Currentzis und Petrenko dirigieren Beethoven in Salzburg

Sichtweisen auf Beethoven

In Salzburg präsentieren Currentzis und Petrenko ihre Beethoven-Interpretationen

Von Derek Weber

(Salzburg, 26. August 2018) Man merkt: Es kommt näher, das Beethoven Jahr 2020. Der Vorlauf hat längst begonnen: Bei den Salzburger Festspielen – siehe dazu auch unseren Bericht aus Bremen – bot Teodor Currentzis alle Beethoven-Symphonien an. An ein solches Projekt wagen sich nicht alle heran, denn jede dieser Symphonien bringt ihren eigenen Kosmos zum Erscheinen. Und alle neun ohne schwarze Löcher zu präsentieren, schafft kaum einer.

Wer das – auch in Salzburg – mit Erfolg gemacht hat, war ausgerechnet Paavo Järvi als Chef der Bremer Kammerphilharmomie. Und wie immer man Currentzis´ kraft- und paukenbetontes Musizieren beurteilt, das Resultat fiel bei Järvi um einiges beeindruckender, weil leichtfüßiger und weniger herbeigezwungen, aus, zumal bei der Siebenten, sie sich in seinen Händen fast in pure Energie zu transformieren schien. Der Unterschied mag wohl darin zu suchen sein, dass Järvi ein „strukturell“ denkender Dirigent ist, während Currentzis eher von „emotionalen“ Zusammenhängen her dirigiert

Das ist bei Gott kein strenges Werturteil, aber es kann Elemente davon enthalten. Warten wir ab, wie sich Mahlers Dritte unter Currentzis im Herbst in Wien anhören wird. Das ist ja extrem emotionsgeladene Musik.
Beim Salzburger Gastspiel der Berliner Philharmoniker unter ihrem neuen Chefdirigenten Kirill Petrenko wurde – Zufall oder nicht – ebenfalls Beethovens Siebente Symphonie gespielt, in etwas traditionelleren, d.h. langsameren und daher genauer mithörbaren Tempi gespielt, mit flottem Klang und genauen Einsätzen. Da merkte man, dass „traditionell“ nicht unbedingt „schlecht“ oder „uninteressant“ heißen muss und dass die Trompeten nicht unbedingt dauernd über den Streicherklang hinwegstechen müssen.

Da war viel von einer genauen Vorarbeit in Richtung Binnenspannung zu spüren. Man hörte, dass der Dirigent innerhalb eines Satzes im Tempo flexibel reagierte und sich Zeit für fast Haydnsche Überraschungseffekte nahm. Das Allegretto des zweiten Satzes war erstaunlich entspannt. Die Forti kamen recht differenziert in vielen Zwischenstufen daher und wurden oft wie Quasi-Fortepiani aufgefasst. Das Presto des Scherzos war hurtig, aber nicht überdreht-gehetzt. Und das „Allegro con brio“ des Finales ließ stets Platz fürs flinke Mithören der einzelnen Noten,
Kurz: Man merkte, es geht auch anders, ein bisschen gegen den Trend und wahrscheinlich auch gegen die Beethovenschen Tempobezeichnungen, von denen immer wieder behauptet wurde, sie missverständlich.

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