ARD-Wettbewerbs-Notizen

ARD-Wettbewerbsnotizen

Bekam den 1. Preis im Fach Streichquartett: das Armida Quartett Foto: Dorothee Falke

Drittes Preisträgerkonzert und Abschluss des Wettbewerbs
Armida Quartett, 1. Preis; Dashon Burton, Gesang Männer, 1. Preis; Stojan Krkuleski, 2. Preis, Klarinette; Olena Tokar, 1. Preis, Gesang Frauen, und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
(München, 21.9.2012) Das G-Dur-Quartett, das Joseph Haydns opus 76 eröffnet, stand auch am Beginn des letzten Preisträgerkonzerts im Herkulessaal. Einmal mehr bewies das Armida Quartett aus Berlin, dass es zu Recht den ersten Preis und darüber hinaus sieben (!) Sonderpreise erringen konnte. Vor allem der langsame Satz atmete bei Martin Funda und Johanna Staemmler (Violinen), Teresa Schwamm (Viola) und Peter-Philipp Staemmler (Cello) eine wundervolle Ruhe, bei der die Zeit still zu stehen schien, während die vier Deutschen das Menuett frech im Presto hinfetzten und das Trio herrlich schubertisch mit vielen Rubati ins Tänzerische hineindrehten. Auch das Finale lässt sich wohl kaum schöner und pointierter musizieren.
Stojan Krkuleski offenbarte bei Carl Nielsens Klarinettenkonzert einen ähnlichen Facettenreichtum in Klang, Tongebung und Ausdruck. Dem 26-jährigen Serben gelang der vielfältige Wechsel zwischen zarter Lieblichkeit und buchstäblicher Verrücktheit, zwischen Langsam und Schnell, Laut und Leise grandios. Da war es ohne Belang, ob das Konzert nun ein Porträt des Widmungsträgers und Interpreten der Uraufführung darstellt, der unter Wahnvorstellungen litt, ein Selbstporträt des dänischen Komponisten ist oder einfach – typisch skandinavisch – das musikalische Bild eines Trolles malt, der von einem Moment auf den nächsten seine Gestalt wechseln kann – gerade noch betörend schön und gleich darauf häßlich verzerrt. Was vermeintlich humoristisch zugespitzt ist, trägt auf ganz eigentümliche Weise immer ernste Züge – und ernsthaft spielte es Krkuleski auch, mit viel Anteilnahme, feinem Ausdruck und dem immer wieder aufscheinenden Mut, die Schizophrenie des Stücks Klang werden zu lassen – nicht zuletzt in den irren Dialogen mit einer kleinen Trommel. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ließ unter Leitung von Graeme Jenkins die konzertanten Qualitäten des Werks plastisch zur Geltung kommen und folgte dem Solisten bei jeder Volte sekundenschnell.
Die beiden Preisträger im Fach Gesang, die mit je zwei Arien die beiden Konzerthälften beendeten, waren wie Tag und Nacht, und das in jeder Hinsicht: Hier der US-amerikanische Bassbariton mit den bis zu den Hüften reichenden Rastalocken, der seine Töne immer ein bisschen so singt, als wolle er Lockerungsübungen auf dem Sportplatz machen, dort die zarte, ungemein berührend singende lyrische Sopranistin aus der Ukraine. Zum dritten Mal im Wettbewerb sang Dashton Burton nun Händels "The trumpet shall sound" aus dem "Messiah" und jedes Mal steigerte er sich in Intonation und musikalischer Gestaltung. Dass seine mächtige Stimme mal sehr laut sein kann, oft aber seltsam ohne Kern und leicht diffus in der Artikulation bleibt, das war vor allem bei Bachs Arie "Großer Herr und starker König" aus dem "Weihnachtsoratorium" zu hören, das man nun wahrlich schon dutzendfach auch an diesem Ort konturierter und prägnanter gehört hat. Warum Burton bei den Männern einen zweiten Preis gewinnen konnte, wird wohl auf ewig ein Geheimnis der Jury bleiben.
Da waren sich Publikum, Kritik und Jury bei Olena Tokar schon einiger. Rusalkas Lied an den Mond kann man jedenfalls kaum schöner, ausdrucks- und seelenvoller singen und auch das "O Dieu! Que de bijoux – Ah, je ris de me voir" der Marguerite aus Gounods "Faust" war weniger Bravourarie als zauberhaftes Charakterporträt eines (selbst-)verliebten, verführbaren Mädchens und der rechte glanzvolle Abschluss des diesjährigen ARD-Musikwettbewerbs.
Klaus Kalchschmid
TV Tipps:
Am Sonntag, 23. September (23.05 Uhr), gibt es ein ttt-extra zum diesjährigen Wettbewerb in der ARD. Die Aufzeichnung des dritten Preisträgerkonzerts wird am 30. September (22.45 Uhr) im Bayerischen Fernsehen, am 7. Oktober (9.00 Uhr) beim SWR sowie am 4. November (8.15 Uhr) vom HR gesendet.

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Zweites Preisträgerkonzert
Novus String Quartet, 2. Preis; Anna Sohn, 2. Preis Gesang Frauen; Hansung Yoo, 2. Preis und Publikumspreis Gesang, Männer; Annelien Van Wauwe 2. Preis Gesang Frauen, und das Münchener Kammerorchester

(München, 20. September 2012) Dem Entstehen von Musik zuhören, aber quasi unter Laborbedingungen, das bot das Novus String Quartet – Nomen est Omen – bei ihrer ersten öffentlichen Aufführung von Mozarts Streichquartett Es-Dur KV 428. Noch mehr als beim Semifinale mit diesem Werk hatte man den Eindruck, etwas noch nicht Fertiges, etwas kaum Geborenes wie unter einem Brutkasten hören zu müssen. Seltsam unlebendig klang das vor allem in den Mittelsätzen, obwohl alle Töne präsent waren, oftmals auch ein schöner Klang produziert wurde. Aber wo sich das Geschehen polyphon verzahnte, da hakte es gleich, geriet die Klangbalance in Schieflage und im Finale kamen vor lauter Tempo die kleinen Noten allzu hastig. Warum nur haben die vier an der Münchner Musikhochschule bei Christoph Poppen studierenden Südkoreaner für das Preisträgerkonzert kein Werk gewählt, mit dem sie erfahren und schon gereift sind?

Dann aber Erleichterung, als Anna Sohn wieder Händel und Mozart sang. Einmal mehr konnte man die neben Olena Tokar (die im dritten Preisträgerkonzert zu hören ist) beste Sängerin des ganzen Wettbewerbs erleben: einen ebenfalls traumhaft schönen, reichen, klangvollen Sopran voller Charisma. Ihr "Rejoice greatly, o daughter of Zion" aus dem "Messiah" war einfach nur beglückend, ungemein präzise die Koloraturen, aber nie als Selbstzweck gesungen. Der Ausdruck von unbändiger Freude übertrug sich mit jedem Ton auf das Publikum, nicht zuletzt dank eines Münchener Kammerorchesters, das mit Verve auch Konstanzes "Ach, ich liebte" aus Mozarts "Entführung" begleitete. Und wieder war das Verzierungswerk, waren die Spitzentöne nicht nur perfekt gesetzt, sondern immer auch von Farbe und Ausdruck erfüllt.

Nach der Pause gab es dann erst einmal drei Lieder, gesungen von Hansung Yoo mit Boris Kusnezow als Partner am Klavier: Henri Duparcs "L’invitation au voyage", Hugo Wolfs dramatische Mörike-Ballade "Der Feuerreiter" und Gustav Mahlers "Ich hab‘ ein glühend Messer in meiner Brust". Das war intensiv und kultiviert gesungen, zumal der 27-jährige Südkoreaner einen Bariton mit Strahlkraft und einem schönen Kern besitzt, aber eigentlich hätte man auch den Mann am Flügel auszeichnen müssen. Als einer von sechs Pianisten begleitete der junge Russe verschiedene Sänger während der ersten und zweiten Runde, wurde jetzt aber extra noch einmal geholt und konnte einem größeren Kreis an Zuhörern zeigen, was für ein phänomenaler, aktiv und ausdrucksvoll mitgestaltender Liedpianist er ist. Das eigentliche Drama der Lieder spielte sich im Klavier ab und manchmal ertappte man sich dabei, dass man mehr Kusnezow zuhörte als dem Sänger.

Zum Abschluss spielte Annelien Van Wauwe Wolfgang Amadeus Mozarts Klarinettenkonzert mit herrlich dunklem, aber ganz natürlich leicht und frei fließendem Ton. Berückend der langsame Satz, aber auch herrlich graziös das Finale. Und wieder war das Münchener Kammerorchester mit seinem Konzertmeister Daniel Giglberger nicht nur Begleiter, sondern ein aufregender Mitstreiter und -gestalter.

Klaus Kalchschmid   

Erstes Preisträger-Konzert
Sergey Eletsky, 2. Preis Klarinette; Kyubong Lee, 3. Preis Gesang Herren; Calidore String Quartet, 3. Preis Streichquartett; Sumi Hwang, 2. Preis und Sophia Christine Brommer, 3. Preis Gesang Damen und das Rundfunkorchester München
(München, 19. September) Nach der Pflicht nun also die Kür: Die drei Preisträger-Konzerte (auch II und III am 20. und 21. September überträgt BR Klassik live und im Internet über “ target=“_blank“>www.ard-musikwettbewerb.de
Streichquartett, Semi-Finale

(München, 13. September 2012) Es ist schon ein Schlauch: Mittags betritt und abends um neun verlässt man das Prinzregententheater – erschöpft, aber irgendwie glücklich, denn von den sechs Quartetten, die ins Semi-Finale durften, haben drei, wenn nicht vier auf ganz unterschiedliche Weise spannend, aufregend und bewegend Musik gemacht. Wann ergibt es sich außerdem beim ARD-Wettbewerb, dass man sechs verschiedene Mozart-Quartette (darunter die drei "Preußischen") auf ganz unterschiedliche Art und Weise innerhalb eines großen Konzerts erleben kann. Dazu mussten alle das zweite Streichquartett von Erkki-Sven Tüür als Uraufführung spielen sowie Schuberts Quartettsatz c-moll oder die fünf Stücke op. 5 von Anton Webern.

Leider hat es das zu Recht als Favorit gehandelte Acies-Quartett aus Österreich trotz eines wunderbar natürlichen und sanften Mozart (KV 421) und eines enorm durchsichtig und präzise gespielten Auftragswerks nicht ins Finale geschafft, während das allzu monochrom und neutral auf ihren dunkel bronzefarbenen Instrumenten musizierende Novus String Quartet aus Südkorea ins Finale einzog.

Dass das aus vier jungen Damen bestehende Quatuor Zaïde, Calidore String Quartet aus Kanada und den USA sowie das Armida Quartett aus Deutschland sich beim Finale im Prinzregententheater mit Beethoven oder Schubert und Bartók präsentieren dürfen, ist allerdings nur gerecht: Schuberts c-moll-Quartett-Satz war beim Zaïde-Quartett zum einen wunderbar nervös gespielt, aber auch enorm seelenvoll, ähnlich der Interpretation des Calidore String Quartet, das allerdings zudem immer wieder das typische Schubertsche halbbewußte Schlendern musikalisch hörbar werden ließ.
Statt Schubert hatte das Armida Quartett die fünf Sätze für Streichquartett von Anton Webern gewählt und spielte sie nach dem Wunsch des Komponisten – wie Chopin! Also mit wunderbar differenziertem Ausdruck, enorm präziser Intonation der 12-Ton-sturkturen und einem Facettenreichtum, der die die Pianissimo-Ertüftelungen des ausgeschiedenen Quartet Berlin Tokyo in den Schatten stellte.

Auch "Lost Prayers", das beeindruckende Auftragswerk von Erkki-Sven Tüür des diesjährigen ARD-Wettbewerbs, spielte das Armida Quartett höchst souverän. Schon die Einleitung, in der sich mehrfach Fortefortissimo-Akkorde in zartes Flageolett auflösen, wirkte wie aus einem Guss. Wie sich dann eine identische, sequenzierte Sechzehntel-Figur immer mehr erweiterte, die Richtung wechselte und schließlich in einen gewaltigen Höhepunkt mündete, hatte enorme Spannkraft. Nicht minder überzeugend der zart schraffierte Mittelteil voller Springbogen-, Flageolett- und Tremolo-Effekten. Daraus schälte sich eine zunächst kanonartige, archaische Zweistimmigkeit, die schließlich an melodiöser und klanglicher Fülle und Dringlichkeit immer mehr zunahm. Ähnlich fesselnd im detailgenauen, durchsichtigen Spiel und dem dramatischen Zug, in den das alles eingebettet war, klang das Tüür-Quartett beim Quatuor Zaïde.
Die vier Französinnen, die in besonderer Sitzordnung – mit dem Cello am Platz der zweiten Geige – antraten, spielten Mozarts letztes Quartett sehr energetisch und schlank, mit Binnenspannung und mutigem Zugriff in den polyphonen Verschlingungen des Finales. Das Calidore String Quartett musizierte das C-Dur-Quartett KV 465 in wunderbar natürlich homogenem Duktus, bei dem – auch in der ersten Geige – nichts herausstach, aber auch nichts unterbelichtet blieb. Ähnlich beglückte ganz zum Schluss das B-Dur-Quartett KV 589 mit dem Armida Quartett. Einem ungemein facettenreich singenden und enorm flexiblen Cello standen hier drei sich in Klang und Phrasierung perfekt ergänzende Oberstimmen entgegen: traumhaft der langsame Satz, voller Volten das Menuett und ein Finale mit mehr als einer Spur Beethoven und Bartók, den die vier Deutschen dann auch mit opus 132 und der Nummer 4 im Finale am Samstag (16 Uhr) präsentieren werden.
Klaus Kalchschmid

Alle Semifinali, Finali und die drei Preisträgerkonzerte am 19., 20. und 21. September sind via kostenlosem Livestream (letztere auch in BR-Klassik) zu verfolgen über www.ard-musikwettbewerb.de
Streichquartett, zweite Runde
Nach zwei anstrengenden Aufführungstagen im zweiten Durchgang steht nun fest, wer im Halbfinale spielen wird.

(München, 11.9.2012) Sechs der insgesamt zehn Quartette haben den zweiten Durchgang überstanden und haben nun die Möglichkeit, sich im Halbfinale zu beweisen. Das deutsche Armida Quartett überzeugte vor allem mit den "Metamorphoses nocturnes", dem ersten Streichquartetts Ligetis. Ein Stück, das dem Ensemble bereits im letzten Jahr zum Erfolg verholfen hat; so erhielte das Armida-Quartett beim 66. "Concours de Geneve"- neben dem 1. und dem Publikumspreis – den "Dr. Glatt" Sonderpreis für seine Interpretation des Ligeti-Quartetts. Die jungen Musiker gründeten ihr Ensemble 2006 in Berlin, wo sie derzeit an der Universität der Künste in der Kammermusikklasse des Artemis Quartetts studieren.
Wie erwartet, überwanden die jungen Männer vom Acies Quartett ebenfalls die zweite Hürde. Mit ihrer wunderbaren Interpretation des ersten Brahms-Quartett in c-Moll, op. 51 no. 1, begeisterten sie das Publikum so sehr, dass die Musiker am Ende ihrer Vorstellung noch dreimal hinausgehen mussten, um den Beifall zu beschwichtigen. Besonders beim Allegretto molto moderato e comodo zeigte das Ensemble, über welche dynamischen und klanglichen Fähigkeiten die Musiker verfügen. Mit den vier Österreichern wird man bis zum Schluss rechnen müssen.
Mit dabei ist auch das kanadisch-amerikanische Quartett Calidore aus Los Angeles. Besonders der Ganzköpereinsatz ihres ersten Violinisten, Jeffrey Meyers, beeindruckte das Publikum. Obwohl das Ensemble noch nicht lange besteht – 2010 gaben sie ihr Konzertdebüt an der Broad Stage in Santa Monica -, kann es in den USA schon einige Erfolge für sich verbuchen. 2011 gewannen das Quartett den Grand Price der Fisher National Chamber Music Competition und in diesem Jahr ebenfalls den ersten Preis bei der Coleman and Chesapeake International Chamber Music Competition. Im Frühling dieses Jahres waren sie Gast beim Laguna Beach Chamber Music Festival, wo sie mit Joshua Bell zusammenarbeiteten. Vielleicht bietet ihnen der ARD Wettbewerb das nötige Sprungbrett, um auch in Europa Fuß zu fassen.
Ein wenig überraschend erscheint die Entscheidung der Jury, das Gagliano Quartett nicht am Semifinale teilnehmen zu lassen. Besonders die Darbietung von Min Hee Lee war erneut ein Erlebnis. Ebenfalls ausgeschieden sind das Anima Quartet, das Jana Quartet und das Quatuor Varèse. Die Anforderungen an die Kandidaten steigen, ebenso die Erwartungen.
Philip Brückner
Streichquartett, erste Runde
Die erste Runde des ARD-Musikwettbewerbs in der Kategorie Streichquartett ist mit einigen Highlights beendet; alle Teilnehmer sind noch im Rennen.
(München, 9.9.2012) Das österreichische Acies Quartett begann am zweiten Aufführungstag mit dem Streichquartett op. 76 No. 4 von Joseph Haydn und dem ersten Streichquartett von Leos Janácêk. Das 2000 am Kärtner Landeskonservatorium gegründete Ensemble gehört zu den erfahreneren Quartetten des Wettbewerbs. So kann es bereits auf einige bedeutende Erfolge zurückblicken: 2006 gewannen Benjamin Ziervogel (1. Violine), Raphael Kasprian (2. Violine), Manfred Plessl (Viola)  und Thomas Wiesflecker (Cello) den ersten Preis in der Kategorie Streichquartett beim "gradus ad parnassum" – Wettbewerb in Wien. 2007 erhielten sie den "Artist oft he Year" – Preis der Bank Austria und die Auszeichnung als "Künstler des Jahres 2007" des  Rundfunksenders Ö1. Vor einiger Zeit begannen sie damit, ihr breites Repertoire auf CD einzuspielen,  so zum Beispiel nahmen sie in diesem Jahr Schostakowitschs drittes und fünftes Streichquartett auf. Seit 2008 studiert das Ensemble bei Günter Pichler – dem ehemaligen Primarius des Alban Berg Quartetts – am Instituto Internacional de Musica de Caméra in Madrid.
Die jungen Musiker brillierten (in europäischer Sitzordnung) mit ihrer Haydn – Interpretation; besonders im zweiten Satz halten sie die Balance zwischen den einzelnen Instrumenten eindrucksvoll aufrecht. Wunderbar auch ihre klangfarbenreiche Darstellung des ersten Streichquartetts von Janácêk, das bisher am häufigsten gespielte Stück.
Eine ebenfalls sehr eindrucksvolle Darstellung lieferte das kosmopolitische Gagliano Quartett, das 2006 an der Universität der Künste Berlin entstand. Besonders beeindruckend war Min Hee Lee (1.Violine), die – mit scheinbar unbegrenzten virtuosen Fähigkeiten ausgestattet – die Schwierigkeiten des Quartetts op. 19 no. 1 von Beethoven problemlos meisterte. Derzeit ist sie Akademistin am Deutschen Symphonie Orchester Berlin; zusammen mit Tal Riva Theodorou (Viola) gehört sie zum Kernbestand des Quartetts (Johannes Köthke und Sebastian Caspar kamen später hinzu). Die israelische Bratschistin ist neben ihrer Tätigkeit im Gagliano Quartett seit acht Jahren Mitglied im West Eastern Divan Orchestra, wo sie an mehren internationalen Auftritten und CD – Einspielungen, wie dem "Beehtoven for all" –  Projekt, beteiligt war. Zusammen mit dem Cellisten Johannes Köhtke – seit 2009 Stipendiat der Yehudi Menuhin – Stiftung "Live Music Now" – und Sebastian Caspar  (2. Violine) – mit 24 Jahren einer der jüngeren Teilnehmer in der Kategorie Streichquartett – entsteht ein wunderbar ausgewogener Klang, in dem jeder zeigt, was er kann, ohne den anderen zurückzudrängen.
Das Quartett "Berlin Tokyo" beendete den letzten Aufführungstag des ersten Durchgangs. Die vier Musiker bewiesen ihre Affinität zu zeitgenössischer Musik, indem sie das modernere Stück ("fünf Stücke für zwei Violinen, Viola und Violoncello", op. 14, von Erwin Schulhoff) als einzige vor dem klassischen spielten. Der charismatische Primarius Tsuyoshi Moti – der 2004 den zweiten Platz beim 73. Musikwettbewerb in Tokyo erhielt – brillierte durch seine beeindruckende Virtuosität, ohne jedoch seine Ensemble-Mitglieder Moti Pavlov (2.Violine), Eri Sugita (Viola) und Ruiko Matsumoto (Cello) dabei an die Wand zu drängen. Das Ensemble studiert derzeit an der Universität der Künste Berlin und sorgte beim internationalen Musikfestival in Japan 2004 für Aufsehen.
Es bleibt also spannend und man darf gespannt sein, wer es ins Halbfinale schafft.
Philip Brückner
Lesermeinungen:
Andreas Preisser aus Brandenburg schreibt uns am 26.9.2012
"Die Meinung von Herrn Offermann zum Calidore String Quartett kann ich in keiner Weise teilen.Ich fand das Mozart Dissonanzenquartett im Semifinale bemerkenswert,ebenso das Bartok Quartett im Finale, sie haben sich den Preis mit Ihrer Hingabe an die Musik mehr als verdient."
U. Offermann aus München schreibt uns am 15.9.2012
"Ihre Euphorie hinsichtlich des Calidore String Quartets beim ARD-Wettbewerb kann ich, unmittelbar vor dem Finale, nicht teilen. Nicht nur für mich, sondern auch für eine Menge anderer Besucher des Wettbewerbs ist nicht nachvollziehbar, warum dieses Quartett überhaupt ins Semifinale eingezogen ist, vom Einzug ins Finale ganz zu schweigen.
Mit freundlichen Grüßen! U. Offermann"


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