CD der Woche

Sensationeller Archivfund

Violinkonzerte von Halvorsen und Nielsen, Kraggerud, Engset, Naxos 8.573738

Von Christoph Zimmermann

Das Coverfoto (Geiger Henning Kraggerud inmitten hochragender Baumstämme) gibt keinen ausdrücklichen Hinweis auf die Besonderheit dieser CD-Veröffentlichung mit Violinwerken aus Skandinavien. Beim Konzert von Johan Halvorsen (weiterhin das von Carl Nielsen sowie Johan Svendsens Romanze) handelt es sich um einen fast schon sensationell zu bezeichnenden Archivfund. Der wenig bekannte norwegische Komponist, verheiratet übrigens mit einer Nichte Edvard Griegs, war selber Geiger, vor allem jedoch Dirigent. Erst als sich diese Tätigkeit nach seiner Pensionierung reduzierte, gewann das Komponieren neuen Aufschwung. Das für die Kanadierin Kathleen Parlow geschriebene Violinkonzert war freilich schon 1907/8 entstanden. Da Halvorsen es vom Publikum als nicht gebührend gewürdigt empfand, vernichtete er das originale Notenmaterial. Die Uraufführungs-Geigerin übergab das ihre jedoch der Universitätsbibliothek Toronto, wo es – nicht angemessen katalogisiert – aber erst 2015 (!) wieder entdeckt wurde. Der norwegische Geiger Henning Kraggerud, u.a. Schüler von Camilla Wicks, nahm sich des Fundes sofort an. Liveaufführungen folgte die vorliegende, Ende 2016 entstandene Einspielung. Die Musik ist nordisch-romantisch geprägt, aber (außer vielleicht dem melodiösen Mittelsatz) nicht eigentlich retrospektiv. Ein Werk mit reichen gestalterischen Möglichkeiten, welche Kraggerud voll ausreizt. Das Malmö Symphony Orchestra unter Bjarte Engset begleitet energisch und klangsatt. Das Werk sollte eine neue Karriere starten, wie auch Nielsens Konzert hierzulande stärker zu beachten wäre, was auch für sein weiteres Oeuvre gilt. Die Lebensdaten beider Komponisten sind übrigens nahezu identisch, ihr Musikstil weist nicht von ungefähr Ähnlichkeiten auf. Editorisch wie künstlerisch eine Veröffentlichung von besonderer Wichtigkeit.

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