Gartenreise Irland

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Das Gespenst von Ballygally

Beaulieu House Foto: Robert Jungwirth

Eine Gartenreise durch Irlands Nordosten

(Mai, 2014) Der Wetterbericht für heute ist nicht wirklich schlecht. Es soll auch trockene Abschnitte zwischen dem Regen geben. Es besteht also Hoffnung, den Gartenspaziergang in Beaulieu House ohne Regenschirm machen zu können. Und tatsächlich, als wir die Auffahrt zum Herrenhaus von Beaulieu erreichen, reißt der Himmel auf, und die Sonne bricht zwischen den Wolken hervor. Sogleich erstrahlt die Natur in leuchtendem Grün. Das ist das Positive am oft durchwachsenen Wetter in Irland: Es ändert sich meist schnell.
Sonnig ist auch die Begrüßung von Mrs. Konig und ihren beiden (kleinen) Hunden. Mrs. Konig führt ihre Besucher gerne selbst durch Haus und Garten. Sie selbst entstammt der Familie, die das schloßähnliche Anwesen 1660 erbaute. Wir betreten die imposante Eingangshalle, das Prunkstück des Gebäudes. Hier wurden über Jahrhunderte hinweg Gäste empfangen, hier sollten sie erst einmal die zahlreichen Gemälde und Schnitzereien bewundern – und natürlich das über allem thronende riesige Geweih eines irischen Elchs. Eine Rarität, denn das Tier ist längst ausgestorben. Wer im Irland des 17. und 18. Jahrhunderts etwas auf sich hielt, der mußte ein solches Geweih haben.
Die Herrschaften auf den Bildern an den Wänden der Halle sind allesamt Vorfahren der Besitzerin. Mal freundlich, mal respektgebietend blicken sie uns von oben herab an. Vor der Gartentour gibt es erstmal eine kleine Führung durchs Haus. Durch die hohen Fenster des neben der Eingangshalle gelegenen Salons schweift der Blick über die weiten Wiesen des Parks und macht Lust auf einen Spaziergang im Freien. Im ersten Stock hat Mrs. Konig in diesem Jahr zwei großzügige Räume für Bed-and-Breakfast-Gäste herrichten lassen. Bislang konnte man das bei Drogheda, etwa 40 Kilometer nördlich von Dublin gelegene Beaulieu House nur besichtigen, jetzt kann man darin auch wohnen. Von den beiden Zimmern hat man ebenfalls einen fantastischen Blick auf den Park.
Dann also schlendern wir durch den Park in den weitläufigen Garten, der wie fast immer in England und Irland von einer pittoresken alten Steinmauer umgeben ist, zum Schutz vor Wind und Wetter und weil es einfach schön aussieht. Fast entschuldigend erzählt Mrs. Konig, dass der Blumengarten früher größer gewesen sei, aber einfach nicht mehr zu bearbeiten war. Schon im Mai steht der Garten in voller Blütenpracht. Es gibt Etagenprimeln, Camassia, das Salomonsiegel oder die blaue Cerinthe. Alles ist geschmackvoll angelegt, durchaus mit System, aber nicht mit pedantischer Ordnung. Natürlich kann man den Garten auch ohne Übernachtung besichtigen. Das Eintrittsgeld dient dem Erhalt von Garten und Haus. Erst im vergangenen Winter hat ein Sturm einen Baum auf die Dachrinne des Schlosses krachen lassen – immerhin nur die Dachrinne. [nächste Seite]

Mrs. Konig führt ihre Besucher gerne selbst durch Haus und Garten. Foto: Robert Jungwirth


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