Berezovsky Elder

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Die sagenhafte Tochter Pohjolas

Boris Berezovsky Foto: Warner Music

Die Münchner Philharmoniker unter Mark Elder spielen Grieg, Sibelius und Nielsen
(München, 7. Juli 2007) Was für ein schönes und mutiges Programm! Wer kennt schon die symphonische Fantasie „Pohjolas Tochter“ von Jean Sibelius oder Carl Nielsens vierte Symphonie? Die Münchner Philharmoniker und der englische Dirigent Mark Elder hatten nicht nur den Mut, diese reichlich unbekannten Werke aufs Programm zu setzen, sie boten auch das nötige musikalisch-interpretatorische Engagement, diese durchaus eigenwilligen Musiken zu einem faszinierenden Klangerlebnis zu machen.
Düster dräuend der Beginn von Sibelius‘ Fantasie, die – wie so häufig bei Sibelius – auf eine Episode aus dem Finnenepos Kalevala zurückgeht: Väinämöinen ist auf „Freiersfahrt“ durch das dunkle Nordland und hat dabei allerhand Abenteuer zu bestehen, um die namentlich nicht näher bezeichnete Tochter Pohjolas für sich zu gewinnen. Sibelius schrieb keine Programmmusik im eigentlichen Sinn, sondern mehr eine atmosphärische Annäherung in Tönen, gleichwohl voll dramatischer Kraft. Die wechselt spannungsreich und suggestiv zwischen zauberisch idyllischen und zugespitzt dramatischen Momenten. Ungemein vielgestaltig und farbig wirkt diese Musik.
Beeindruckend ist auch Carl Nielsens vierte Symphonie, uraufgeführt 1916 in Kopenhagen unter der Leitung des Komponisten. Die Emanzipation von zentraleuropäischen Einflüssen hin zu einer eigenen Klangsprache voller Intensität und Selbstentäußerung, dieser Schritt des ca. 50jährigen Dänen wird hier nachvollziehbar. Die Symphonie solle „ausdrücken, was wir unter Lebensdrang oder Lebensäußerungen verstehen, also: alles, was sich rührt, was Leben will“, so schrieb der Komponist. Klingt im ersten Satz noch mahlersche Zerrissenheit an, offenbart der langsame dritte Satz einen tiefgründigen, gedankenschweren Tonfall, der einem erst wieder bei Schostakowitsch begegnet. Auch harmonisch bietet diese Musik durchaus Neues, Ungewohntes. Eigenwillig ist freilich auch das große Solo für zwei Pauken im Schlusssatz, dessen Allegro.Bezeichnung keineswegs die fröhliche Auflösung bedeutet, sondern das de.profundis.Gefühl (auch angesichts des sich zum Weltkrieg ausweitenden zentraleuropäischen Konflikts) nur in einen anderen Aggregatszustand überführt. Mark Elder und die Münchner Philharmoniker veranschaulichten das mit großer Geschlossenheit und dunkel leuchtendem Timbre.
Nur in Griegs Klavierkonzert rückte der phänomenale Boris Berezovsky die prächtig disponierten Philharmoniker doch etwas in den Hintergrund. Obgleich der Russe alles andere als ein sich eitel in den Vordergrund spielender Tasten.Löwe ist. Ganz im Gegenteil, Berezovsky war es durchaus auch um die klangliche Verbindung mit dem Orchester zu tun, und die gelang denn auch sehr überzeugend. Dabei schaffte er es, mit seinem stupenden Portato.Spiel den Solopart immer mit entsprechendem Gewicht zu versehen, ohne deshalb auftrumpfen zu müssen. Sehr romantisch an Schumann angelehnt der erste Satz, mehr in Tschaikowsky-Nähe der letzte. Bereszovsky beeindruckte mit überlegener Technik und brillantem, akzentreichem Spiel und bedankte sich für die Ovationen des Publikum mit drei charmanten kleinen Klavierstücken von Edvard Grieg.
Robert Jungwirth

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