Bruckner BR

Anti-Aging Bruckner

Kindersoldaten an die Front Foto: Stephan Walzl

(München, 17. Dezember 2009) Bruckners Symphonien müssen ein Jungbrunnen sein, vor allem für diejenigen, die sie dirigieren. Die Münchner Musikfreunde haben Sergiu Celibidache damit bis zu seinem Tod erlebt, gelegentlich kam der über 80-jährige Günter Wand vorbei und nun war es Stanislaw Skrowaczewski, der sie staunen machte. Der 86jährige, im polnischen Lemberg geborene Dirigent und Komponist trat in dieser Doppelfunktion vor das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Zunächst machte Skrowaczewski das Publikum mit seinem jüngsten Werk bekannt: "Music for Winds" ist der Titel des viersätzigen Bläserstückes, das mehrere, renommierte Orchester bei ihm in Auftrag gaben. Auch für die Blech- und Holzbläser des BR bot es eine willkommene Gelegenheit zur Selbstdarstellung. Obwohl eine Zwölftonreihe das Ausgangsmotiv bildet, verschreckt Skrowaczewski seine Hörer nicht. In der Aria dürfen die Holzbläser singen, und die zugesellten Schlagzeuger, Harfe, Klavier und Celesta sorgen für eine aparte klangliche Einbettung.

Nach diesem Auftakt wurde Bruckners Zweite zum Höhepunkt. Gewiss hinkt Bruckners 1871 begonnene, mehrfach überarbeitete Symphonie in c-Moll ihren späten Schwestern hinterher (Celibidache dirigierte sie nicht), aber Skrowaczewski machte sie – in einer an die zweite Fassung angelehnten Version – zum Erlebnis.
Auffallend ist die lichte Leichtigkeit, mit der Bruckner den geradezu fröhlich durchpulsten Kopfsatz in Szene setzt. Der Dirigent ging mit ungebremster Vitalität ans Werk und die BR-Symphoniker folgten voller Freude. Die vielen Generalpausen (Bruckners "Atemholen") gerieten nicht zu Leerstellen, zerrissen keineswegs das Gefüge, das Skrowaczewski mit leichter Hand aufbaute und in Spannung hielt: Mit großartigen Steigerungen im zart beginnenden Adagio, mit einem vital aufgeschäumten Scherzo und einem forschen Finale.
Gabriele Luster 

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