Bach-Projekt

Der eigentliche Star war im Hintergrund

Christine Schäfer, Matthias Goerne und Hillary Hahn widmen sich zusammen mit dem Münchener Kammerorchester einem Bach-Projekt
(München, 4. Dezember 2008) Man nehme drei Stars, ein renommiertes Kammerorchester und einen der größten Komponisten aller Zeiten, fertig ist „Das Bach-Projekt“. Im Prinzregententheater traf die wunderbare Geigerin Hillary Hahn auf nicht minder charismatische Sänger wie Christine Schäfer und Matthias Goerne. Doch erstaunlicherweise wollte sich in keiner der ersten sieben Arien aus verschiedenen Kantaten, die von beiden jeweils abwechselnd mit obligater Violine vor der Pause gesungen wurden, ein bezwingender musikalischer Eindruck einstellen.
Mehr noch: Ausgerechnet die erste Arie mit dem Titel „Vergnügen und Lust“, mit der nach Carl Philipp Emanuel Bachs erfrischend unkonventioneller sechster Symphonie in E-Dur das Vokal-Programm begann, bereitete dem Zuhörer weder Vergnügen noch Lust. Denn leider traf Christine Schäfer, eine sonst mit schwierigsten Stimmanforderungen in dieser oder in der zeitgenössischen Musik so versierten Sängerin anfangs nicht einmal die Töne sicher, geschweige denn, dass Bachsches Melos oder der der Inhalt in wechselnder Ausprägung jenseitiger Glaubensgewissheit zum Ereignis wurden.
Das sollte sich bis hin zur Pause auch bei Matthias Goerne nicht wesentlich ändern. Wie neben sich schienen die beiden. Auch die große – für Alt komponierte – „Erbarme dich“-Arie aus der „Matthäuspassion“ verpuffte bei Christine Schäfer in der Fassung für Sopran von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Bange Pausengespräche folgten und die Hoffnung auf die Lösung des Knotens, die prompt erfolgte: Denn nicht nur die vom Kammerorchester unter Alexander Liebreich wunderbar gespielte Ouvertüre aus der h-moll-Suite oder die Air aus der D-Dur-Suite konnten verzaubern, sondern ebenso die beiden Duette aus „Ach Gott, wie manches Herzeleid“ (BWV 58) oder zum Finale „Welt ade, ich bin dein müde“ aus „Der Friede sei mit dir“ (BWV 158) – zwei Dialoge von Gott bzw. Jesus mit der menschlichen Seele. In dieser Zwiesprache ereignete sich mit einem Mal Großartiges, wirkten beide Sänger ganz bei sich, waren sie frei im Singen und endlich gleichberechtigte Partner für die den ganzen Abend mit wunderbarer Zurückhaltung und zugleich ungeheuerer Präsenz spielenden Hillary Hahn, die der eigentliche, wenn auch im Hintergrund agierende Star des Abends war.
Klaus Kalchschmid

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