalitzke spielte die Stücke von Boulez  und Haas (geschrieben zum 70. Geburtstag Landesmanns 2002, ein eigentlich klagendes, sich in engen Dissonanzreibungen zehrendes Stück), bei Ives und Mozart dirigierte die französische Dirigentin Laurence Equilbey den Salzburger Bachchor und das Mozarteum-Orchester Salzburg. Während die Moderne den Ton traf, der auch Hans Landesmann immer gefallen hat – leise, dringlich, (be)zwingend -, fiel das Requiem wegen der großen Besetzung von Chor und Orchester in dem nur 800 Plätze bietenden Raum sehr laut und übermächtig aus.  Aber Laurence Equilbey, eine historisch bestens informierte Dirigentin, achtete im großen Klang auf die Balance und auf die Arbeit im Detail. Auch das waren die Qualitäten, die Hans Landesmann schätzte und für die er sich, als Initiator des Salzburger Festivals „Pfingsten Barock“ immer stark gemacht hatte.

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