Andrej Hermlin

Glenn Miller in historischer Aufführungspraxis

Andrej Hermlin and his Swing Dance Orchestra Foto: G.U.Hauth

Andrej Hermlin und sein Swing Dance Orchestra begeistern in München
Von Robert Jungwirth

(München, 28. Dezember 2015) Dieser Sound schmeichelt sich einem ins Ohr. Saxophone und Klarinetten mischen sich so samtig und weich, dass man wegschmilzt. Und das von der ersten Sekunde, von den ersten Klängen der „Moonlight Serenade“ an – was für ein Sound!! 25 Jahre basteln die Musiker von Andrej Hermlins Swing Dance Orchestra schließlich bereits an diesem Sound, und das Ergebnis ist einfach umwerfend – vielleicht sogar noch besser als die originale Vorlage von Glenn Miller and his Band. Von einer Sekunde auf die nächste verwandeln die Berliner selbst den öden Herkulessaal in einen glamourösen Tempel des Swing.
Hermlins Orchester ist das 40er Jahre Pendant zu Max Raabes Palastorchester mit seinem nicht minder beeindruckenden 20er-Jahre-Sound. Beide Orchester stammen aus Berlin. Die Stadt scheint ein guter Boden zu sein für diese Art Musik. Was kommt dort wohl als nächstes?
Andrej Hermlins Swing Dance Orchestra ist gewissermaßen ein Originalklangensemble für den authentischen Glenn-Miller-Sound der 40er Jahre und den anderer legendärer Ensembles wie dem von Tommy Dorsey oder auch Benny Goodman. Perfektion und Authentizität ist Ehrensache – historische Aufführungspraxis eben. Das geht soweit, dass sogar die originale Bühnendeko für die Pulte der Musiker nachgebaut wurde – chromglänzende Boxen, hinter denen die Musiker wie an Schreibtischen bei der Arbeit sitzen und nur ab und zu aufstehen, wenn sie solistisch in Erscheinung treten. Das ist – wie man weiß – bei dieser Musik ziemlich oft der Fall. Und auch hier erweisen sich die Mitglieder des Swing Dance Orchestra als exzellente Musiker, sei es an der Trompete, der Posaune, dem Saxophon – und nicht zu vergessen der vor Vitalität geradezu platzende Schlagzeuger.
Auch Anzüge und Frisuren sind dem Stil der 40er Jahre angepaßt. Hermlin sitzt am Piano und gibt die Einsätze, sonstige dirigentische Zeichengebungen sind nicht vonnöten. Die Band findet auch so stets zum richtigen Zusammenklang. Den besitzen auch die Sänger des dazugehörigen Vokalensembles, die einen nicht minder phänomenalen Sound kreieren und sich den Spaß machen, zu fünft in ein Mikro zu singen. Das Orchester dagegen spielt gänzlich unplugged, was den originalen Klang umso besser hervortreten läßt. Gerne hätte man Paare zu der Musik tanzen sehen, wie das in Berlin derzeit so angesagt ist. In München saß man fest in seinen Sitzen – nur am Ende standen alle auf für standing ovations!

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