Die Oper Stuttgart ist Opernhaus des Jahres

Die Oper Stuttgart ist „Opernhaus des Jahres“. Dies gab die Fachzeitschrift „Opernwelt“ heute bekannt. Der Auszeichnung liegt die Befragung von 50 Opernkritikerinnen und -kritikern aus dem In- und Ausland zugrunde, die mit deutlichem Abstand vor den nächstplatzierten Häusern für das Stuttgarter Theater votierten. Mit allen sechs Premieren der vergangenen Spielzeit konnte die Oper Stuttgart in diesem Jahr bei den Kritikern punkten. Insbesondere die Neuproduktionen von Richard Strauss‘ Oper Salome in der Inszenierung von Kirill Serebrennikov unter der Musikalischen Leitung von Roland Kluttig und von Vincenzo Bellinis Die Puritaner in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito unter der Musikalischen Leitung von Giuliano Carella stießen auf große Begeisterung bei der internationalen Jury.
Neben der Oper Stuttgart als „Opernhaus des Jahres“ wurde auch eine dem Hause seit vielen Jahren aufs Engste verbundene Künstlerin gleich doppelt ausgezeichnet: Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock erhielt für ihre Ausstattung von Bellinis Die Puritaner an der Oper Stuttgart – sowie für die Ausstattung von Rossinis Viaggio a Reims am Opernhaus Zürich – sowohl den Titel „Bühnenbildnerin des Jahres“ als auch „Kostümbildnerin des Jahres“. Zahlreiche weitere Nominierungen in diesen beiden Kategorien gingen zudem an das Ausstattungsteam der Stuttgarter Salome für Kostüme (Kirill Serebrennikov), Bühne (Pierre Jorge Gonzalez), Video (Ilya Shagalov) und Licht (Reinhard Traub). Auch die Kostümbildnerinnen Anja Rabes und Nina von Mechow wurden für ihre Stuttgarter Arbeiten bei Purcells The Fairy Queen in der Inszenierung von Calixto Bieito bzw. bei Beethovens Fidelio in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito jeweils als „Kostümbildnerin des Jahres“ vorgeschlagen.
Opernintendant Jossi Wieler: „Ich bin sehr glücklich über diese wunderbare Würdigung unserer Künstler und unserer Arbeit, insbesondere auch über die beiden Auszeichnungen für Anna Viebrock zur ,Bühnenbildnerin und Kostümbildnerin des Jahres‘. Seit über dreißig Jahren verbindet uns eine enge, inspirierende und vertrauensvolle künstlerische Zusammenarbeit. Die Ernennung zum ,Opernhaus des Jahres‘ hingegen gilt dem gesamten Haus. Ich bin sehr dankbar dafür und auch stolz darauf. Diesen Stolz möchte ich teilen mit den politisch Verantwortlichen und den Bürgerinnen und Bürgern in Stadt, Region und Land sowie mit unseren vielen institutionellen Partnern, Unterstützern, Förderern und Freunden. Der Geist, der damit ausgezeichnet und gewürdigt wird, entsteht über die Kunst und die vertrauensvolle Zusammenarbeit von Künstlerinnen und Künstlern und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Gewerke und Abteilungen. Er ist geprägt von dem Bewusstsein einer gemeinschaftlichen Verantwortung. Das Engagement jedes Einzelnen belebt diesen Geist. So gelingt es uns, die kollektive Kunstform Oper in höchster Qualität täglich immer wieder neu erlebbar zu machen. Unseren Zuschauerinnen und Zuschauern danke ich für ihre Offenheit und Wissbegier, mit der sie unserer Arbeit begegnen und diese begleiten. Dieser Geist, für den wir heute ausgezeichnet wurden, hat eine besondere Tradition hier am Haus und wird im offenen Dialog miteinander gelebt. Die Auszeichnung gibt uns Kraft, den eingeschlagenen künstlerischen Weg in den kommenden Spielzeiten mit Leidenschaft weiterzugehen.“
Chefdramaturg Sergio Morabito: „Theater erleben wir in unserer Arbeit als Medium der Verwandlung. Deshalb gelingt es unserem Engagement für Entlegenes, Unterschätztes und Zeitgenössisches immer wieder, die Operngeschichte gegen den Strich zu bürsten und dabei selbst Repertoire-Klassiker dem kulturellen Konformismus zu entreißen. Beides hängt zusammen, das eine setzt das andere voraus: Unsere Ausgrabungen sind Teil der kreativen Infragestellung der ,handelsüblichen‘ Präsentationsformen des traditionellen Repertoires – und umgekehrt. Dem Musiktheater kann und muss es immer wieder gelingen, seine Geschichte neu zu erfinden und seine Geschichten neu zu erzählen.“
Zur „Aufführung des Jahres“ wählten die Kritiker Karlheinz Stockhausens „Donnerstag aus „Licht““ am Theater Basel unter der musikalischen Leitung von Titus Engel und in der Regie von Lydia Steier. „Regisseur des Jahres“ ist Barrie Kosky für seinen Zürcher „Macbeth“. Zum Erfolg der Produktion beigetragen habe wesentlich auch der der Dirigent Teodor Currentzis, der zum „Dirigenten des Jahres“ gewählt wurde.
„Sänger des Jahres“ ist Christian Gerhaher für den Wozzeck ebenfalls an der Oper Zürich.
„Orchester des Jahres“ wurde zum dritten Mal in Folge das Bayerische Staatsorchester unter seinem Chefdirigenten Kirill Petrenko. „Wiederentdeckung des Jahres“ ist Ermanno Wolf-Ferraris „Der Schmuck der Madonna“ am Theater Freiburg unter der musikalischen Leitung von Fabrice Bollon und in der Regisseurin Kirsten Harms. „Uraufführung des Jahres“ ist die Oper „Koma“ des Österreichers Georg Friedrich Haas, die im Auftrag der Schwetzinger Festspiele und des Staatstheaters Darmstadt entstanden ist.
Ärgernis des Jahres sind das Chaos, das Missmanagement und die explodierenden Kosten an mehreren Theaterbaustellen, z.B. an der Berliner Staatsoper und der Oper Köln. Das „Buch des Jahres“ verfasste Ulrich Drüner mit seiner Studie „Richard Wagner – Inszenierung eines Lebens“. Zur „CD des Jahres“ wurde die „Aida“-Produktion mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann sowie der Accademia Nazionale di Santa Cecilia unter Antonio Pappano gewählt.
29-9-2016

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