BR-Klassik bleibt auf UKW

BR entscheidet gegen Frequenztausch BR-Klassik/PULS

Der Bayerische Rundfunk hat vor dem Hintergrund jüngster Erfolge beim Ausbau von Digitalradio und der Ansprache eines jüngeren Publikums eine Neubewertung des für 2018 geplanten Frequenztauschs seiner Hörfunkwellen PULS und BR-Klassik vorgenommen. Eine entsprechende Meldung verschickte der BR am Freitagnachmittag. Nach eingehender Prüfung sei der BR zu dem Schluss gekommen, von dem Umstieg abzusehen. Geplant war ursprünglich ein Tausch der UKW-Ausstrahlung von BR-Klassik mit PULS, weil der BR nur 5 UKW-Wellen zur Verfügung hat. Auch ein Gerichtsurteil zu dem Wechsel steht noch aus, Privatradios hatten gegen den geplanten Tausch der Wellen geklagt. Klassikfreunde in ganz Deutschland hatten gegen den Wechsel mit einer Unterschriftenaktion protestiert. Damit bleibt die einzige reine Klassikwelle der ARD auch weiterhin auf UKW empfangbar und PULS im Digitalradio DAB+.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm erklärte in der heutigen Sitzung des Rundfunkrats: „Durch große eigene Anstrengungen ist es uns gelungen, die Rahmenbedingungen im Vergleich zu 2014 nachhaltig zu verändern. Wir haben unsere Ziele – die jungen Menschen vermehrt anzusprechen und eine flächendeckende DAB+-Versorgung herzustellen – erreicht. Diese neue Situation ermöglicht uns nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente eine Entscheidung im Sinne eines guten Miteinanders mit den privaten Radioanbietern und den Verlegern.“

Hintergrund der Entscheidung sei ein im Vergleich zu 2014 deutlich verändertes Umfeld, so der BR. „Als die Entscheidung 2014 getroffen wurde, statt BR-Klassik künftig PULS über UKW zu senden, drohte ein Generationenabriss über die Programmpalette des BR hinweg. Heute ist es dagegen gelungen, mit Bayern 3 in der Zielgruppe der 20- bis 29-Jährigen in Bayern Marktführer zu werden – und dies, dank der konsequenten Neuausrichtung der Wellen Bayern 1 und Bayern 3, die 2015 eingeleitet wurde und Bayern 3 in der musikalischen Ausrichtung und Ansprache wesentlich jünger gemacht hat.“

PULS habe sich zu einer starken Netzmarke des BR entwickelt. Im Oktober 2017 erreichte PULS auf seinen YouTube Kanälen insgesamt knapp 7 Millionen Views. Fast 70 Prozent der User sind zwischen 18 und 34 Jahre alt. Damit sei PULS auf dem richtigem Weg, junge Zielgruppen mit öffentlich-rechtlichen Inhalten zu erreichen.

Im klassischen Ausspielweg „Radio“ sowie im linearen Fernsehen dagegen bleibe das junge Programm bisher schwach und müsste, um an die Zielgruppe zu kommen, tatsächlich „popularisiert“ werden – dagegen aber wehren sich die Privatanbieter. Die Entscheidung sehe der Bayerische Rundfunk nach einer jahrelangen Auseinandersetzung um den geplanten Frequenztausch daher auch als bewussten Schritt auf die privaten Radiobetreiber und Verlage in Bayern zu.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm: „Der BR will in der Verantwortungsgemeinschaft der Medien in Bayern seinen Beitrag zu einem guten Klima im dualen System leisten. In der aktuell aufgeheizten Debatte möchte ich bewusst ein Signal der Kooperation setzen, für den Standort Bayern und darüber hinaus.“

Matthias Fack, Vorsitzender des Programmausschusses im BR-Rundfunkrat und Präsident des Bayerischen Jugendrings: „Wir haben uns 2014 gegen viele Widerstände für den Umstieg eingesetzt und eine große Mehrheit dafür gewinnen können. Die damaligen Voraussetzungen haben sich inzwischen grundlegend geändert. Der BR hat es in den letzten Jahren geschafft, junge Menschen durch einen geänderten Kanal-Mix mit einem attraktiven Programm zu erreichen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk darf nicht nachlassen, sein Angebot auf ein jüngeres Publikum auszurichten.“

Dr. Lorenz Wolf, Vorsitzender des BR-Rundfunkrats: „Der Rundfunkrat unterstützt den Intendanten in seiner Entscheidung, den Wellentausch nicht durchzuführen. Zugleich hält er die ursprüngliche Entscheidung für richtig, die die Voraussetzung dafür bildete, die Veränderung des Programms in Richtung Jugend entscheidend voranzubringen.“

Auch Martin Maria Krüger, Präsident des Deutschen Musikrates, meldete sich zu Wort und drückte seine Genugtuung über die Entscheidung aus: „Der Deutsche Musikrat gratuliert dem Bayerischen Rundfunk mit seinem Intendanten Ulrich Wilhelm zu dieser klugen Entscheidung. Mit dieser Lösung ist sichergestellt, dass das hervorragende Programm von BR-Klassik für alle Bevölkerungsschichten analog und digital zu empfangen ist. Dem Bayerischen Musikrat und seinem Präsidenten Thomas Goppel, der sich nachdrücklich für diesen Weg eingesetzt hat, gratuliere ich zu diesem Erfolg.“

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