Comte Ory 2

Guru in der Mehrzweckhalle

Selbst hier, auf dem Höhepunkt des Rossinischen Slapsticks bleibt Pelly fast nüchtern sachlich in seiner Regie…und erzielt dadurch natürlich viel mehr Komik, als wenn er dem Affen Zucker gäbe. Eine Betschwester, die beim Singen wegen etwas zuviel Alkohols im Blut plötzlich zu Boden geht, ist einfach witziger als wenn der ganze Haufen permanent Klamauk machen würde. Selbst die distinguierte Gräfin ist bei Pelly wunderbar minimalistisch neben der Spur, und ihre absurden Koloraturen korrespondieren aufs Schönste mit einer charmant-neurotischen Gestik und Mimik. Hier merkt man, wie genau und detailliert Pelly mit den Sängern gearbeitet hat. Einfach hinreißend, wie Désirée Rancatore das stimmlich und szenisch umsetzt. Die Leichtigkeit und Präzision, mit der sie die höllisch schweren Arien bewältigt, zudem mit einem berückenden Stimmklang, das erinnert manchmal an Edita Gruberova in ihren jüngeren Jahren. Schließlich hat Rossini für seine letzte Buffa, entstanden 1828 unter Zuhilfenahme weiter Teile aus seiner Oper „Il viaggio a Reims“, nochmal ein musikalisches Feuerwerk abgebrannt, das höchste Anforderungen an alle Sänger stellt. Höhepunkt ist natürlich die Menage a trois, wenn der Graf als Schwester verkleidet sich der Gräfin nähert, bei der der Diener des Grafen bereits im Bett liegt. Ein als Nonne verkleideter Tenor schmachtet einen "als Frau verkleideten" Mezzosopran an, der eigentlich einen Mann ist, der von einer Frau gesungen wird (mit schönem Stimmklang: Antoinette Dennefeld)…kurioser und absurder geht es kaum – vielleicht hat Rossini deshalb danach aufgehört, Opern zu komponieren…Es sollte nur mehr der "Tell" folgen, dann war Schluss, obwohl er noch keine 40 Jahre alt war und auf dem Höhepunkt seiner Karriere.

Nicht minder bemerkenswert, der virtuose Tenor Dmitry Korchak als Graf, dem keine Koloratur-Kapriole zu abenteuerlich ist. Dabei fordert Stefano Montanari am Pult von allen Beteiligten stets höchste Präzision und auch Tempo. Auch bei ihm hat Komik etwas mit souveräner Technik und Timing zu tun – ohne dass die lyrischen Feinheiten, die es selbstverständlich auch gibt, unterschlagen werden. Orchester, Sänger und auch der Chor bieten in dieser Produktion jederzeit beides, so dass man sich durchaus auf die Radio-Übertragung der ganzen Oper durch Deutschlandradio – selbst ohne Szene – im März freuen darf. Wer die szenische Version bevorzugt, kann diese bis 5. März in Lyon begutachten und dann später in abgewandelter Besetzung an der koproduzierenden Scala.

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