Gardiner München

Lost in Gasteig-Philharmonie

John Eliot Gardiner Foto: Agentur

John Eliot Gardiner, der Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists mit Werken von Bach in München
Von Robert Jungwirth
(6. Dezember 2016) Wer tatsächlich noch immer behauptet, die Münchner Gasteig-Philharmonie hätte kein Akustikproblem, der hätte nur zum Konzert von John Eliot Gardiner und seinem Monteverdi Choir und den English Baroque Soloists kommen brauchen, um einen Eindruck von der Ungeeignetheit dieses Saals für klein besetzte Musik zu gewinnen. Selbst in einer Entfernung von etwa 10 Metern verflüchtigten sich die feinen Stimmen- und Instrumentalgespinste dieser beiden phantastischen Klangkörper m akustischen Nirwana dieses Monstersaals. Alles, was unter einer bestimmten Dezibelzahl musiziert wurde, verpuffte in seiner Wirkung. Für Barockmusik ist der Saal eine Katastrophe. Und es ist eine Schande, dass die weltweit renommierte Musikstadt München über Jahrzehnte nicht dazu in der Lage bzw. nicht Willens war, entsprechende Korrekturen an diesem Saal vorzunehmen. Sage niemand, dass das nicht möglich wäre, dass man das Ungetüm von Konzertsaal nicht durch Abhängungen und Trennwände verkleinern könnte!
Natürlich ist es auch schade, dass der Veranstalter (MünchenMusik) und Gardiner nicht auf einen anderen Saal in München ausgewichen sind. So hatten selbst Hörer mit sehr teuren Plätzen an diesem Abend ein eingeschränktes Hörvergnügen. Was auch damit zu tun, dass Gardiner für seine Auftritte mit dem Monteverdi Choir die Solostellen gerne mit Choristen besetzt, die keine orgelnden Riesenstimmen besitzen, sondern mehr durch Natürlichkeit und Klarheit, denn durch Lautstärke überzeugen.
Trotz der Einschränkungen bekam man natürlich einen Eindruck von der Qualität dieses phantastischen Chors und der wunderbaren, auf Gardiners sprechende Agogik eingeschworenen Musiker. Die stimmliche Brillanz des Chors im Jubel-Gloria der Lutherischen Messe in F-Dur etwa war so fein durchgehört und durchgestaltet wie man das sonst kaum hören kann, die abenteuerlichen Wendungen im Sopransolo des Qui tollis dagegen konnte man nicht alle im Detail vernehmen, weil sich die zarte Stimme der Solistin (das Programmheft nennt nur Hannah Morrison, obwohl es drei Solo-Sopranistinnen zu hören gab) mitunter im Raum verlor.
Auch die Zartheit des Beginns von Bachs Kantate „Süßer Trost, mein Jesu kömmt“ war punktgenau und mit beispielhafter Natürlichkeit im Ausdruck musiziert – wenngleich die Blockflöte ebenfalls nicht das Idealinstrument für die Philharmonie ist. Man hatte auch den Eindruck, dass die Kommunikation unter den Musikern durch die Akustik litt. Schade, denn das besonders vielgestaltige und feingliedrige Magnificat hätte gerade in der Interpretation durch ein solch hochkarätiges Ensemble (und mit den Einlagesätzen zu Weihnachten) eine bessere klangliche Umgebung verdient.



Münchner Philharmoniker


0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.