Debussy Opern

CD der Woche

Debussy: La Chute de la Maison Usher/Le Diable dans le Beffroi (Solisten, Göttinger Symphonie Orchester: Christoph-Mathias Mueller (PAN 10342) Vertrieb: Note 1

Den Opernkomponisten Debussy kennt man fast einzig durch „Pelléas et Mélisande“. Doch es gibt es noch mehr, beispielsweise die beiden Edgar Allan Poe-Adaptionen „Der Untergang des Hauses Usher“ und „Der Teufel im Glockenturm“. Beide Werke, von der Metropolitan Opera  in New York in Auftrag gegeben, dachte sich Debussy als Diptychon. Aber sie wurden nicht vollendet, von „Diable“ existieren sogar nur Skizzen. Dennoch wagte sich Robert Orledge (nach ersten Versuchen von Juan Allende-Blin) an eine Komplettierung, fügte Neukomponiertes hinzu. Ein Für und Wider wird also zwangsläufig bleiben. Dem Göttinger Symphonie Orchester ist es aber zu danken, dass es die von Debussy gewollte Kombination Tragödie/Satyrspiel überhaupt einmal realisierte (einem Konzert im Jahre 2013 folgte die vorliegende Aufnahme).

Die Geschichte vom Teufel, der den Gang einer dörflichen Kirchenuhr durcheinander bringt, wirkt etwas harmlos, was von der Musik nicht kaschiert werden kann. Hübsch und aufgekratzt ist sie, aber stilistisch untypisch. Das „Usher“-Drama wirkt Debussy-gemäßer, tiefgründiger, in seinem Klangdunkel atmosphärischer. Auch der Story lässt sich mehr abgewinnen. Die szenischen Herausforderungen bei dieser dialogschweren, düsteren und statischen Oper sind freilich nicht gering. „Walküren“-Inzest ins geisterhaft Mystische gesteigert. Am Schluss der morbiden Lovestory bricht zwar nicht Walhall, aber doch eine emotional hochgestimmte Welt zusammen. Lebendig und klangdifferenziert spielt das Göttinger Orchester unter Christoph-Mathias Mueller, hervorstechendster Sänger (Belcanto plus Ausdruck) ist jeweils der US-Bariton Eugene Villanueva.

Christoph Zimmermann

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