Artemis Quartett

Im Schatten des Glücks

Artemis Quartett Foto: Thomas Rabsch

Das Artemis Quartett mit Schubert und Widmann in München
(München, 9. Dezember 2008) Nein, die Welt Schuberts ist nicht mehr heil. Auch wenn es im lyrisch-innigen Cello-Gesang von Eckart Runge zunächst so klang. Der Cellist und seine Kollegen vom Artemis Quartett (Natalia Prishepenko, Gergor Sigl, Violine, und Friedemann Weigle, Viola) ließen selbst im Andante keinen Zweifel daran, dass Schubert in seinem letzten Streichquartett Nr. 15 G-Dur nur noch die Vorstellung, die Reminiszenz an ein Glück, den Wunsch danach formuliert. Aber auch die Utopie traf den Zuhörer – beim Konzert am Dienstagabend im Münchner Herkulessaal – im Innersten.
Denn so wie sich das Artemis der Verunsicherung, der Zerrissenheit auslieferte, wie es (schon im raumgreifenden Kopfsatz) alle Schroffheiten ausformulierte, rabiate Akzente setzte und – kein Risiko scheuend – klangliche und dynamische Extreme ansteuerte, riss es das Publikum schier mit in die Verzweiflung. Auch in den Spuk des unheimlichen Scherzos, in den Widerstreit des Finales.
Klug kombiniert hatten die vier, in ihrer künstlerischen Unbedingtheit faszinierenden Streicher das letzte Schubert-Quartett mit einem frühen (Nr. 9 g-moll) und Jörg Widmanns „Choralquartett“. Letzteres gehört zum Zyklus der fünf Streichquartette, die der Münchner Komponist dem Artemis Quartett gewidmet hat. Vom Cellisten in seinen Eigenheiten charmant vorgestellt, fungierte es als sinnstiftende Überleitung vom klassisch inspirierten, mit frischem Elan und Delikatesse musizierten g-moll-Quartett zum Spätwerk. Widmann, der sich in seinem zweiten Quartett auf Haydns „Sieben Worte des Erlösers am Kreuz“ besinnt, schreibt Schuberts Verunsicherung fort. Das hochkonzentrierte Artemis Quartett hielt Spannung in der Stille und fächerte Widmanns faszinierendes Geräusch-Spektrum auf. Großartig. Am Ende lautstarke Begeisterung.
Gabriele Luster

 

 



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