Die Liebesprobe

Bleichgesichter am Pool

Carolin Ritter und Uwe Schenker-Primus in „Die Liebesprobe“ Foto: Kammeroper München


Dominik Wilgenbus inszeniert Rossinis „Die Liebesprobe“ im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg
(München, 25. August 2007) Wer hätte gedacht, dass Dominik Wilgenbus nicht nur seine erzkomische Inszenierung von Rossinis „La Cenerentola“ oder Haydns „Orlando Paladino“ in der Pasinger Fabrik, sondern auch seine freche „Heimliche Ehe“ im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg noch toppen kann. Mit „La pietra del paragone“, zu deutsch: „Der Prüfstein des Herzens oder Die Liebesprobe“, ist ihm, dem auch die geistsprühende, wunderbar sich reimende deutsche Textfassug und eine teilweise neu erzählte Handlung zu verdanken ist, an diesem Ort mal wieder die Quadratur des Kreises gelungen. Präzise und voll von absurdem Witz bis in die kleinste Geste hinein, frech und charmant, heiter und unbeschwert ist seine Inszenierung. Arrangeur Alexander Krampe und Dirigent Olivier Tardy aber sorgten dafür, dass zwölf exzellente Musiker der Kammeroper München – darunter ein Akkordeonspieler – einen farbigen, herrlich perlenden, manchmal schwebenden, manchmal auch schräg-ironischen Rossini-Ton anschlagen.
Alles im Hubertussaal ist weiß, sieht man von der grellen Schminke der Damen und den modisch gestutzten und gefärbten Bärten der Männer ab: der Pool, in dem die Musiker sitzen und auf dessen breitem Rand rundum gespielt wird (Bühne: Peter Engel); die köstlichen, grafisch filigranen Karikaturen von Tieren und Menschen an Fenstern und Wänden; die sehr präzise charakterisierenden Kostüme aus Stoff, Papier und Leder (Ausstattung: Katja Melle), wie auch die bleichen Gesichter. Aus Tellern, die auf dünnen Gerten zu schweben scheinen wie im Zirkus, können Bäume werden oder Waffen, Tennisschläger dienen als Tablett oder Spiegel – alles ist in Auflösung begriffen und doch ganz konkret.
Intelligent und effektvoll hat Wilgenbus die Handlung verändert und zugespitzt: Den drei Damen, die um die Gunst eines Grafen buhlen, stehen nun drei schreibende Männer gegenüber, die ihre Einfälle in die Schreibmaschine hacken, auf alte Tapeten schreiben oder in kleine Notzbücher kritzeln und dabei wunderbar schräg über Kunst und Kommerz reflektieren oder gar die Handlung auf den Kopf stellen. Der Kritiker (mit flexibler Bassbaritongewalt: Uwe Schrenker-Primus) erfindet eine Sensationsstory, während der Dichter (mit feinem Buffo-Tenor: Benedikt Nawrath) sich in Melancholie ergehen darf. Und aus dem Maler des Stücks wurde flugs ein Dramatiker (Philipp Gaiser mit ebenso prächtigem Charakterbariton wie Spielwitz).
Graf Hasdrubal ist bei Christian Eberl das Bild von einem Mann, der zwischen Graf Dracula und radebrechendem türkischen Prolet alle Facetten singen und spielen kann. Sein Diener (David Jerusalem) gibt auf Stelzen den Artisten und Kommentator abseits der Spielfläche. Aspasia (hell und zart: Carolin Ritter) und Fulvia (ein Vulkan aus flammendem Soprangestein: Dora Pavlikova) flankieren als schließlich leer ausgehende Rivalinnen die künftige Gräfin Clarissa. Merit Ostermann verkörpert sie stolz und nobel mit wunderbar weich strömendem, in allen Lagen tragfähigen Mezzo, dem die Koloraturen locker von der Kehle gehen.
Kurzum: ein leichter, beglückender, bei der Premiere mit Ovationen in Orkanstärke gefeierter Sommer-Opern-Spaß.
Klaus Kalchschmid
Weitere Vorstellungen: 28./29./31. August sowie 1./4./5./7./8./10./11. September
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