BR-Wellentausch

BR-Wellentausch – eine Entscheidung mit Bauchschmerzen

Kommentar

(München, 12. Juli 2014) Der Rat hat getagt und entschieden, die Würfel sind gefallen für das Ende von BR-Klassik auf UKW. Ab 2018 wird der einzige ARD-Hörfunksender, der ausschließlich klassische Musik und Jazz sendet, nur mehr über Digitalradio, Kabel, Satellit und Internet zu empfangen sein. Auf die freiwerdende Welle wird das Jugendradio Puls kommen, eines von vielen Jugendradios innerhalb des ARD-Angebots. Jung siegt gegen alt, Pop gegen Klassik. Die unselige Konfrontation beider Gruppen hat dazu geführt, dass eine nun das Nachsehen hat. BR-Klassik ist ab 2018 nicht mehr auf dem von der Mehrheit der Hörer genutzten Verbreitungsweg zu hören. Schon klar, bislang und noch bis 2018 hat diesen Nachteil das Jugendradio. Verständlicher- und berechtigterweise begehrte es dagegen auf. Nur, warum muss es entweder oder sein? Warum können nicht beide Hörergruppen auf UKW bedient werden, so lang dieser Verbreitungsweg der meistgenutzte ist? Diese Ausschluss-"Logik" leuchtet auch nach dem Entscheid nicht ein. 
Wenn so viele Rundfunkräte Bauchschmerzen haben mit dem "Kompromiss", der keiner ist, wie bei der Sitzung des Rats deutlich wurde – von einem "faulen Kompromiss" war sogar die Rede – dann muss man sich in der Tat fragen, warum nicht andere Lösungsmöglichkeiten gesucht und gefunden wurden, wie das von einigen Rundfunkräten gefordert wurde. Das wäre die Aufgabe der Intendanz des BR in den zurückliegenden Monaten gewesen. Doch die Intendanz hatte ganz offensichtlich kein Interesse an alternativen Lösungsvorschlägen. Sie ließ die Fronten wie sie waren und hat den Konflikt ausgesessen.
Durch den jetzt beschlossenen "Kompromiss" haben aber letztlich alle verloren, die Jugendwelle, die vier Jahre warten muss, ebenso wie der Klassiksender – und auch das Ansehen des BR.
Wenn die Mehrheit der Klassikinteressierten Klassik nicht mehr über den meistgenutzten Verbreitungsweg hören kann, dann ist das eine Beschneidung und Reduzierung des Kulturauftrags. Auch dagegen kann geklagt werden – von der rechtlichen Problematik, Landesrecht über Bundesrecht zu stellen, ganz abgesehen. Die Bauchschmerzen könnten den Ratsmitgliedern also erhalten bleiben – auch nach ihrer Entscheidung.

Heinrich Grün

 


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