Filmmusik

Musik gegen Nasen

Dirk Brossé Foto: BR

Dirk Brossé, Roger Willemsen und das Münchner Rundfunkorchester präsentierten französische Filmmusik
(München, 9. Dezember 2009) Was wäre der französische Film ohne Musik? Um einiges uninteressanter. Gute Filmmusik ist wie gutes Parfum, unaufdringlich, aber unwiderstehlich und von mitunter enormer Wirkung. Jean-Claude Petit hat mit seiner Musik zu »Cyrano de Bergerac« Depardieus mindestens ums doppelte vergrößerte Nase glatt wegkomponiert und mithilfe von Verdis "Macht des Schicksals" in "Jean Florette" die schicksalhafte Tragik Verdis sehr geschickt in eine französische verwandelt. Der vielleicht bedeutendste französische Filmmusiker war Georges Delerue (1925-1992), der mit seinen atmosphärischen Walzern vielen Truffaut-Filme ihre ganz besondere (klangliche) Aura verlieh.
Es war eine wunderbare Idee des Münchner Rundfunkorchesters und aller an der Planung und Konzeption Beteiligten, ein Konzert mit französischen Filmmusiken zu veranstalten und diesen Abend – wie schon drei zuvor – von dem eloquent-charmanten und nicht nur pro forma interessierten und informierten Roger Willemsen moderieren zu lassen.

Dabei standen auch solche Schätze wie das Quasi-Violinkonzert von Georges Delerue, das "Concerto de l’adieu" aus »Diên Biên Phú – Symphonie des Untergangs« auf dem Programm. Ein wahrlich zu Herzen gehendes Stück Musik, das der Konzertmeister des Rundfunkorchesters Georg Liener denn auch mit der dafür nötigen Hingabe darbot. Die Fähigkeit, mit wenigen Tönen sofort ins Herz der Zuhörer zu treffen hatte Delerue ebenso wie sie Ennio Morricone hat. Dass diese Musik dazu diente, die Schrecken des Indochina-Krieges noch stärker wirken zu lassen, hielt Willemsen allerdings für vernachlässigenswert.
Da schnodderte er elegant darüber hinweg.

Dageben wirkt die Musikt des 1968 geborenen Philippe Rombi, der z.B. für »Angel« und »Un homme et son chien« (mit Belmondo als altem Mann) die Filmmusiken komponierte, deutlich glatter und eher dem Mainstream-Kino angepaßt.
Alexandre Desplat (* 1961) und Gabriel Yared (* 1949) – letzterer schrieb die Musik z.B. für "Camille Claudel" und "Der englische Patient" – sind dagegen ebenso versierte wie sensible Gestalter musikalischer Atmosphären und Stimmungen. Audruckstiefe ist hier nicht einfach Bombast, die Gewitztheit der Orchestrierung setzt zusätzliche, oft unerwartete Akzente.
Natürlich durfte auch die monumentale Musik des in diesem Jahr gestorbenen Maurice Jarre zu "Lawrence of Arabia" nicht fehlen, wenngleich hier die  "französische Leichtigkeit", die doch ein gewisses Markenzeichen ist, nicht zu hören ist.
Mit Dirk Brossé stand ein ausgewiesener Spezialist für das Genre Filmmusik am Pult des Rundfunkorchesters, dem es daran gelegen war, der Vielgestaltigkeit dieser Musik gerecht zu werden und der auch selbst Musik für Filme komponiert hat. Das Rundfunkorchester zeigte sich von seiner besten Seite und nahm die Musik ebenfalls sehr ernst und spielt sie als wäre sie von Richard Strauss. Mehr davon!
Robert Jungwirth

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