Ende des Zeitungsjournalismus

Zeitungen im Abendrot: Das Ende des Zeitungsjournalismus‘

Die Frage ist nicht ob, sondern nur mehr wann der Zeitungsjournalismus das Zeitliche segnet. Eine Prophetie jagt die nächste. Das Internet ist schuld, heißt es. Doch die Zeitungen tun das ihre, sich selbst abzuschaffen.
Von Robert Jungwirth
Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht in irgendeiner Zeitung über den Untergang der Zeitungen geschrieben wird. Das Ende scheint wohl nah zu sein. Ein paar FAZ-Journalisten glauben sogar genau zu wissen, wie lange es noch dauert: 7 Jahre geben sie den Papierzeitungen, dann soll es damit in Deutschland vorbei sein. Nun, die Wälder wird es freuen. Und die Leser schauen sich ihr Lieblings(nachrichten)medium halt dann auf dem Handy, dem Tablet oder dem Computer an. Keine Kosten mehr für Druck und Transport – was soll daran schlecht sein?
Die Reichweiten der neuen Medien können enorm gesteigert werden, es wird möglicherweise eine neue Art von Journalismus geben, eine, die den Leser ernst nimmt und nicht mehr nur eingefahrenen und abgedroschenen Argumentationsmustern folgt. Das wird auch die überkommenen Rituale des Politbetriebs durcheinanderwirbeln, Politiker aus der Reserve locken. Jedenfalls wäre das zu hoffen.

So geht denn auch das Lamento über den angeblichen Verlust des Qualitätsjournalismus vor allem von denen aus, die zwar behaupten, ihn zu vertreten, aber nicht dazu in der Lage sind, ihn online anzubieten, sprich zu finanzieren. Das ist ein Problem, denn wer im Netz zu spät kommt, den bestraft das Publikum gleich doppelt: mit Aufmerksamkeits- und mit Geldentzug. Für viele dürfte der Zug bald abgefahren sein. Auch die Papierausgabe der Tageszeitung einfach als teures pdf anzubieten, ist sicher nicht der Online-Weisheit letzter Schluss.

Schuld an der Misere sind freilich weniger die Journalisten als vielmehr die Verleger, die das Internet erst totgeschwiegen haben, dann Angebote für Infantile und Debile machten und mangels eigener Konzepte ihren Online-Werbemarkt an Dritte, resp. an Google auslagerten. Damit haben sie sich selbst den Geldhahn zugedreht und ihre Verlage in existenzielle Schwierigkeiten gebracht. Und nun beschweren genau diese Verleger sich darüber, dass Google mit Ihnen Geld verdient! Das ist dumm und dreist. Denn wenn man Google für etwas nicht kritisieren kann, dann dafür, dass die Verleger dem Konzern freiwillig ihr Anzeigengeschäft überlassen haben! (Dass die Datenkrake Google endlich reguliert gehört, steht auf einem anderen Blatt.)
Das marktbereinigte Verschwinden dieser inkompetenten und besinnungslos geldgeilen Garde von Verlegern kann nur positiv sein und ist in keiner Weise zu bedauern. Je früher sie Platz machen für Neues, umso besser. Das Neue wird ohnehin kommen und sie überrollen, und sie werden nicht einmal mehr Gelegenheit haben, ihren Untergang öffentlich zu beweinen, weil es niemanden mehr interessieren wird. Diese Damen und Herren haben es schlichtweg verbockt – aus Gier und Ignoranz. Der Klagegesang, den sie dann noch immer über Google anstimmen werden, wird klingen wie aus einer anderen Welt.
21-9-2014

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