Auftakt Residenzwoche

Königliche Hof-Musik im Kaisersaal

(München, 13. Oktober 2007) Auch die fünfte Residenzwoche beeinhaltet wieder zahlreiche thematische Führungen durch die Räume des ehemaligen Wittelsbacher-Sitzes und 13 Konzerte in der Hofkapelle, dem Antiquarium, der Allerheiligen Hofkirche und dem Kaisersaal (bis 21. Oktober). Sie begann mit einem Programm aus Instrumentalwerken Evaristo Felice dall’Abacos und Tomaso Albinonis in diesem prächtigen Raum, der in seiner Schönheit immer wieder überwältigt und mit Musik aus der Zeit seiner Erbauung um 1700 wie zu neuem Leben erweckt wird.
Christoph Hammer setzte mit 13 Musikern seiner Neuen Hofkapelle beim Eröffnungskonzert auf furiose Lebendigkeit, einen geradezu hitzigen Elan, der kaum in den langsamen Sätzen zur Ruhe kam. Das verlieh der rhythmischen Energie so manchen Allegros einen fantastischen Drive, ließ den knappen ersten Satz von Albinonis Sonata in D für Trompete (großartig gespielt von Martin Patscheider) und Streicher wie im Sturm vorüberrauschen und drückte auch der Sinfonia D-Dur für Trompete und Streicher von Giuseppe Torelli einen prägnanten Stempel auf. Dieser drängende Impetus, der oftmals zur Beschleunigung innerhalb eines sowieso schon schnellen Tempos führte, erweckte allerdings manchmal den Eindruck, als ob die Musiker unter Strom stünden und wie unter Hochdruck spielten.
Umso mehr beeindruckte das herrliche Adagio des Concerto per Oboe d-moll Nr. 1 aus opus 9, das Albinoni 1722 als Zyklus dem Bayerischen Kurfürsten Max Emanuel gewidmet hatte, um Aufträge aus München zu erhalten (mit Erfolg). Das berühmte Adagio Albinonis (das im übrigen gar nicht von ihm stammt) verblasste vor diesem Satz mit seinem edlen, reichen Ausdruck und berührte – auch dank des exzellenten Solisten Allessandro Piquè) ebenso nachhaltig wie das bukolisch dahinfließende Andante e sempre piano des Violinkonzerts op.9/7 mit Rüdiger Lotter als Solist.
Nicht minder intensiv war der Eindruck bei den drei Konzerten aus der Feder Evaristo Felice dall’Abaco (1675-1742), der als Cellist und Komponist seit 1704 im Dienste des Kurfürsten Max Emanuels stand und auch unter Karl Albrecht von 1726 bis 1740 als Kammerkonzertmeister und kurfürstlicher Rat wirkte. Sein Concerto a più Instrumenti G-dur op. 5/2 eröffnete das Konzert; das in h-moll op. 6/4 stand im Zentrum und mit dem D-Dur-Concerto, der Nr. 6 aus op. 5, ging es so überschäumend temperamentvoll zu Ende wie es begonnen hatte.
Am Freitag, 19. Oktober spielt Lyriarte im Kaisersaal (20 Uhr) unter dem Motto "Serenissima an der Isar" Sonaten von Antonio Vivaldi, Francesco Maria Veracini und Georg Friedrich Händel.
Klaus Kalchschmid
Weitere Informationen unter: www.residenzwoche.de

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