Elias Hengelbrock

CD der Woche

Felix Mendelssohn-Bartholdy: Elias
Genia Kühmeier, Ann Hallenberg,Lothar Odinius, Michael Nagy
Balthasar Neumann Ensemble unter Thomas Hengelbrock
Deutsche Harmonia Mundi, 2 CDs

Im August 1846 führte Felix Mendelssohn-Bartholdy in Birmingham sein neues Oratorium „Elias“ zum ersten Mal auf. Es wurde ein überwältigender Erfolg, ein Höhepunkt in der Laufbahn des damals 37-jährigen Komponisten. Nach wie vor erfreut sich das zweistündige Werk größter Beliebtheit. Die Chöre sind ausdrucksstark und trotzdem auch für Laienchöre gut zu realisieren. Den Solisten bietet es sowohl lyrische, besinnliche als auch dramatische Partien. Die Instrumentierung hat Mendelssohn außergewöhnlich farbig angelegt. Sogar die Ophicleide, eine schlankere Form der Tuba, ist dabei.

Bis auf wenige Aufnahme haben sich bislang eher sinfonische Orchester mit großen Chören Mendelssohns Oratorien angenommen. Aber eigentlich kann nur eine Aufführung mit Originalinstrumenten zeigen, was wirklich in einem Mendelssohn-Oratorium steckt. Da erst leuchten die sorgsam eingesetzten Klangfarben und mischen sich zu ungemein effektvollen Kombinationen. Da grollen und grummeln richtig schwarze Bässe, da gibt es das berühmte Mendelssohnsche Flirren der Geigen, das auf alten Instrumenten ganz verschiedene Nuancen annehmen kann. Da erst bemerkt man, wie wichtig die Farben der Holzbläser sind und wie die Klarinette das Orchester bereichert. Da erst wird der Satz so durchhörbar, wie man ihn in der Partitur zu sehen bekommt.

Thomas Hengelbrocks Aufnahme aus dem Konzerthaus Dortmund vom Januar 2016 leistet das alles vorbildlich. Für seine Balthasar-Neumann-Ensembles, Chor und Orchester, hat der Dirigent rundum phantastische Musiker versammelt. Das Orchester liefert hinreißend farbige Piani und ist im forte eine Wucht. Der Chor ist zwar groß besetzt, aber mit Sängerinnen und Sängern, die ihr Fach beherrschen – egal ob als zartes Ensemble oder in größter Dramatik.
Dazu gibt es eine phänomenale Solistengruppe mit Genia Kühmeiers strahlend-anrührendem Sopran, dem konturierten Alt von Ann Hallenberg, mit einem lyrisch und brillant zugleich singenden Lothar Odinius und, in der der Titelrolle, mit Michael Nagy, der mit seinem kernigen, aber beweglich geführten Bass einen Elias voller Würde und Tatkraft gibt. Hengelbrock legt ein großartiges Gespür für die Dosierung der Dynamik an den Tag, für das Timing in den Rezitativen und für das Abtönen der Klangfarben. Das alles findet statt in einer hervorragenden Akustik, im offenkundig sehr gut klingenden Dortmunder Saal – und wird auch wirksam an den häuslichen Lautsprechern. Dieser „Elias“ lässt einen vor dem Schlussakkord einfach nicht mehr los.
Laszlo Molnar

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