Ausstellung Schönberg und Jung-Wien

Revolution im Caféhaus

Die Ausstellung „Arnold Schönberg und Jung-Wien“ im Wiener Arnold Schönberg Center zeigt, wie sich die Wiener Künstler um 1900 gegenseitig beeinflusst und bereichert haben – man sollte sie sich nicht entgehen lassen

Von Robert Jungwirth

(Wien, im März 2018) Wienerischer könnten die Geburtsorte der Wiener Moderne nicht sein: ein Operettentheater und ein Caféhaus. Im Cafe Griensteidl scharten sich Literaten, Musiker, Architekten und bildende Künstler um den Schriftsteller Hermann Bahr als geistig-ideelles Zentrum einer künstlerischen Erneuerungsbewegung. Und im Carl-Theater erprobten sie neue Ideen für die Bühne. Das Wien des Fin de Siecle war nicht nur ein Versuchslabor für den Weltuntergang, wie Karl Kraus spöttelte, es war vor allem ein Versuchslabor für neue künstlerische Ideen und Konzepte. Die enormen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, die rasante Entwicklung der Wissenschaften bildeten den Hintergrund für die Neuorientierungen in den Künsten. Zu den Künstlern des Jung-Wien-Kreises zählen u.a. Artur Schnitzler, Leo Hirschfeld, Adolf Loos, Koloman Moser, Max Oppenheimer, Jakob Wassermann, Alexander Zemlinsky, Arnold Schönberg und Peter Altenberg. Eine genaue Eingrenzung der Personen ist ebenso unmöglich wie eine strikte Definition des Begriffs „Jung-Wien“, den wohl Hermann Bahr als erster proklamierte.

Arnold Schönberg, der über seinen Lehrer Alexander Zemlinsky Zugang zu dem Künstler-Kreis erhielt und ihm seit den späten 1890er Jahren angehörte, bildete mit diesem das musikalische Zentrum. Der Wiener Schriftsteller und Musikkritiker Richard Specht hat Schönbergs Stellung in einem Aufsatz von 1910 folgendermaßen beschrieben: „Der fesselndste, problematischste, beunruhigendste unter den Jung-Wiener Tondichtern ist sicherlich Arnold Schönberg. Keiner von den anderen weckt solche Empörung; keine hat solch verzückte Anhänger. Um ihn ist eine Atmosphäre, die gleichsam von Elektrizität übersättigt ist.“

Schönberg interessierte sich nicht nur für fast alle künstlerischen Genres, er betätigte sich auch in vielen selbst. So komponierte er nicht nur, sondern malte und schrieb sogar Theaterstücke.
Die übersichtliche, aber vielseitige und spannende Ausstellung im Wiener Arnold Schönberg Center (es besitzt den gesamten Nachlass des Komponisten) versucht die vielfältigen wechselseitigen Einflüsse der Künstler des Jung-Wien zu illustrieren – wobei natürlich die Person Arnold Schönbergs im Zentrum steht.

Neben Manuskripten früher Lieder nach Gedichten etwa von Hugo von Hofmannsthal oder Frank Wedekind sind auch zahlreiche Bilder Schönbergs oder frühe handschriftliche Dramenmanuskripte zu sehen. Dazu Briefe, Dokument, Fotos, Gemälde und kunstgewerbliche Gegenstände verschiedener Künstler.

Besonders stark war beispielsweise auch der Einfluss des Architekten Adolf Loos auf Schönberg. Sein Kampf gegen Ornament und Zierrat in der Architektur inspirierte Schönberg zu einer Ökonomisierung in der Komposition und der Überwindung der spätromantischen Musik.
Und Loos interessierte sich für Schönberg, besuchte dessen Konzerte, ja unterstützte ihn sogar finanziell.

Das letzte Exponat der Ausstellung ist ein Selbstbildnis Schönbergs, das ihn von hinten im (Weg-)Gehen zeigt. Es entstand 1911, dem Jahr, mit dem die Ausstellung die Phase des Jung-Wien als beendet ansieht. Der Tod Gustav Mahlers wirkte für viele damals als Zäsur, Schönberg verließ Wien und ging nach Berlin.

Die Ausstellung „Arnold Schönberg und Jung-Wien“ ist wochentags bis zum 29. Juni im Schönberg Center in Wien (Zaunergasse 1-3) zu sehen. Das sehr zu empfehlende Begleitbuch mit Aufsätzen zu verschiedenen Aspekten des Themas in deutscher und englischer Sprache kostet 29 Euro. Weitere Informationen unter: www.schoenberg.at

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