ARD-Konzert 2

CDs kaufen

Grenzenlose Lust auf Klassik

Gewinner des ARD-Wettbewerbs spielten zusammen mit dem Münchner Kammerorchester im Prinzregententheater
Hätte es in diesem Jahr auch einen Wettbewerb für Kammerorchester gegeben, das Münchner Kammerorchester hätte auch einen Preis gewinnen müssen. Seine Chance, sich beim zweiten Preisträgerkonzert des ARD-Wettbewerbs nicht nur vor dem live-Publikum im Prinzregententheater, sondern auch vor den Mikrofonen der live-Übertragung im Rundfunk in Szene zu setzen, nutzte es optimal. Vor allem in Mozarts Oboenkonzert C-Dur, in dem der aus Russland stammende zweitplatzierte Ivan Podymonov seine Kunst präsentierte, gab das Orchester unter Konzertmeister Daniel Giglberger mehr als nur den netten Begleiter. Die Musiker bezogen Stellung als aktive Dialogpartner des Solisten. Sichtbar motivierte Giglberger quasi jeden seiner Kolleginnen und Kollegen, Mozarts Material attraktiv und intensiv herauszustellen und, im Sinne einer Musikrede, gute Argumente zu liefern, warum das Zuhören hier sich lohnt. Mozart profitierte ungemein, man meinte, ihm beim Komponieren zuschauen zu können und seine Freude zu spüren, die er beim Finden einer gelungenen Wendung selbst erlebte.
Die hervorragenden Solisten des Konzertes werden weiterziehen. Aber München bleibt ein Kammerorchester, das sich durch seine Stilsicherheit und Vielseitigkeit immer mehr als einzigartig in der Gattung positioniert. Ein aufführungspraktisch lebendiger Mozart ist vom MKO genauso zu erwarten wie richtig besetze und deshalb transparente Romantik: wie im Concertino Es-Dur für Posaune und Orchester von Ferdinand David zu erleben war. Hier empfahl sich das MKO unter Sebastian Trewinkel als kleines, perfekt proportioniertes Sinfonie-Orchester, das auf Beethoven, Schumann, Mendelssohn oder Brahms neugierig macht. 150 km weiter östlich ist das der Camerata Salzburg schon spektakulär gelungen. Die Münchner sind ihr dicht auf den Fersen.
Die Solisten zeigten nochmals. dass sie ihre Preise, erste und zweite, mehr als verdient hatten. Einen wunderbar runden, sämigen, nie ermüdenden Ton produzierte Frederic Belli (2.Preis Posaune) auf seinem Instrument und stellte die Frage in den Raum, warum es eigentlich nicht mehr Sololiteratur für dieses so wohlig-wohltuend klingende Instrument gibt. Phänomenal präzis, körperlich und vital spielte Johannes Fischer (erster Preis Schlagzeug) in Matthias Pinschers Komposition „nemeton“ auf. Er führte einen Tanz mit seinem Instrument auf, streichelte, forderte, verführte es wie eine kostbar-schöne Partnerin. Das Schlagzeug dankte mit den schönsten Tönen, die in ihrer fluiden Gelenkigkeit, ihrer wie zum Greifen prallen Farbigkeit manchmal nicht von dieser Welt zu sein schienen sondern eher Visionen aus einem Opiumrausch. Pintscher muss mit einem Musiker wie Fischer gerechnet haben für dieses Stück. Dagegen hatte der Sieger im Fach Oboe, Ramón Ortega Quera aus Spanien, mit dem Solostück „Sinuhe“ des finnischen Musik-Multitalents Olli Mustonen ein eher sprödes Werk an die Hand bekommen, das kaum mehr tut als die klanglichen Möglichkeiten der Oboe durch zu buchstabieren.
Obwohl es nur einen Platz in der Ecke hatte, platzierte sich beim Publikum auch das Morgenstern-Trio aus Deutschland bestens beim Publikum: es bezirzte seine Zuhörer mit einer Darbietung von Beethovens Geister-Trio, die im ersten Satz vor Energie brodelte, um dann gänzlich in das glasig-Geisterhafte des zweiten Satzes umzuschlagen. Immer waren die Musiker voll bei der Sache, immer sprang die Energie der Musikerpersönlichkeiten ins Publikum über. Alle Musiker hier bereiteten der so oft geschmähten Klassik eine echte Sternstunde: die Lust dieser jungen Leute auf das Abenteuer Klassik kennt keine Grenzen und keine Schwächen.
Laszlo Molnar

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.