Baum der Diana

Der Baum und die Erkenntnis

Foto: Tato Baeza. Palau de les Arts

In Valencia wird die Oper  „L’arbore di Diana“ des spanischen Komponisten Vicente Martin i Soler ausgegraben
(Valencia im Dezember 2008) Diana ist Priesterin. Sie hat ein Keuschheitsgelübde abgelegt. Ebenso ihre drei Mit-Priesterinnen, die ihr untergeben sind. Die vier Damen treffen sich immer unter einem Baum. Doch da ist auch Gott Amor und der hat es auf die Keuschheit und das Gelübde der züchtigen Damen abgesehen. Amor verschiesst seine Pfeile und nutzt für seine verwegenen Spiele Silvio, Endimione und Doristo, drei junge Männer, die angesichts der gut aussehenden Frauen ganz aus dem Häuschen sind.
Typisch für eine Story aus der zweiten Hälfte des 18. Jhdts. kommt es angesichts der Liebespfeile von Amor zu heiklen Verwicklungen, zu herzzereißenden Arien, in denen von Gelübden gegenüber den Göttern die Rede ist, von platonischer Liebe und den Abgründen fleischlicher Begierden. Und dann kommt es wie es kommen muß: die Liebe, Amor, siegt und selbst die anscheinend prüde Diana lässt sich verführen und kann sich gar nicht mehr vorstellen wie es war, so ganz ohne Liebe und Lust zu leben.

Die Oper „L’arbore di Diana“, der „Baum der Diana“ von dem aus Valencia stammenden spanischen Komponisten Vicente Martin i Soler, mit einem Libretto des Wiener Starschreibers Lorenzo Da Ponte, wurde am 1. Oktober 1787 am Burgtheater in der Habsburgerhauptstadt uraufgeführt. Ein großer Erfolg, der dann aber in Vergessenheit geriet.
In Valencia gräbt man seit Jahren die Werke von Martin i Soler aus. Daran beteiligt sich auch das erste Haus am Platze, das Palau de les arts Reina Sofia. Das städtische Opernhaus, ein Meisterwerk des futuristischen Architekten Santiago Calatrava, wird von der energischen Östereicherin Helga Schmidt geführt. Die Intendantin verfügt in ihrem gigantischen Opernhaus über gleich drei Bühnen. Die kleinste ist Martin i Soler gewidmet und so wurde „L’Arbore di Diana“ dort auch wieder aufgeführt.

Ein für alte Musik perfektes Theater! Steil steigen die Sitzreihen von der Bühne auf in die Höhe, so dass niemand einen Kopf vor sich hat. Die Akustik ist traumhaft, wie geschaffen für Werke mit kleinem Orchester. Der Bühnenraum ist gross und tief genug, um, wie bei diesem Werk, einen riesigen Baum zu präsentieren und verschiedene Szenografien. Auch wenn im hintersten Bühnenbereich gesungen wird kann jedes einzelne Wort bin in die oberste Zuschauerreihe hinauf verstanden werden.
Der argentinische Dirigent Rubén Dubrovsky dirigierte die Musiker des Orchesters des Palau, die unter Zubin Mehta und Loren Mazel in den letzten zwei Jahren zu einem der besten spanischen Klangkörper geworden sind. Dubrovsky hat sich einen Namen als Spezialist für alte Musik gemacht. In Wien, wo er das Bach Consort leitet und ständiger Gast am Musikverein ist.

Er holte aus der vielseitigen und ungemein witzig angelegten Partitur alles heraus, was Martin i Soler hineingepackt hat: ein bisschen Mozart, ein bisschen Gluck und ein bisschen von sich selbst. Eine Mix, der dank seiner musikalischen Leitung deutlich erkennbar wurde. Dubrovsky zeigte, dass „L’arbore di Diana“ vielleicht die wienerischste Oper des Spaniers ist.

Die Sopranistin Ofeila Sala sang eine resolute Diana, die, als sie von Amors Pfeilen getroffen wurde, ganz sanft wurde und weitaus höher sang als im ersten Teil der Oper, als sie noch die Hüterin priesterlicher Keuschheit repräsentierte. Die Mezzosopranistin Marina Comparata ging komplett in der von Regisseur Daniel Slater bisexuell angelegten Rolle auf: mal schlüpfte sie in die Rolle eines Mannes, dann in die einer Frau, stimmlich immer perfekt. Das galt auch für alle anderen Rollen. Man hätte sie nicht besser besetzen können. Besonderes Lob verdienen Bariton Christian Senn als Doristo und Tenor Dmitri Korchak als Endimione. Helga Schmidt, die immer ein Auge auf die Auswahl der Stimmen hat, die an ihrem Haus singen, hatte wieder einmal eine gute Wahl getroffen. Schade nur, dass eine so selten zu sehende und zu hörende Oper nicht als DVD aufgezeichnet wurde.

„L’arbore di Diana“
Vicente Martin i Soler
Palau de les arts Reina Sofia, Valencia
21.-30.12.08

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