David Fray

Allein in Mozarts Kosmos

David Fray begeistert mit Mozarts C-Dur-Klavierkonzert KV 503 in München und auf CD

(München, 14. Dezember 2010) Trotz des gewaltigen Hauptwerks der "Jupiter-Symphonie" war das ebenfalls in der Grundtonart C-Dur stehende Klavierkonzert KV 503 der Höhepunkt eines Abends mit den London Mozart Players im Prinzregententheater. Denn wer nahe genug am Podium saß, konnte nicht nur hören, sondern fasziniert auch dabei zuschauen, wie David Fray mit sich und dem vielfältigen Kosmos später Mozartscher Klaviermusik eine Welt offenbarte und doch mit sich allein war. Nie ein Blick zum Dirigenten, aber trotzdem präzise Übereinstimmung mit dem Orchester war da zu erleben, zugleich schillernde Theatermusik im Dialogisieren und intimer Monolog.

Das Ergebnis war kein Zwitter, sondern Verschmelzung. Und die Natürlichkeit und Schönheit, mit der Fray phrasierte, wie er eine wunderbare Übereinstimmung zwischen linker und rechter Hand herstellte, fließendes Passagenspiel demonstrierte, Baßgrundierungen nie zu laut setzte, überhaupt dynamische Kontraste ganz delikat abtönte und perfekte Triller spielte, all das wurde zum Ereignis! Im Finale setzte der 29-jährige Franzose dann alles auf eine Karte, spielte schneller und im besten Sinne nervig-nervöser als zuvor und auf seiner wunderbaren Platte mit dem Philharmonia Orchestra unter Jaap van Zweden! Am Ende eine höchst empfindsam gespielte Bach-Zugabe und demonstrativer Beifall.

Die London Mozart Players hatten mit Auszügen aus Christoph Willibald Glucks Oper "Paride ed Elena" begonnen und spielten als Entrée nach der Pause noch ein Opern-Potpourri, diesmal aus Purcells "Dido and Aeneas". Es kulminierte in einer instrumentalen Version von Didos Klagegesang "When I am laid in earth", das die Oper beschließt, feinnervig und stilbewusst musiziert, wie die ganze Purcell-Suite.
Nach diesem tief traurigen Lamento dann Mozarts große C-Dur-Symphonie zu spielen, zeugt entweder von einem großen Missverständnis oder es ist bewußte Kontrastdramaturgie. Dass Letzteres geplant war, konnte man schon an den ersten Akkorden hören: straff gespannt und mit Aplomb in den Saal geschleudert. Erstaunlich, was für einen Sound dieses Kammerorchester unter David Stern produzieren kann, auch wenn über manche Details und Finessen Mozarts hinweggespielt wurde und der C-Dur-Jubel am Ende gleißend ausfiel und die polyphonen Schichtungen wie aus Marmor gemeißelt waren.

Klaus Kalchschmid

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