Fleming Mahler

Der Welt nicht abhanden gekommen

Renée Fleming singt Mahler-Lieder, Christian Thielemann und die Münchner Philharmoniker begleiten
(München, 22. Oktober 2010) Und wieder durften die Besucher der Münchner Philharmoniker bei CD-Aufnahmen mit Renée Fleming dabei sein. Man kennt sich ja schon von "Strauss-Sitzungen" her. Doch während Strauss ohne Frage zum Ideal-Repertoire der amerikanischen Sängerin gehört, sind es die Rückert-Lieder von Mahler nicht wirklich. Flemings glockenreiner Sopran und ihr medienwirksames Dauerlächeln wollen nicht so recht zur abgedunkelten Weltabgeschiedenheitssuada von "Ich bin der Welt abhanden gekommen" oder zum gruselig-pathetischen "Um Mitternacht" passen, da fehlen bei ihr die tief- und abgründigen Nuancen. Das helle, lichte "Ich atmet‘ einen linden Duft" und auch "Liebst Du um Schönheit" sind da eher geeignet, das schöne Timbre Flemings zur Geltung zu bringen. Christian Thielemann und die Münchner Philharmoniker bewiesen einmal mehr ihre hochmögende Begabung in der Sängerbegleitung, auch wenn die Trompeten im Mitternachtslied die Solistin beinahe weggeblasen hätten.

Zur Eröffnung brach Thielemann eine Lanze für den in München sträflich vernachlässigten Opernkomponisten Franz Schreker. Sein symphonisches Zwischenspiel aus dem 3. Akt der Oper "Der ferne Klang" machte in dieser zauberisch-filigranen, sinnlich-farbenreichen Interpretation absolut Lust auf mehr. Das wäre doch eine ideale Oper, die Thielemann in München an der Staatsoper dirigieren könnte…Dresden, Dresden her. Einigermaßen stillos war übrigens, dass am Eingang der Philharmonie Flyer für die Sächsische Staatskapelle mit Thielemann verteilt wurden.

Natürlich durfte man sich auch auf Thielemanns Sicht auf Brahms Vierte freuen. Der große Spätromantiker unter den Dirigenten enttäuschte nicht, sorgte für jede Menge Fülle des Wohllauts mit sattem Streichersound, wunderbar homogenen Holzbläsern und einer fantastischen Hornsektion! Regelrecht durchglüht etwa klang das abschließende "Allegro energico". Was das Glück ein klein wenig trübte, war Thielemanns Tendenz, immer mal wieder das Tempo "herauszunehmen", eher flächig, statt linear vorwärtsdrängend musizieren zu lassen, was bei Bruckner sinnvoll, bei Brahms allerdings nicht wirklich passend ist. Insgesamt aber hatte diese Vierte durchaus auch Zug und Spannung und vor allem eine beglückende Klanglichkeit.

Robert Jungwirth

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