"Armida" von Joseph Haydn bei den Salzburger Festspielen

Liebe und Magie vor der Bretterwand

Annette Dasch und Michael Schade Foto: Monika Rittershaus

Eröffnung des Opernprogramms bei den Salzburger Festspielen mit „Armida“ von Joseph Haydn
(Salzburg, 28. Juli 2007) Liebe in Zeiten des Krieges hat einen schweren Stand. Davon kann Armida nicht nur eine Arie singen. Die ganze Oper lang kämpft sie singend um ihren Geliebten Rinaldo, der hin und hergerissen ist zwischen der Liebe zu ihr und seinem Pflichtgefühl als Soldat. In der musikalischen Ausgestaltung dieser Seelengewitter liegt denn auch die Stärke dieser 1784 uraufgeführten Haydn-Oper, am wenigsten Libretto, das reichlich holzschnitthaft geraten ist.
Die Salzburger Neuinszenierung des Werks lebt vor allem von der enormen gesanglichen und darstellerischen Präsenz des Protagonistenpaares Annette Dasch und Michael Schade. Annette Dasch fleht und verführt, rebelliert und wütet und zeichnet dabei das Bild einer beeindruckend starken Frau, die weiß, was sie will, allen äußeren Widrigkeiten zum Trotz.
Ihre Liebe zu Rinaldo, dem Kreuzritter, der als Feind in ihr Land kam und als Geliebter blieb, ist so groß, dass sie darüber die Gefahren vergisst, die die Umstände für sie beide bergen. Und so erkennt sie auch viel zu spät, dass es keine gute Idee war, Rinaldo wieder in den Kampf zu schicken, wenn auch diesmal für ihre eigene Seite. Auch ihre „magischen“ Kräfte versagen angesichts des männlichen „Ehrgefühls“.
Von der Zerstörung einer großen Liebe erzählt Haydns Oper, und Annette Dasch und Michael Schade verlebendigen dieses Zerstörungswerk mit bestechendem stimmlichen und körperlichen Einsatz auf der Riesenbühne der Salzburger Felsenreitschule. Dirk Becker hat darauf eine Wand aus Holzbrettern, eine begehbare schräge Ebene sowie einen riesigen Holzquader als eigentümliche Nicht-Szenerie errichtet. Allenfalls kann man sie noch als Exerzierplatz ansehen, was auch der Lautsprecher unterstreicht, der hoch aus dem Bühnenboden ragt und aus dem immer wieder Marschmusik erklingt. Regisseur Christoph Loy läßt darauf allerhand Bewegungstheater von Kriegern und Kriegerinnen (oder sind es deren Bräute?) absolvieren. Es wird viel gerannt und gekämpft, gerauft und gerungen, obwohl es in der Oper eigentlich keinen Chor gibt – allein, die zentrale Liebesgeschichte verliert durch das Gezappel einiges von ihrer Spannung und Intensität. Das Bühnengeschehen wirkt mitunter zerfasert wie das Stapelholz, auf dem die Krieger herumturnen.
Ivor Bolton am Pult des von ihm als Chefdirigent geleiteten Mozarteum Orchesters läßt wie gewohnt konturiert und mit Originalklang-Biß musizieren, findet aber bei Haydn nicht wirklich zu einer so überzeugenden Klanglichkeit wie ihm das bei Händel oft gelungen ist. Vor allem die Streicher klangen zu unverbindlich. Ungeachtet dessen waren die gesanglichen Leistungen allesamt auf höchstem Niveau. Hervorzuheben sind vor allem Richard Croft als Ubaldo und Vito Priante als Idreno.
Robert Jungwirth
Weitere Vorstellungen am 4., 7., 11., 15. und 18. August
Soeben ist eine CD von Annette Dasch erschienen, auf der sie Armida-Arien von Gluck, Händel und aus Haydns Oper singt: hier lesen Sie die Rezension.

Foto: Monika Rittershaus

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