Claus Guth inszeniert, Adam Fischer dirigiert Mozarts "Cosi fan tutte" bei den Salzburger Festspielen
(Salzburg, 30. Juli 2009) Die beiden Paare haben es geschafft. Fiordiligi und Guglielmo, Dorabella und Ferrando haben Geld wie Heu, Traumpartner, Traumfiguren, und sie bewohnen selbstverständlich ein ultraschickes Designerhaus, le dernière cri mit endgeiler weißer Treppe. Und nun, kurz vor der Hochzeit mit ihren sagenhaften Traumpartnern, vor der ultimativen Beziehungszementierung ereilt die Vier der Blues, der Horror vacui in Anbetracht eines vorhersehbaren, spannungslosen Lebens? Keineswegs. Alle sind's heiter und vergnügt, und wenn sie nicht sterben, leben sie bis zum jüngsten Tag.
So beginnt Mozarts Oper "Cosi fan tutte", und so inszeniert sie auch Claus Guth. Mit Filmeinblendungen, die die Paare in innigster Liebeständelei im Salzkammergut, ja da kamma gut, zeigen. Das Leben, ein ewiger Sommer.
Wäre da nicht Don Alfonso, der zynische Altjunggeselle, dem das ungetrübte Glück seiner "Freunde" nicht nur aus Lebenserfahrung suspekt erscheint, sondern auch, weil er es selbst offensichtlich nicht (mehr) haben kann. Wer sich so einen ins Haus holt, braucht für den Ärger nicht mehr selber zu sorgen. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Alfonso schließt eine Wette mit den Jungs auf die Treue bzw. Untreue ihrer Frauen ab, wobei sie diese sogar noch selbst verführen müssen - jeder die Frau des anderen.
Das ist die zynische Versuchsanordnung, die die Handlung der Oper in Gang setzt und zugleich das Grundproblem für jede ernsthafte Inszenierung des Werks darstellt. Soll, kann, darf man so etwas komisch finden, mit all dem Verkleidungsfirlefanz, mit dem die beiden Männer aufwarten sollen, um als Soldaten zunächst "ganz überraschend" abkommandiert zu werden und mit dem sie als "liebestolle Werber" zurückkehren, um ihre eigenen Frauen zu verführen? Kann man, muß man aber nicht, vor allem nicht, wenn man die Geschichte, bzw. die Figuren ernst nimmt.
Und das tut Claus Guth so, wie er das mit seinen psychologisierenden Deutungen des "Figaro" und des "Don Giovanni" bei den Festspielen in Salzburg ebenfalls getan hat. Es erstaunt nicht, dass es Guth zu diesem Werk am wenigsten von allen Mozart-Opern drängte, wie er in einem Interview gestand. Es verschließt sich einer direkten Psychologisierung.
Natürlich ist Alfonso bei Guth nicht einfach der Störenfried, der die schöne Idylle zerstört. Guth sieht in ihm nicht einmal eine reale Bühnen-Figur, sondern mehr eine innere Stimme der handelnden Personen, die Versuchung, der personifizierte nagende Zweifel, der die Protagonisten verunsichert ob ihrer Partnerwahl. Am Ende der Oper verschwindet Alfonso gewissermaßen hinter einer der drei an der Wand hängenden afrikanischen Masken. Die beiden anderen Masken dienten Ferrando und Guglielmo mehr symbolisch als tatsächlich zu ihrer Tarnung.