Eilat Chamber Music Festival

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Festivalbericht: Eilat Chamber Music Festival

Schumann vor Wüstenkulisse

Das Eilat Kammermusikfestival am Roten Meer überzeugt mit einem spannenden Programm an ungewöhnlichem Ort
Von Robert Jungwirth
(Eilat, Ende Februar 2014) Wenn sogar ein Straßenmusiker auf der Strandpromenade von Eilat in historischem Kostüm und in historischer Aufführungspraxis auf der Gambe Barock-Musik spielt, dann scheint dieser Badeort am Roten Meer vielleicht doch nicht ganz der falsche Ort für ein Kammermusikfestival zu sein. Auch wenn die allermeisten Besucher natürlich nicht wegen der Musik, sondern wegen des selbst im Februar sommerlichen Klimas nach Eilat kommen.
Aber es gibt sogar ein Musikkonservatorium an diesem südlichsten Ort Israels in Wurfnähe zu Jordanien, und sein Direktor Leonid Rozenberg ist der Gründer und Leiter des Eilat Chamber Music Festivals, das in diesem Februar zum neunten Mal stattfand.
„Der erste Grund, dieses Festival zu gründen war ein erzieherischer“, erzählt Rozenberg, „denn ich glaube, es ist unmöglich Musikstudenten zu unterrichten, wenn sie nicht auch hervorragende Musiker live hören können.“ Das Musikleben in Israel sei manchmal zu konservativ, nach Tel Aviv kämen immer die gleichen Leute. Für Eilat wolle er mehr Abwechslung, und auch bei den Gattungen gibt es eine große Bandbreite bis hin zu Verbindungen zu Theater und Tanz.
Rozenberg bietet alljährlich in einer knappen Woche im Februar ein überaus spannendes und gar nicht konventionelles Programm, wie man es an einem touristischen Ort wie diesem nicht unbedingt erwarten würde. Und er holt dafür hochrangige Musiker ans Rote Meer, wie die englische Geigerin Chloe Hanslip, die mit ihrem Rezital einmal mehr ihren Rang als herausragende Solistin deutlich machte – nachdem man sie in Deutschland nach ihrem sensationellen Start vor ein paar Jahren eigenartigerweise kaum mehr auf der Bühne erlebt hat.
Bachs b-Moll-Sonate spielte sie mit wohlartikulierter Klarheit, geradelinig und nahezu vibratolos, Beethovens c-Moll-Sontate mit dramatischem Impetus und Brahms zweite Sonate mit zärtlich-schwärmerischem Impetus. Erstaunlich, wie genau sie die jeweiligen stilistischen Eigenheiten der Komponisten, ihren jeweiligen Tonfall und Ausdruck getroffen hat. Dabei spielt sie klangschön, aber ohne allen Nachdruck, vielmehr mit einer ganz authentischen Natürlichkeit. Eine rundum begeisternde Darbietung. Man kann nur hoffen, dass man diese hervorragende Geigerin auch in Deutschland bald wieder zu hören bekommt – sie ist es wert. [nächste Seite]

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