Emerson Quartet

Perfektion jenseits des Mainstreams

Emerson Quartet Foto: Agentur

Das Emerson String Quartet gehört seit 40 Jahren zu den spannendsten Streichquartetten weltweit. Nun kommt es wieder nach Badenweiler, wo es schon zu Beginn seiner Karriere aufgetreten ist – ein Porträt
Von Georg Rudiger
(November 2016) „An die Freundschaft“  heißt das Motto der kommenden Badenweiler Musiktage. Und das ist durchaus wörtlich gemeint. 50 Mal hat das Emerson String Quartet aus New York City bereits in Badenweiler gespielt. Und mit Uraufführungen und Werkzyklen wie einer Gesamtaufführung der Beethoven-Quartette für überregionale Ausstrahlung gesorgt. In diesem Jahr feiert das internationale Spitzenensemble sein 40-jähriges Bestehen. Und blickt in Badenweiler zurück auf die lange Freundschaft mit Intendant Klaus Lauer. Die Musiker, die gegenwärtig rund 90 Konzerte pro Jahr spielen, haben sich im Hotel Römerbad gleich zuhause gefühlt, sagt der Geiger Eugene Drucker. „1984 sind wir zum ersten Mal in Römerbad aufgetreten. Mit Klaus Lauer verbindet uns seitdem eine tiefe Freundschaft. Und auch ein ähnlicher Humor.“ Eugene Drucker ist zusammen mit dem anderen Geiger des Quartetts Philip Setzer Gründungsmitglied des US-amerikanischen Quartetts. Beide haben an der New Yorker Juillard School bei Oscar Shumsky studiert. Von Beginn an wechselten sich die Geiger an der ersten Violine ab. „Im Studium war es sowieso notwendig, die Stimmen der ersten und zweiten Violine zu lernen. Wir haben das beibehalten, um auch flexibel zu bleiben. Als professionelles Quartett ist es schon eine Hilfe, das riesige Repertoire auf diese Weise ein bisschen aufteilen zu können. Der Part der ersten Violine ist technisch immer anspruchsvoller. Gemeinsam können wir die Last besser tragen“, erklärt Eugene Drucker.
Auch für das Publikum ist es spannend, wenn die beiden Geiger die Positionen tauschen und Philip Setzer mit seinem großen, romantischen Ton nach dem analytischeren Zugang von Drucker eine andere musikalische Welt entwirft. Bis auf den Cellisten spielen sie im Stehen. So strahlt der Klang besser in den Raum. Und die Musiker können sich freier bewegen.
Zum Jubiläum hat die Deutsche Grammophon eine 52 CDs umfassende Box mit allen Aufnahmen des Emerson String Quartet herausgegeben. Hier kann man die technische Perfektion und klangliche Brillanz der vier Musiker nochmals nachhören. Das Zusammenspiel ist aus einem Guss, zumal der Bratschist Lawrence Dutton, der mit seinem großen Ton die Mittelstimmen stärkt, fast genauso lange dabei ist. Mit dem englischen Cellisten Paul Watkins, der 2013 David Finckel ablöste, gab es erstmals eine Umbesetzung im eingespielten Ensemble. Die Homogenität hat darunter nicht gelitten, wie man auf der jüngsten CD mit Werken von Alban Berg und Egon Wellesz hören kann. „Pauls Celloton klingt eher nach einem Bassbariton – Davids Instrument verbinde ich mit einem Tenor. Vielleicht spielt Paul rhythmisch etwas freier als sein Vorgänger, so dass unsere Interpretationen ein wenig entspannter geworden sind. Den Sinn für Dringlichkeit hat Paul aber auch, wenn es die Musik erfordert.“
Bei den Badenweiler Musiktagen ist das Emerson String Quartet gleich mit zwei anspruchsvollen Konzertprogrammen zu hören. Am Samstag, den 5. November kombiniert das Ensemble Béla Bartóks drittes Streichquartett mit drei Werken von Alban Berg („7 frühe Lieder“), Ernest Chausson („Chanson perpétuelle“) und Arnold Schönberg (2. Streichquartett in fis-Moll), die jeweils mit Sopran gesungen werden. Mit Barbara Hannigan ist eine hochexpressive Solistin dabei, mit der das Ensemble zum zweiten Mal zusammenarbeitet. „Wir bewundern ihre gesangliche Intensität und die bedingungslose Hingabe an die Musik.“
Zum 30-jährigen Jubiläum im Jahr 2006 hatte das Emerson String Quartet noch alle Beethoven-Quartette in Badenweiler gespielt. Nun kehrt es mit den späten Quartetten in cis-Moll op. 131 und dem in B-Dur op. 130 zurück, das mit der großen Fuge op. 133 abschließt. Die preisgekrönte Gesamtaufnahme der Quartette ist zwanzig Jahre her. „Damals hatten wir die Metronomangaben sehr ernst genommen und zum Teil extrem schnelle Tempi gewählt. Im Studio war das möglich, weil die Details von den Mikrofonen aufgezeichnet wurden. Wenn wir die Werke live in einem Konzertsaal spielen, dann nehmen wir uns mehr Zeit, um diese komplexe Musik dem Hörer vermitteln zu können. Deshalb wird es anders klingen als auf der CD. Aber so sollte es ja auch sein.“



Münchner Philharmoniker


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