Cosi Theaterakademie

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Amouröse Aura in Rokoko-Unterwäsche

Mit dem Kostüm durch die Wand Foto: A.T. Schaefer


Mozarts „Cosi fan tutte“ der Bayerischen Theaterakademie

(München, 9. Mai 2007) Bis hin zum Zweikampf treiben es die kreuz und quer verliebten Paare und die Musik liefert dazu den passenden „Soundtrack“. Oswald Sallaberger versteht es, der Neuen Hofkapelle München jenen Ton zu entlocken, den die Szene braucht: Mal aufbegehrend und fast militärisch zackig, dann wieder seidig weich wie in jenen magischen Momenten des sanft wiegenden Abschiedsterzetts „Soave il vento“. Dann kippt das Licht auch die Szene aus ihrer Turbulenz – für einige Minuten emotionaler Wahrhaftigkeit. Mozarts „Cosi fan tutte“ hat deren etliche und die jüngste Münchner Aufführung der Bayerischen Theaterakademie am Mittwochabend im Prinzregententheater gewährte ihnen musikalisch-szenisch Raum. Obwohl Regisseurin Tatjana Gürbaca, die ihre Inszenierung schon 2005 am Luzerner Theater herausgebracht hatte, der Komödie freien Lauf ließ.
Gürbaca setzte vor allem in den ersten beiden Akten auf Tempo, auf Aktion, auf Bewegung, die in ihrer choreographierten Pose Spiel von Ernst trennte. Bis haarscharf an die Klamauk-Grenze lenkte sie die Protagonisten in beigem Zwillings-Look und den Chor in blau-weiß-roter Uniform oder weißer Rokoko-Underwear (Bühne, Kostüme: Ingrid Erb) und bremste den Übermut nur dort, wo der Boden schwankt. Wo für Guglielmo und Ferrando ihre Macho-Wette endet, wo Dorabella ins Kokettieren flieht und Fiordiligi abstürzt – in eine neue Liebe. Mozart und Da Ponte sagen alles und die eingeblendeten Merksätzeder Regisseurin sind gut gemeint, aber reichlich überflüssig.
Die jungen Sänger beleben den schlichten, (Einheits-)Raum – gebildet aus drei mit Papier bespannten, „durchlässigen“ Wänden – durch ihr temperamentvolles, gut getimtes Spiel. Als exzellent studiertes Ensemble könnte man die Gesangsabsolventen der Münchner Musikhochschule vom Fleck weg engagieren: Die Fiordiligi Sophia Brommers, deren klarer, höhen- (weniger tiefen-) sicherer Sopran in Phrasierung und Ausdruck überzeugt; die rundum souveräne Despina von Sibylla Duffe; den in Stimme und Haltung virilen und nicht zynischen Don Alfonso Miklós Sebestyéns; den übermütigen, mit vollem, rundem Bariton aufwartenden Gulielmo Hyuk Lees. Auch der Mezzo Misaki Onos (Dorabella) fügte sich farblich gut ins Ensemble. Matthias Aeberhard (als Gast) stattete den Ferrando mit forschem Tenorklang aus, blieb ihm in „Un aura amorosa“ jedoch die verführerische Phrasierung schuldig.
Gabriele Luster
Weitere Vorstellungen: 11., 12.,15., und 16. Mai
www.prinzregententheater.de

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