Der arme Matrose

Blöde Idee – üble Folgen

Wer zu spät kommt, den bestraft die Ehefrau Foto: Regine Heiland

„Der arme Matrose“ von Darius Milhaud auf der Bühne der Bayerischen Theaterkakademie
(München, 13. Dezember 2008) Ein bißchen „Odyssee“, ein bißchen „Fliegender Holländer“, ein bißchen Kriminalgeschichte – fertig ist die Kurzoper. Kein geringerer als Jean Cocteau verfaßte das Libretto für Darius Milhauds 1927 uraufgeführte 45-minütige Moritaten-Oper „Der arme Matrose“. Erzählt wird das grotesk-tragische Schicksal eines Matrosen, der nach 15 Jahren Abwesenheit zu seiner Frau zurückkehrt, sich aber erstmal als ein Freund ihres Mannes ausgibt, um die Treue der Gattin zu testen. Toller Einfall – der allerdings nach hinten losgeht. Denn als der vermeintliche Freund die Frau auffordert, die vorgeblichen immensen Schulden ihres Gatten durch Liebesgaben abzugelten, erschlägt sie ihn kurzerhand.
Milhaud hat den Text in einer Mischung aus Puccini und Strawinsky vertont, ironisch hin und herwechselnd zwischen Melos und Verfremdung.
Bemerkenswerterweise haben sich Studenten der Bayerischen Theaterakademie jetzt dieses reichlich unbekannten, musikalisch durchaus interessanten Stücks angenommen und es in der Kammermusikfassung szenisch auf die Bühne gebracht.
Während die Ausstattung (Marlen von Heydenaber) mit ihren drei gegeneinander gesetzten Ebenen und einer aus Maschinenteilen zusammengesetzten Figur als herrlich groteskes Bildnis des in der Fremde weilenden Matrosen durchaus eine sinnvolle und praktikable Spielfläche abgibt, gelingt es Regisseur Louis Villinger jedoch nicht wirklich, die Moritatenstory in eine überzeugend Personenregie zu übersetzen. Zu unentschieden ist Villinger, ob er nun realistisch oder lieber verfremdend sein will, und dieses Manko überlagert leider den gesamten Abend, trotz mancher guter Aktionen.
Die Sänger (Dafni Georgali, Florian Dengler, Thomas Stimmel und Stefan Thomas) boten allesamt ein beachtliches stimmliches Niveau und zeichneten sich auch durch hohe Textverständlichkeit aus.
Das Arcis-Ensemble unter der Leitung von Ulirch Nicolai spielte diese sehr differenzierte Kammermusik-Partitur sicher und engagiert, wenngleich auch hier ein wenig mehr Akzente und Variabilität im Spiel nicht sicher nicht verkehrt gewesen wären.
Robert Jungwirth

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