Artemis Tschaikowsky

Webernscher Tschaikowsky

On the road again: Das Artemis Quartett in neuer Besetzung Foto: Thomas Rabsch

Das Artemis Quartett mit Beethoven, Strawinsky und Tschaikowsky zu Gast im Münchner Herkulessaal
(München, 17.10. 2007) Wenn man die Hälfte eines aufeinander eingeschworenen Ensembles austauscht, ist das natürlich ein Risiko. Dem hochdekorierten Artemis Quartett ist das passiert, für den 2. Geiger Heime Müller kam Gregor Sigl, für den Bratscher Volker Jacobsen kam Friedemann Weigle.
Seit diesem Jahr arbeitet das Ensemble nun mit den „Neuen“, das erste Konzert im Sommer in Salzburg offenbarte zwar noch gewisse Mängel, jetzt tourt das Quartett erneut und bemüht sich, an die Erfolge der zurückliegenden Jahre anzuschließen.
Beethoven, Strawinsky, Tschaikowsky – aus dieser eigenwilligen Komponisten-Trias bestand das Programm des Konzerts im Münchner Herkulessaal. Geradezu zärtlich, feinstofflich klang das A-Dur Quartett op. 18/5 von Beethoven, das die Artemis-Musiker nah ans große Vorbild Haydn heranrückten. Beispielhaft die Klangbalance der Stimmen, die Homogenität im cantabel zu singenden dritten Satz. Der Mut zum piano-Spiel zahlte sich aus, da es stets getragen war von intensivem Ausdruck, Flexibilität in Tongebung und Phrasierung. Beeindruckend auch die Transparenz der Stimmen im Wechselspiel von Melodiestimme und Begleitung.
Die drei Stücke für Streichquartett von Igor Strawinsky aus dem Jahr 1914 sind experimentelle, skizzenhafte Miniaturen, ein wenig unentschieden zwischen Expressionismus und Dadaismus. Sicher sind sie keine bedeutenden Taten, interessant, sie mal gehört zu haben, aber mehr auch nicht. Ein wenig fragte man sich, was die Artemis-Musiker daran so besonders finden, sie so exponiert zu präsentieren.
Von den drei von Tschaikowsky überlieferten Streichquartetten erklang das mittlere, das unspektakulärste (Nr. 2 in F-Dur). Auch hier überwogen eher die leisen Töne, das Intime, Zurückgenommene, was im feingesponnenen Andante durchaus eindrucksvoll geriet, in den Ecksätzen aber fast schon zur Marotte wurde. Hier hätte man sich dann doch etwas mehr Tongebung gewünscht, etwas mehr Blutdruck im anämischen Säuseln. Ein wenig klang es wie Tschaikowsky in der Bearbeitung von Anton Webern, nur hätte der niemals Tschaikowsky bearbeitet.
Robert Jungwirth

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