Bach-Chor

Im dialogischen Miteinander

Der Münchner Bach-Chor mit der Matthäus-Passion in München
(München, 6. April 2007) Bachs Matthäus-Passion traditionell am Karfreitag – das bedeutet für viele, nicht nur evangelische Christen Besinnung auf den Opfertod Christi und emotionales Erlebnis dieser Erlösungstat – auch außerhalb des kirchlichen Raumes. Als der Münchner Bach-Chor am frühen Freitagnachmittag in der Philharmonie im Gasteig das 1729 erstmals erklungene, aber erst im 19. Jahrhundert von Felix Mendelssohn-Bartholdy wieder „entdeckte“ Werk aufführte, gesellte sich zum emotionalen das künstlerische Ereignis. Denn Hansjörg Albrechts inspirierende, die Dramaturgie der Passion aufspürende Leitung animierte den Bach-Chor, den Chor des Pestalozzi-Gymnasiums, die Solisten und das Münchner Bach Collegium zu einer bis ins Detail spannungsvollen, vitalen, musikalisch hochwertigen und geschlossenen Aufführung.
Die beiden Chorgruppen folgten flexibel und klanglich gut ausbalanciert dem zumeist raschen Choral-Tempo, das Albrecht, dem Verlauf des Geschehens folgend, auch dynamisch klug variierte: Von der frommen Ergebenheit des „Was mein Gott will“ über das sanft-mitfühlende „Wer hat dich so geschlagen“ bis hin zum zerrissenen „Bin ich gleich von dir gewichen“ oder dem zwischen Empörung und stillem Schrecken eindrucksvoll wechselnden „O Haupt voll Blut und Wunden“.
Das dialogische, rhythmisch pointierte, präzise Miteinander der Chöre lud die Turbae dramatisch auf und peitschte nach kurzer Anfangsirritation auch Blitze und Donner theatralisch heraus.
Das geteilte Orchester samt vorzüglicher Continuo-Gruppe musizierte insgesamt wie auch im solistischen Einsatz (der Oboen, der Flöten, der Violinen oder der betörenden Gambe) differenziert und klangschön. Dabei setzte Albrecht in den zuweilen rasanten Übergängen auf wache die Reaktion von Instrumentalisten, Chorsängern und Solisten.
Von ihnen beeindruckte vor allem Roman Trekel mit linear geführtem, in sich gerundetem Bariton als Christus. Ausgezeichnete Figur machten die beiden jungen Sänger Martin Mitterrutzner (Tenor) und Nikolay Borchev (Bass), die ihre Arien stilvoll phrasierten und in den Koloraturen erfreulich beweglich blieben.
Markus Schäfer gewann als Evangelist im zweiten Teil bei zunehmend dramatischerem Duktus an Intensität. Wenig individuelle Farben steuerten die beiden Damen Andrea L. Brown (mit eher soubrettigem Sopran) und Elisabeth Kulmann (mit leicht unausgeglichenem Alt) bei.
Gabriele Luster

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