CD der Woche

Nachholbedarf

Gustav Holst: Kammermusik/Ensemble Arabesques/Farao B 108098

Von Christoph Zimmermann

Die Musikgeschichte Englands zwischen Purcell und Britten ist nicht so „leer“, wie mitunter beklagt. Immerhin gibt es in jüngerer Zeit Elgar, Vaughan Williams oder Charles Villiers Stanford (korrekt: der war Ire), bei dem Gustav Holst studierte. Aber zu wirklicher Popularität schaffte er es ebenso wenig wie die zuvor Genannten, mit Ausnahme vielleicht von Elgar, vor kurzem in Köln mit Konzerten und Symposien umfänglich geehrt. Bezüglich Holst erinnerte die Oper der Domstadt mit einer bezwingenden Aufführung von „Savitri“ durch das Studio des Hauses. Im Repertoire wirklich verankert ist von Holst-Werken aber wohl nur die „Planeten“-Suite, wobei sich der „;Mars“-Abschnitt mit seiner Klangfarbendramatik sogar zu einem echten Hit mauserte. Wann und wo aber hört man Holsts Kammermusik?

Eine auch mit seinen 80 Minuten Spieldauer sehr attraktive CD, produziert bei Deutschlandradio Kultur, versteht sich als Appetitanreger. Das Ensemble Arabesques (der Name rührt vom gleichlautenden deutsch-französischen Kultur-Festival her) hat den Vorteil einer variablen Besetzung (Mitglieder der drei repräsentativen Hamburger Orchester – nur für das Quartett opus 7 Wurde die Pianistin SooJin Anjou hinzu engagiert). Das Hören wird dadurch besonders abwechslungsreich. Holsts früher Stil orientiert sich noch am Ausdrucksvokabular der Romantik, lediglich das Terzetto von 1925 (jedes Instrument spielt in einer separaten Tonart) wirkt dezent experimentell. Ansonsten: folkloristisch angehauchte, spielverliebte Musik mit breitem Emotionsband und fantasievollen Ausdrucksideen. Nachdrückliche Empfehlung für den Konzertsaal – und möglichst mit einem derart exquisiten, locker-virtuos aufspielenden Ensemble wie das von Arabesque.

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