Frang, Alstaedt, Laszic, Grubinger, Goerne und Hinterhäuser im Konzert

Kammermusik mit Staraufgebot

Schostakowitschs 15. Symphonie in einer Kammermusikversion mit Star-Solisten und Markus Hinterhäuser begleitet Matthias Goerne bei Mahler-Liedern

Von Robert Jungwirth

(Salzburg, 19. August 2017) „Hier kocht der Chef“ – mit diesem Slogan warben früher einmal Gaststätten in Bayern und vermutlich auch in Österreich für ihre Küche. Wenn der Chef kocht, kann es so schlecht nicht sein, das war die Botschaft. Und wenn es trotzdem mal nicht geschmeckt hat, wußte man, bei wem man sich zu beschweren hatte. Bei den Salzburger Festspielen heißt es neuerdings manchmal: Hier spielt der Chef. Denn Markus Hinterhäuser, der neue Intendant des Festivals und Pianist, tritt als solcher hin und wieder bei seinem eigenen Festival in Erscheinung. Das hat durchaus etwas für sich und ist bei ihm wohl weniger eitle Selbstdarstellung als vielmehr Ausdruck der Verbundenheit mit den Musikern seines Festivals und ein Signal an die Besucher, dass es hier tatsächlich trotz all der geldigen Prominenz mit ihrem unvermeidlichen Schaulaufen um die Musik gehen soll – zumindest weitestgehend (dabei ist natürlich allen klar, dass es in Salzburg immer auch ums Geld geht – vor und auf der Bühne.)

Mit Igor Levit spielte Hinterhäuser in diesem Sommer Messiaen an zwei Klavieren und jetzt war er als Begleiter von Matthias Goerne mit zwei Mahler-Liedern zu hören – nach der Pause. Davor konnte man eine nicht minder illustre Schar hochkarätiger Solisten in Schuberts Adagio aus dem späten Es-Dur-Trio und in einer Kammermusikversion von Schostakowitschs 15. Symphonie erleben: die Geigerin Vilde Frang, der Cellist Nicolas Alstaedt, der Pianist Dejan Lasic sowie als Perkussionisten Grubinger senior und junior und Leonhard Schmidinger. Schostakowitschs letzte, 1972 uraufgeführte Symphonie ist ein Werk grotesker Verfremdungen und Zuspitzungen, die von Rossinis „Tell“-Ouvertüre bis zu melancholischen Verlorenheitsklängen reicht.

All dies in der von dem Pianisten Viktor Derevianko erstellten Kammermusikfassung aufzuführen braucht schon etwas Mut, denn mitunter klingt das Ergebnis arg ausgedünnt, wirkt das Trostlose so noch trostloser, das Verlorene noch verlorener als von Schostakowitsch komponiert. Richtig überzeugen konnten eigentlich nur die Allegretto-Passagen mit ihren aberwitzigen Wendungen und collagierten Motiven. Das haben die sechs Musiker auch wunderbar klar und präzise darzustellen vermocht, ohne dass sich dabei jemals einer in den Vordergrund gespielt hätte. Nur wenn es zu solistischen Einschüben kam, klang das Ganze doch arg reduziert und wurde es ein wenig mühsam zum Zuhören.

Nicht unähnlich ging es einem mit der Klavierversion von Mahlers „Abschied“ aus dem „Lied von der Erde“. Die Klavierbegleitung kann auch bei noch so großer Hingabe die Klangfarben des Orchesters natürlich nicht annähernd ersetzen, und es bildet auch für den Solisten nicht ein so tragfähiges Fundament. Hinterhäuser blieb aber auch bis auf schöne dynamische Abstufungen relativ zurückhaltend in der Ausgestaltung, er begleitete zuverlässig und auch einfühlsam, aber auch nicht mehr. Und Goerne suchte die Balance zwischen der Verlorenheit im Pianissimo und dem kurzen hedonistischen Aufschwung im Forte an der Stelle „Die Schönheit des Abends“ mit facettenreicher Stimme, aber auch oftmals recht gaumigem Klang. Seiner bassbaritonalen kräftigen Stimme, deren Höhensicherheit immer wieder überrascht, nimmt man die Weltentrücktheit einfach nicht so leicht ab. Und musikalisch so sehr auf sich gestellt, wurde es für ihn natürlich nochmal schwerer. Gleiches gilt für das Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ nach Rückert. Der akustische Eindruck auf dem mäßigen Presseplatz in der drittletzten Reihe im Haus für Mozart war leider auch nicht optimal.

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