Cestis La Dori in Innsbruck

Tränen des Lachens statt des Weinens

Gelungene Wiederentdeckung der Cesti-Oper „La Dori“ bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

Von Derek Weber

(Innsbruck, 24. August 2019) Antonio Cesti? Den kennt man – wenn überhaupt – nur als Komponisten der für Wien geschriebenen etwas steifen Hofoper „Il pomo d´oro“. Dass dieser im 17. Jahrhundert so erfolgreiche Vertreter der Venezianischen Schule auch anders – viel anders – konnte, ist jetzt bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik zu erleben. Dort gibt man (eingedenk des 350. Todestags des Innsbrucker Hofmusikers Pietro Antonio Cesti) seine Tragikomödie „La Schiava Fortunata ó vero La Dori“ („Doris oder die glückhafte leibeigene Dienerin“), die im Karneval 1657 im Innsbrucker Hoftheater uraufgeführt wurde.

Gott sei Dank, kann man da nur sagen, denn dieses Dramma musicale hat es in sich, es wirbelt alles durcheinander, was man sich vorstellen (oder auch nicht vorstellen) kann. Da treten Männer als Frauen und Frauen als Männer auf, Soprane werden zu Bässen und Bässe verwandeln sich in Soprane, ehe sich am Schluss alles zum Guten wenden kann.
Aber nicht nur die Sänger und Sängerinnen tragen ihren Teil zum Gelingen der Aufführung bei. Ottavio Dantone (musikalische Leitung und Cembalo) und die aus zwölf Musikern bestehende kleine „Accademia Bizantina“ garantieren in Innsbruck einen „Originalklang“ vom Feinsten.

Die Handlung und ihre ProtagonistInnen sind so verworren, dass man sie eigentlich keinem Menschen erklären kann, der bei der Aufführung nicht anwesend war. Man braucht sie auch nicht zu kennen. Es geht drunter und drüber. Jeden Augenblick kann eine Katastrophe passieren oder passiert auch tatsächlich auf der Bühne. Wichtig ist, dass alles am Ende gut ausgeht und alle Bühnenbewohner zufrieden sind.

In Kürze: Die Handlung spielt an den Ufern des Euphrat und am Hofe Babylons. Eine Frau in Männerkleidern – Dori alias Ali – sucht ihren verschwundenen Geliebten. Sie selbst wird wiederum von einem Mann in Frauenkleidern gesucht, der irrtümlich glaubt, sie sei seine Schwester. In den verliebt sich ein anderer Mann. Dori findet ihren Geliebten, der aber einer anderen Frau versprochen ist, was aber natürlich Dori nicht weiß.

Dass man sich bei aller Wirrnis zurechtfindet, ist das Verdienst des Librettisten der Oper, Giovanni Filippo Apolloni, und des Regisseurs der Innsbrucker Aufführung, Stefani Vizioli, der im Verein mit dem Bühnenbildner Emanuele Sinisi Klarheit in die Oper bringt.

Man wird im Innsbrucker Landestheater gut unterhalten, auch wenn der Regisseur zuweilen der Versuchung nicht widersteht, Ausflüge ins Derbe zu unternehmen. Das kann man getrost auch als historische Konzession an das alte Volkstümliche verbuchen, das ja als Unterströmung des Aristokratischen in diesem Jahrhundert noch sehr lebendig war, ehe es in der commedia del´arte sozusagen „nach unten“ kannonisiert wurde. Man kann sich nur wünschen, dass solche Entdeckungen Schule machen mögen.

Das kleine Orchester der Accademia Bizantina kommt mit 12 Musikern aus und spielt hervorragend. Da merkt man, wozu Spezialisten gut sind. Das gleiche gilt für die Sänger: Francesca Ascioti brilliert als Dori/Ali. Der Coutertenor Rupert Enticknap singt den in Dori verliebten Oronte, seines Zeichens persischer Thronfolger, mit stilsicherer Eleganz. Francesca Lombardi Mazzulli ist Arsinoe, die jüngere Schwester Doris; Emöke Baráth singt den ägyptischen Prinzen Tolomeo, der als junge Frau namens Celinda auftritt und in Arsinoe verliebt ist. Der Bassist Federico Sacchi singt den persischen Regenten Artaxerse (zugleich Onkel von Oronte).
Von den übrigen Sängern sei noch der Tenor Alberto Allegrezza in der Rolle der Dirce (Orontes alter Amme) erwähnt.
Sie alle singen mit lockerer Leichtigkeit, weil es eben eher darauf ankommt, rezitativisch zu artikulieren denn virtuos aufzutrumpfen.

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