Blomstedt mit Strauss und Bruckner in Salzburg

Trauer und Trost

Herbert Blomstedt dirigiert Strauss und Bruckner bei den Wiener Philharmonikern in Salzburger

Von Derek Weber

(Salzburg, 19. August 2017) Trauermusiken unterschiedlicher Art standen auf dem Programm des Konzerts von Herbert Blomstedt mit den Wiener Philharmonikern bei den Salzburger Festspielen. Einmal Anton Bruckners 7. Symphonie mit der Totenklage für Richard Wagner, zum anderen Richard Strauss‘ „Metamorphosen“ für 23 Solostreicher, in denen der Komponist die nicht nur physischen Trümmer beweint, die von dem in Schutt und Asche gelegten Deutschland am Ende des Zweiten Weltkrieges übriggeblieben waren.

Wenn man den Blick auf dieses späte Werk von Richard Strauss nicht zu eng anlegt, könnte man schon darüber ins Sinnieren kommen, dass hier einer, der nach 1933 mit denen kollaborierte, die an dieser Katastrophe schuld waren, etwas beweint, das er als gewesener (kurzfristiger) Präsident der Reichsmusikkammer ein ganz klein wenig mitverschuldet hat. Keiner weiß das besser als der so besonnene wie tief denkende Herbert Blomstedt. Der Dirigent saß in einem Stuhl, was er sonst nie tut (weil er sich am Fuß verletzt hatte) und die Musik enthielt sich aller gelackten Intensität, baute die Binnenspannung des Stücks mit dynamischem Feingefühl auf und sprach von Trauer und Trost zugleich. Nur der Schluss war ganz für die Trauer reserviert. Und die philharmonischen Streicher spielten sich dabei die Seele aus dem Leib.

Dass Blomstedt ein begnadeter Bruckner-Dirigent ist – neben Bernard Haitink einer der letzten aus der alten Schule -, ist inzwischen auch dem letzten Zweifler klargeworden. 90 Jahre wurde Blomstedt in diesem Jahr. Ein anderer hätte sich beim Auftritt in Salzburg vielleicht stundenlang feiern lassen. Blomstedt beschränkte die Jubelavancen mit nordischer Gelassenheit – und saß wenige Minuten nach dem Konzertende schon wieder umgezogen zum freundlichen Autogrammgeben parat.

Und sein Bruckner? Bei der Siebenten ein Gipfel an Durchhörbarkeit. Die Steigerungen? Unterfüttert mit drängendem, aber dosiertem Vorwärtsschreiten. Das Adagio? Nicht zu feierlich und nicht zu langsam. An Bruckner schleicht man sich eben nicht heran. Vielleicht kommt ein Begriff wie „in protestantischer Gemessenheit“ dem, was zu hören war, am ehesten nahe. Selbst die Wagner-Tuben hatten am Ende des Satzes noch aufhellende Reserven im Köcher.

Und dass am Ende der Symphonie zwei Pauken am Werk sind, war in der Blomstedt’schen Klangregie so unmerklich gesteigert, dass man es nur hörend wahrnehmen konnte, wenn man genau hinsah. Wie die ganze Symphonie: Das Gegenteil von elektronischem Rummstata aus der großen, alles ganz genau wissenden digitalen Hörbox.

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